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Schwangerschaftsdiabetes: Gleich zweimal zu viel auf den Rippen

Schwangerschaftsdiabetes : Gleich zweimal zu viel auf den Rippen

Einmal Diabetes – immer Diabetes. Diese Annahme ist falsch. Jedenfalls dann, wenn es um eine Zuckererkrankung während der Schwangerschaft geht. Um das Kind zu schützen werden Schwangere darauf heute untersucht. Ist die Schwangerschaft aber vorbei, schert es keinen mehr. Sollte es aber.

Einmal Diabetes — immer Diabetes. Diese Annahme ist falsch. Jedenfalls dann, wenn es um eine Zuckererkrankung während der Schwangerschaft geht. Um das Kind zu schützen werden Schwangere darauf heute untersucht. Ist die Schwangerschaft aber vorbei, schert es keinen mehr. Sollte es aber.

Erkrankt eine Schwangere an Diabetes, hat das nicht nur für sie selbst Folgen, sondern vor allem für das ungeborene Kind. Obwohl das Ungeborene überdurchschnittlich groß ist, ist es unreif und kann Entwicklungsverzögerungen aufweisen. Vor allem die Lunge des Kindes ist bei der Geburt oft nicht so weit, dass das Kind selbst atmen kann.

Bei bis zu zwölf Prozent der Schwangeren kommt es zu einem Gestationsdiabetes. Der äußert sich bei der Mutter durch Bluthochdruck oder Harnwegs — und Nierenbeckenentzündungen, erklärt das Deutsche Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Übergewichtige Frauen neigen dazu besonders und ebenso solche, die während der Schwangerschaft mehr zu nehmen als empfohlen ist.

Anzeichen eines Schwangerschaftsdiabetes

Es sind die Hormone, die eine Schwangerschaft überhaupt erst möglich machen. Manche Hormone aber greifen in den Stoffwechsel so ungünstig ein, dass die Empfindlichkeit der Zellen für Insulin sinkt. Bei einem zu hohen Blutzuckerspiegel gerät die Glukose der Plazenta auch in das Fruchtwasser, aus dem das Ungeborene seien Nahrung bezieht. Die zu hoch konzentrierte Glukose regt die Insulinproduktion des Fötus an, um den hohen Blutzuckerspiegel bewältigen zu können. Das wiederum regt das Wachstum des Fettgewebes an und das Kind nimmt stark an Gewicht zu. Oft werden solche Säuglinge sehr schwer. Sie wiegen locker 4,5 Kilogramm und mehr, während ein normal schweres Baby rund ein Kilo weniger auf die Waage bringt. Auf dem Ultraschallbild sieht es aus, wie ein Kind in einer späteren Schwangerschaftswoche, zumindest der Größe und dem Gewicht nach.

Würde das Kind proportional so weiterwachsen und bliebe der Gestationsdiabetes unentdeckt, würde das Kind zum Geburtstermin so groß sein, dass es meist auf natürlichem Wege kaum mehr entbunden werden könnte. Mindestens genauso gravierend wäre allerdings das Problem der Entwicklungsverzögerung.

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Experten raten zu Untersuchung nach der Geburt

Damit dieses Risiko gebannt ist, wird heute jede Schwangere, die regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen geht auch auf Schwangerschaftsdiabetes untersucht. Was viele jedoch nicht wissen. Mit einem Gestationsdiabetes steigt auch das Risiko der Frau zu einem späteren Zeitpunkt in ihrem Leben an Diabetes zu erkranken. Nach der Schwangerschaft aber interessiert das Problem keinen mehr.

Der Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN) hält das für falsch und fordert darum, dass nach einer Schwangerschaft mit Schwangerschaftsdiabetes die Mutter konsequent auf Diabetes Typ 2 untersucht wird. Denn fast die Hälfte aller Frauen wird im Laufe von zehn Jahren nach der Geburt zuckerkrank. Vor allem Frauen, deren Gestationsdiabetes vor der 24. Schwangerschaftswoche auffällt und auch solche, die Insulin spritzen mussten sind besonders gefährdet. Auch rasch aufeinander folgend Schwangerschaften erhöhen laut der Barmer GEK das Risiko später einen Diabetes Typ 2 zu entwickeln.

"Die Diagnostik auf Schwangerschaftsdiabetes ist im vergangenen Jahr in die Mutterschaftsrichtlinie aufgenommen worden. Doch nach der Schwangerschaft wird meist nicht weiter getestet. Dabei hat Typ-2-Diabetes bei Frauen im gebärfähigen Alter große Bedeutung für den weiteren Lebensweg", erklärt Dr. Matthias Kaltheuner aus dem Vorstand des BdSN. Hatte eine Frau bereits Schwangerschaftsdiabetes, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie hinterher Diabetes Typ 2 entwickelt deutlich erhöht.

Einmal Diabetes ist nicht immer Diabetes

Bei einer Geburtenrate von rund 680.000 Kindern pro Jahr gehen die Experten von rund 68.000 Fällen aus, in denen Schwangerschaftsdiabetes auftritt, so Dr. Kaltheuner weiter. Nach der Entbindung haben circa fünf Prozent der jungen Frauen Diabetes mellitus und ganze 40 Prozent eine Vorstufe, sogenannten Prädiabetes. Rechnet man diese Ergebnisse hoch, dann kommt man auf 27.000 Prädiabetes- und 3.400 Diabetesdiagnosen bei jungen Frauen, von denen die meisten nicht gestellt werden.

Frauen mit Gestationsdiabetes, die aber auch nach der Entbindung auf ihr Gewicht Acht geben und dein Normalgewicht anstreben, sowie sich bewegen und gesund ernähren können dem Schicksal entkommen. Darum plädieren Experten dafür, den Zuckertoleranztest nicht nur während der Schwangerschaft zu machen, sondern bei Frauen, die unter Schwangerschaftsdiabetes gelitten haben, auch nach der Geburt nicht alle zwei bis drei Jahre zu wiederholen.

Hier geht es zur Infostrecke: Blutzucker richtig messen

(wat)