Sprechstunde: Schrittmacher im MRT?

Sprechstunde: Schrittmacher im MRT?

Mancher Herzpatient sorgt sich, dass eine wichtige radiologische Untersuchung bei ihm nicht durchgeführt werden kann.

Unser Leser Willi H. (76) aus Goch fragt: "Ich habe vor Jahren einen Schrittmacher bekommen. Daher darf ich nicht ins MRT. Nun habe ich aber einen Bandscheibenvorfall. Mein Orthopäde kann mir nur mit einer solchen Untersuchung helfen. Sollte ich mir den Schrittmacher wegoperieren lassen?"

Klaus Dominick Sie sprechen ein sehr wichtiges Problem in der medizinischen Diagnostik an. Immer wieder konnten und können verschiedene Untersuchungsverfahren nicht durchgeführt werden, da wir Kardiologen den Patienten Metall einbauen. Da gibt es die Herzklappen, die alle seit 1990 MRT-fähig sind, da gibt es die Edelstahlstützen in den Gefäßen, die alle seit 1995 MRT-fähig sind - und da gibt es auch die Schrittmacher, Defibrillatoren und sogenannten Event-Recorder, die seit 2010 überwiegend MRT-fähig sind. Die Magnetresonanztomografie (MRT) darf nicht mit der Computertomografie verwechselt werden. Bei der MRT findet die Untersuchung mit Hilfe eines Magnetfeldes statt, bei der CT mit Hilfe von Röntgenstrahlen. Das Magnetfeld reagiert auf metallene Körper.

Aber wie? Es gab Anfang des 21. Jahrhunderts eine sehr große Untersuchung namens "Magnasafe Trial". Hier wurden über 1000 Patienten mit allen medizinischen, metallenen Geräten in das Magnetfeld zur medizinischen Untersuchung gelegt. Die Ergebnisse waren völlig überraschend: Es war für den Patienten sicher und diagnostisch ein sehr großer Gewinn. Es folgten zahlreiche Folgeuntersuchungen, so dass schließlich die ersten Sonden und Schrittmacher sowie auch Defibrillatoren mit MRT-Tauglichkeit 2010 offiziell zugelassen wurden. Seit 2016 gibt es auch Geräte, die automatisch ein Magnetfeld erkennen und sich dann umprogrammieren.

Obwohl die Geräte MRT-tauglich sind, müssen wir Kardiologen vorher eine MRT-Tauglichkeit programmieren und nach der Untersuchung prüfen, ob das System noch funktioniert. Aus meiner Erfahrung von tausenden Programmierungen gibt es hier keine Schäden zu beobachten. Natürlich gibt es noch ältere Systeme, wo ältere Sonden, die noch kein CE-Prüfsiegel für das MRT-Gerät haben, mit einem neueren Schrittmacher oder Defibrillator-Aggregat vermischt wurden.

Hier muss ein Kardiologe sorgfältig prüfen, ob die Vorteile einer Untersuchung, die möglichen Nachteile wie die Funktionsschädigung des Systems oder aber Organschäden, die theoretisch möglich sind, aufwiegen. Am besten gehen Sie zu Ihrem Kardiologen, der mit dem Orthopäden die Bedeutung Ihrer MRT-Untersuchung für Ihre Gesundheit bespricht und dann eine individuelle Abwägung durchführen kann.

(RP)