RP-Sprechstunde: Luftnot beim Einatmen

Sprechstunde : Luftnot beim Einatmen

Der Stimmritzenkrampf ist eine Fehlfunktion der Stimmbänder. Sie bedarf einer guten Zusammenarbeit mehrerer Therapeuten.

Unsere Leserin Barbara L. aus Hünxe-Drevenack schreibt: „Ich mache mir Sorgen um meine Tochter. Schon seit einigen Jahren hat sie immer wieder ganz plötzlich, von einer Sekunde auf die andere, schwere Luftnot. Man hört dann ein scharfes Fiepen beim Einatmen. Das ist schon ein paar Mal beim Riechen von Parfüm oder Desinfektionsmitteln aufgetreten. Der Arzt hat alles untersucht, aber keine Allergien gefunden. Früher hat sie schon oft Kortison wegen Asthma-Verdacht bekommen. Aber jetzt wird von einem Stimmbandkrampf gesprochen. Was ist das? Was kann man tun?“

Winfried Randerath Sie beschreiben die Symptome und den Verlauf einer sogenannten Stimmband-Fehlfunktion, Vocal-Cord-Dysfunction genannt. Tatsächlich wird es auch oft als Asthma missverstanden, was zu unnötigen Behandlungen mit Asthmamedikamenten führen kann. Wodurch unterscheiden sich die beiden Krankheiten?

Beim Asthma kommt es aufgrund von allergischen und nicht-allergischen Faktoren zu einer Verengung der kleinen Atemwege in der Lunge. Beim Asthma ist immer das Ausatmen erschwert. Die Luft kann durch die engen Bronchien nicht mehr ausgeatmet werden, man hört oft pfeifende Nebengeräusche. Asthmabeschwerden können zwar auch ganz plötzlich auftreten, meist bahnen sie sich jedoch über einige Minuten oder Stunden an. Die Stimmband-Dysfunktion zeigt einige Ähnlichkeiten, aber auch wichtige Unterschiede. Hier treten Beschwerden typischerweise ganz plötzlich, innerhalb von Sekunden, auf.

Auslöser können starke Anstrengungen, intensive Gerüche, aber auch psychische Belastungen sein. Hier sind nicht die kleinen Bronchien in der Lunge, sondern die Stimmbänder betroffen, also der Eingangsbereich zur Luftröhre. Die Patienten haben nicht Mühe beim Ausatmen, sondern beim Einatmen. Auch hier gibt es Nebengeräusche, oft ein hohes Fiepen. Es ist natürlich für den Betroffenen und die Angehörigen schwer zu unterscheiden, ob das Problem nun beim Einatmen (an den Stimmbändern) oder beim Ausatmen (an den kleinen Atemwegen) liegt.

Hier braucht es eine genaue Beobachtung, idealerweise durch einen geschulten Arzt. Manchmal bringen Patienten schon Handy-Videos mit, die helfen können. Ansonsten wird der Lungenarzt verschiedene Untersuchungen machen: Er wird natürlich im Lungenfunktionslabor untersuchen, ob die kleinen Atemwege eng sind, es sich also um Asthma handelt. Wenn das nicht der Fall ist, kann er eine Spiegelungsuntersuchung machen, also sich die Stimmbänder direkt mit einem Endoskop anschauen. Das macht er häufig zusammen mit einem Sprachtherapeuten (Logopäden). Man versucht zuvor, die Auslösesituation (etwa starke Anstrengung oder starke Gerüche) anzuwenden, um die Verkrampfung der Stimmbänder besser erkennen zu können.

Was kann man therapeutisch machen? Zum einen ist es sehr wichtig, den Patienten zu informieren, dass es sich dabei nicht um ein lebensbedrohliches Krankheitsbild handelt, sondern um eine Störung der Funktion der Stimmbänder. Dem kann man durch intensive Beratung, Atemtechniken und vor allen Dingen Sprachtherapie entgegenwirken. Eine psychotherapeutische Begleitung ist oft notwendig, um seelische Auslöser des Stimmritzenkrampfes zu behandeln. Das wichtigste ist, Asthma und Vocal Cord Dysfunction voneinander zu trennen, da beide Krankheitsbilder ja ganz unterschiedlich behandelt werden. So ist eine langfristige gute Besserung zu erzielen.

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