Riss in der Rotatoren-Manschette

Sprechstunde : Riss in der Sehne

Schulterschmerzen können auf einem Riss in der Rotatoren-Manschette beruhen. Die erste Therapieoption ist die Naht, erst die letzte die Prothese.

Unsere Leserin Monika B. (61) aus Düsseldorf fragt: „Seit zwei Jahren habe ich sehr starke Schmerzen in der rechten Schulter. Mehrere Kortison-Injektionen brachten keine Linderung. Mittlerweile kann ich den Arm immer schlechter aktiv bewegen. Im MRT wurde ein großer Riss der Sehnen-Kappe der Schulter, der Rotatoren-Manschette, festgestellt. Was kann ich nun tun?“

Thilo Patzer Die Sehnen-Kappe der Schulter, die sogenannte Rotatoren-Manschette oder besser Stabilisierungs-Manschette, besteht aus vier Sehnen und ist für die Stabilität und Zentrierung des Oberarms im Schultergelenk zuständig; sie ermöglicht damit die Gelenkbewegung. Mit zunehmendem Alter kann es meist ohne Unfall zu Rissen der Sehne kommen, die nicht von selbst heilen, sondern immer größer werden, bis diese Sehnen-Kappe nicht mehr funktioniert. Die Sehne, vergleichbar mit einem Getriebe, zieht sich dann zurück, und irgendwann verfettet der zugehörige Muskel, vergleichbar mit einem Motor, und die Einheit Sehne-Muskel arbeitet nicht mehr reibungslos. Dann kann der Oberarm-Kopf nicht mehr im Schultergelenk zentriert werden, was zu Funktions- und Bewegungs-Einschränkungen führt.

Von daher ist es sehr wichtig, dass der Riss der Sehnen früh genug mit Ultraschall oder MRT diagnostiziert wird, bevor Kortison-Spritzen gegeben werden, da dadurch die Sehne noch mehr geschädigt werden kann. Früh genug erkannt, kann die Sehne über eine Gelenkspiegelung, eine Arthroskopie, wieder angenäht werden und heilt beim Großteil der Fälle dann auch gut an. Wenn der Defekt zu groß, die Sehne zu weit zurückgezogen ist und der Muskel mitbetroffen ist, gibt es die Möglichkeit, den Defekt mit einer Art Sehnen-Flicken ebenfalls über die Gelenkspiegelung zu decken. Körpereigenes Gewebe eignet sich dafür am besten, und dieser Flicken kann problemlos über zwei kleine Stiche aus dem Oberschenkel des Patienten entnommen werden. Möglich sind auch aufwendigere Sehnen-Transfers mit Verlagerung eines Rückenmuskels zum Ersatz der Sehnen. Ist schon das ganze Schultergelenk verschlissen, ist die Implantation einer umgedrehten, sogenannten inversen Schulter-Prothese sinnvoll. Durch die Umkehr wird das Gelenk-Drehzentrum nach innen und unten verlagert, und die Schulter kann auch ohne intakte Sehnen-Kappe wieder gut und schmerzfrei bewegt werden.

An erster Stelle sollte jedoch die Naht der Sehne stehen. Gelingt das nicht, dann sollte die Sehne mit dem Flicken versehen werden. Die inverse Prothese sollte wirklich erst am Ende der Therapie-Optionen stehen.

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