Umstrukturierung - so kommen Sie da durch

Psychische Last im Job: Umstrukturierung - so kommen Sie da durch

Ein Change-Projekt jagt das nächste. Umstrukturierung gehört für Unternehmen zum Alltag. Vielen Beschäftigten schlägt es jedoch auf die Gesundheit. Welche Chancen haben sie selbst, das zu verhindern

30 Prozent der Arbeitnehmer erleben fünf oder mehr Umstrukturierungen in ihrem Erwerbsleben, so das Ergebnis einer Umfrage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Nicht selten werden solche Veränderungen im Arbeitsleben als belastend und existenzbedrohend wahrgenommen. Das unstrittige Ergebnis aus der Forschung: Ständiger Wandel schadet der Gesundheit.

„Die ersten Changes machen Sie noch mit, dann kommen die Abnutzungserscheinungen“, sagt Diplom-Psychologe Axel Koch, Trainer und Coach an der Hochschule für angewandtes Management in Ismaning. Für ihn ist darum auch nicht verwunderlich, dass manche schnell in eine Opferhaltung geraten. Die Ursache dafür: Das Gefühl, nichts dagegen tun zu können. Jeder Fünfte fühlt sich laut Koch als Gefangener im Job.

Genau das zeigte sich auch in der Untersuchung der Arbeitsschützer: Besonders Menschen, die bei einer Umstrukturierung keine Möglichkeiten zur Mitgestaltung haben und sich vor vollendete Tatsachen gestellt sehen, weisen einen sehr hohen und damit krank machenden Stresslevel auf.

Gesundheitsgefährdender Stresslevel

„Insbesondere kardiovaskuläre Probleme, Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit und Kopfschmerz treten auf“, listet zum Beispiel der Abschlussbericht des BAuA-Forschungsprojekts auf. Psychosomatische Beschwerden erhöhten sich im Schnitt um das 1,4-fache. Laut einer Untersuchung des Instituts für Angewandte Innovationsforschung der Universität Bochum bewegt sich nur rund ein Viertel der Beschäftigten nach einem Change im „grünen Bereich“. Beinahe die Hälfte der Befragten hingegen zeigte Erschöpfungszeichen. 23 Prozent waren sogar stark erschöpft.

Ihre Symptome: Müdigkeit, Energiemangel, Reizbarkeit, Ohnmachtsgefühle und Hoffnungslosigkeit. Zum Teil waren sie derart stark ausgeprägt, dass das Risiko für Schlaganfälle oder Herzinfarkte deutlich anstieg. „Eine dänische Studie hat den Zusammenhang von Changes und zunehmender Medikamenteneinnahme gezeigt“, sagt Koch.

Wie aber schützt man sich davor? „Bleiben Sie in der Gestalterhaltung“, rät Koch. Statt sich ungläubig oder erschrocken von einer scheinbar ausweglosen Veränderung überrollen zu lassen, sollte man auf seine Einflussmöglichkeiten schauen, überlegen, was man selbst tun kann und handeln. Dazu gibt er fünf Tipps:

  • 1. Halten Sie nach Ihren Einflussmöglichkeiten Ausschau

Es ist beinahe so etwas wie ein Reflex, in schwierigen Situationen erst einmal anzunehmen, keine Einflussmöglichkeiten zu besitzen. Mit diesem Denken beschränkt man sich laut Koch jedoch nur selbst. Er rät, bewusst nach Möglichkeiten Ausschau zu halten, die vielleicht nicht gleich auf der Hand liegen.

Management-Coach Koch gibt ein Beispiel: Maximilian arbeitet im Finanzbereich eines großen Lebensmittelkonzerns. Als er kurz davor steht, die Probezeit nicht zu überstehen, besinnt er sich intuitiv auf einen schon früher gehegten Gedanken als Account-Manager zu arbeiten. Er ist davon überzeugt in dieser Position besser zu sein als im derzeitigen Bereich. Allerdings trauen weder sein Chef noch ein Personaler ihm das zu. Trotzdem hält er Ausschau nach einer weiteren Option, seinem Ziel näher zu kommen und bittet um ein Gespräch bei der Geschäftsführung. Er bekommt das Gespräch und auch den Job und ist darin erfolgreich.

„Die Forschung zeigt, dass Menschen mit einer sogenannten internalen Kontrollüberzeugung weniger psychische Beschwerden haben und im Job zufriedener sind“, sagt der Arbeits- und Organisationspsychologe. Unsicherheit zu spüren, wenn Veränderungen anstehen, ist normal. Wer jedoch daran glaubt, selbst Einfluss auf die Dinge nehmen zu können, findet sich damit besser zurecht und lässt sich durch Umstrukturierung und Veränderung weniger stressen. Besinnen Sie sich auf ihre eigenen Fähigkeiten und darauf, die Ereignisse in ihrem Leben selbst bestimmen zu können.

  • Psychologie : Burnout — wie klappt der Wiedereinstieg in den Job?
  • 2. Vertrauen Sie auf Ihre Fähigkeiten

„Viele Menschen sind sich ihrer eigenen Fähigkeiten nicht bewusst“, sagt Koch. An sich selbst und seine eigenen Möglichkeiten zu glauben, hilft Studien zufolge dabei, sich leichter auf Change-Prozesse einzulassen und Veränderungen anzunehmen. Solche sogenannte „selbstwirksame“ Menschen haben laut Koch den Sinn und das Ziel eines Veränderungsprozesses im Auge und geben sich selbst die nötige Zeit, mit neuen Anforderungen klar zu kommen. Im Fokus steht die Überzeugung, es zu schaffen.

„Trainieren lässt sich Selbstwirksamkeit, indem man versucht zu registrieren, was einem gut gelingt und was man bereits in der Vergangenheit bewältigt hat“, sagt der Arbeitspsychologe. Das Spektrum an eigenen Handlungsfähigkeiten im Blick zu haben gibt Energie, auch in schwierigen Situationen zu handeln.

  • 3. Bleiben Sie Optimist

Warum passiert das immer mir? Warum haben die mich auf dem Kieker? Pessimisten fühlen sich von negativen Ereignissen in der Grundhaltung bestätigt, benachteiligt zu sein. Was ihnen nach Auffassung des Organisationspsychologen entgeht, ist der Sinn für hoffnungsstiftende Informationen. Optimisten sehen hingegen negative Ereignisse als etwas, das zwar vorkommen kann, aber kein grundsätzliches Problem ist.

  • 4. Handeln Sie proaktiv

Gar nicht so untypisch: Mitarbeiter, die sich als Opfer aufgezwungener Veränderungsprozesse im Unternehmen sehen, denen sie ausgeliefert sind. „Menschen mit proaktiver Change-Haltung warten gerade nicht ab, was mit ihnen geschieht“, sagt Koch. Sie handeln von sich aus, suchen nach Feedback oder überlegen, welche Fähigkeiten sie benötigen, um neuen Bedingungen gewachsen zu sein. Solche Mitarbeiter würden eher von Vorgesetzten positiv wahrgenommen und beurteilt.

  • 5. Ziehen Sie die Reißleine

Die meisten Menschen bemerken sehr gut, wenn es ihnen zu viel wird. Das Problem allerdings: Sie machen dann weiter. Besonders grundsätzlich flexible und veränderungsbereite Personen übersehen leicht ihre inneren Warnsignale. Weitermachen ist aber riskant und kann zu gesundheitlichen Konsequenzen führen, zu denen beispielsweise Burn-out oder Depressionen zählen.

„Passen Sie auf sich auf“, rät Koch. „Nehmen Sie nicht - nur um weiter an Bord zu bleiben - jede Tätigkeit an, die man Ihnen anbietet. Sondieren Sie die Lage und hören Sie in sich hinein. Wer die Gestalterhaltung einnimmt, lässt sich nicht kaputt verändern. Überlegen Sie sich stets einen Plan B und vergegenwärtigen Sie sich die Freiheit der Kündigung. Wenn man merkt, dass man nichts bewegen kann, muss man die Firma verlassen“, sagt der Psychologe. Das sei allemal besser, als vor die Hunde zu gehen.

Buchtipp:
Axel Koch: Change mich am Arsch
ISBN: 978-3-430-20245-9
Preis: 14,99€

(wat)
Mehr von RP ONLINE