Tipps für ein entspanntes Fest: Konflikte an Weihnachten

Tipps für ein entspanntes Fest: "Es ist normal, wenn Weihnachten Konflikte entstehen"

2017 sind die Feiertage extra lang – denn Heiligabend ist ein Sonntag. Das heißt: Noch mehr Stunden, die wir mit der Familie verbringen können. Fluch oder Segen? Eine Familientherapeutin gibt Tipps für stressfreie Weihnachtstage.

2017 sind die Feiertage extra lang — denn Heiligabend ist ein Sonntag. Das heißt: Noch mehr Stunden, die wir mit der Familie verbringen können. Fluch oder Segen? Eine Familientherapeutin gibt Tipps für stressfreie Weihnachtstage.

Beate Kuhlmann ist Erzieherin, Heilpädagogin und Diplom-Sozialpädagogin mit eigener Praxis in Düsseldorf und Essen. Ihr Plädoyer: Locker mit den eigenen Erwartungen umgehen — und genau überlegen, welche Konflikte man Weihnachten austrägt und welche nicht.

Die Familientherapeutin Beate Kuhlmann von Projekt Familie gibt Tipps für konfliktfreie Weihnachtstage. Foto: Projekt Familie

Eigentlich sind wir doch alle zivilisierte Menschen. Warum gibt es trotzdem so oft Streit, wenn die Familie Weihnachten zusammenkommt?

Beate Kuhlmann Häufig hat man sich lange nicht gesehen und kommt nur über die Feiertage in dieser Konstellation zusammen. Dann entsteht plötzlich über einen langen Zeitraum eine ungewohnte Nähe. Das ist ein Stress ganz eigener Art. Denn die Erwartungen sind unheimlich hoch.

Seine Freunde kann man sich aussuchen. Die Familie nicht.

Kuhlmann Richtig. Außerdem erwarten wir, dass sich das weihnachtliche Glücksempfinden aus der Kindheit wieder einstellt. Wir haben große Sehnsucht nach Harmonie und ungetrübter Festlichkeit unterm Tannenbaum. Wenn sich diese Erwartung nicht erfüllt, sind wir enttäuscht.

Dazu kommt: Wir betreiben großen Aufwand, damit das Fest perfekt wird.

Kuhlmann Vor allem Frauen fühlen sich verantwortlich. Weihnachten soll etwas Besonderes sein. Das Haus muss auf Hochglanz gebracht werden. Es muss ein opulentes Menü geben. Auch bei ganz jungen Frauen sehe ich, dass sie diese Anforderung an sich stellen. Häufig ist das ein Zuviel an Arbeit, das sie auch nicht delegieren wollen, denn wenn man es nicht selbst macht, wird es vermeintlich ja nicht richtig.

Gibt es noch weitere Faktoren, die das Fest stressig werden lassen?

  • Politische Diskussionen zum Fest : Angst vor Streit an Weihnachten?

Kuhlmann Ich glaube, dass wir uns oft zu viele Besuchsverpflichtungen auferlegen. Wir glauben, zu Weihnachten dürfen wir niemanden auslassen, und müssen außerdem bei allen viel Zeit verbringen. Dann können Geschenke zum Problem werden. Ein Geschenk ist nicht nur ein Geschenk, wie ein Essen zu Weihnachten nicht nur ein Essen ist — es hat emotionalen Gehalt. Wenn sich jemand keine Mühe gegeben hat, ist der andere enttäuscht. Genauso wie der Schenkende enttäuscht ist, wenn er sich viele Gedanken gemacht hat, aber das Geschenk trotzdem nicht gefällt.

Mit anderen Worten: Eigentlich ist Streit zu Weihnachten praktisch programmiert.

Kuhlmann Jedenfalls birgt die Art, wie die meisten Menschen feiern, ganz sicher das Potenzial zur Überforderung. Das sollte man einfach im Hinterkopf behalten: Es ist normal, wenn in so einer hochaufgeladenen Situation Konflikte entstehen. Das finde ich ganz wichtig. Selbst wenn eine Familie gut funktioniert, kann es alte Konflikte geben, die zu Weihnachten hochkochen.

Und dann?

Kuhlmann Dann sollte man entscheiden: Können und wollen wir das wirklich jetzt klären? Wenn das nicht geht — was ja gerade bei alten Konflikten häufig der Fall sein wird — dann sollte man das Thema vertagen, bis die Feiertage vorbei und alle wieder runtergekommen sind.

Um so zu priorisieren, braucht man aber wirklich einen kühlen Kopf.

Kuhlmann Meine Empfehlung: Man kennt die Szenen ja meistens bereits und weiß, wie sie sich abspielen werden. Es hilft, sich das im Voraus wirklich mal vorzustellen und für sich zu planen, wie man reagieren möchte.

Homepage der Praxis von Beate Kuhlmann: www.projektfamilie.de

(hpaw)