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Supermarkterpresser: "Sein verborgenes Handeln zeigt, wie feige er ist"

SEK-Ausbilder über Supermarkterpresser : "Sein verborgenes Handeln zeigt, wie feige er ist"

Ein Team aus 220 Einsatzkräften fahndet in Baden-Württemberg nach einem Supermarkt-Erpresser. Wie ist jemand gestrickt, der Gift in Babynahrung mischt? Christian Lüdke, ehemaliger Ausbilder des Spezialeinsatzkommandos NRW, gibt Antworten.

Herr Lüdke, wie schätzen Sie den Erpresser ein?

Christian Lüdke Zunächst muss man sagen, dass man an seinem Verhalten eine extrem hohe kriminelle Energie erkennt. Er ist sehr skrupellos, denn er droht nicht nur damit, Lebensmittel zu vergiften, sondern er hat es auch bereits gemacht. Das wiederum zeigt eine hohe Entschlossenheit.

Was treibt jemanden an, andere vergiften zu wollen?

Lüdke Grundsätzlich handelt es sich bei solchen Tätern meist um innerlich sehr hilflose Personen mit einem niedrigen Selbstbewusstsein. Sie sind in vielen Bereichen gescheitert, also beruflich, privat, vielleicht auch sexuell, und machen andere verantwortlich dafür. Es geht ihnen um Rache und darum, ihre Wut loszuwerden. Außerdem will er mit dem kleinstmöglichen Aufwand den größtmöglichen Schaden anrichten.

 Christian Lüdke ist klinischer Hypnotherapeut und Traumaexperte und hat rund 20 Jahredie psychologische Ausbildung der Spezialeinheiten der Polizei NRW geleitet (SEK). Sein Spezialgebiet ist die Psychologie von Täterverhalten.
Christian Lüdke ist klinischer Hypnotherapeut und Traumaexperte und hat rund 20 Jahredie psychologische Ausbildung der Spezialeinheiten der Polizei NRW geleitet (SEK). Sein Spezialgebiet ist die Psychologie von Täterverhalten.

Und warum vergiftet er Babynahrung?

Lüdke Babys und Kleinkinder sind die wehrlosesten Menschen in unserer Gesellschaft. Damit spiegeln sie die Hilflosigkeit des Täters wider und geben ihm gleichzeitig ein Gefühl von Macht und Überlegenheit. Außerdem versetzt er damit, dass er Babynahrung vergiftet, sehr große Teile der Gesellschaft in Panik.

Was unterscheidet jemanden, der andere vergiften will von jemandem, der mordet oder jemanden entführt?

Lüdke Bei der Analyse von Tätern, muss man sich immer fragen, was tut der Täter, was er nicht tun müsste. Bei einem Beziehungsmord ist das Motiv beispielsweise oft ein Gefühl der Demütigung, für das der Partner nun bezahlen muss. Bei dem Lebensmittelerpresser geht es jedoch nicht um eine bestimmte Person, sondern es geht darum, ein Druckmittel zu haben, um die eigene Überlegenheit zu demonstrieren. Dass er aus dem Verborgenen handelt und Gift benutzt, zeigt zugleich, wie feige er ist. Denn für einen Angriff mit einer Waffe muss man mit anderen Menschen direkt in Kontakt treten. Nutzt man Gift, muss man das nicht tun.

Er erpresst allerdings auch eine sehr hohe Summe Geld.

Lüdke Ja, weil er ein Stück von dem Kuchen abhaben will, der ihm im Leben verwehrt worden ist. Er ist der Meinung, er holt sich nur das, was ihm zusteht. Und wenn es nicht auf dem einen Weg klappt, dann muss es jetzt eben auf diesem Weg gehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Polizei fahndet nach Lebensmittel-Erpresser

(ham)