Wie Psychopathen ihr Umfeld manipulieren Empathielose Puppenspieler

Egal, ob sie im Gefängnis, in der Politik oder auf dem Chefsessel eines Großkonzerns landen, Menschen mit psychopathischen Tendenzen haben eines gemeinsam: Sie zeigen keine Gehirnaktivität in Arealen, die mit dem Furchtsystem zusammenhängen.

Woran erkennt man einen Psychopathen?
Infos

Woran erkennt man einen Psychopathen?

Infos
Foto: dpa-tmn/Christin Klose

Wer denkt bei dem Begriff "Psychpopath" nicht zuerst an Gruselgestalten wie Hannibal Lector, dem psychopathischen Kannibalen aus den Büchern von Thomas Harris, Romane von Jussi Adler-Olsen oder Serienmörder wie Ted Bundy oder Charles Manson?

Doch im Gegensatz zum Klischeebild, das Psychopathen meist als geistesgestörte Massenmörder darstellt, ist das Erscheinungsbild dieser Menschen differenzierter.

Die Psychopathie ist in seiner normalen Ausprägung ein Persönlichkeitsstil und in seiner extremen Form eine Persönlichkeitsstörung, die von daher nicht direkt mit Gewalt und Mord gleichzusetzen ist. „Psychopathischen Persönlichkeiten, die auch als angstfreie Persönlichkeiten bezeichnet werden begegnen einem im Berufsleben, etwa im Vertrieb oder sogar in diversen Chefetagen“, sagt Dr. Jens Hoffmann, Kriminalpsychologe und Leiter des Darmstädter Instituts Psychologie und Bedrohungsmanagement über Psychopathen.

Was ist ein Psychopath?

Unter einer Psychopathie (ein Kunstwort, das sich aus dem griechischen Begriff psyche für Seele und pathos für Leiden zusammen setzt) wird eine schwere Form der antisozialen oder dissozialen Persönlichkeitsstörung (APS) verstanden. Anders ausgedrückt, ist die Psychopathie eine schwere Persönlichkeitsstörung. Dabei fehlt Psychopathen die Empathie völlig und sie fallen durch ihr manipulatives Verhalten und jegliches Fehlen von Reue auf. Psychopathen lügen, betrügen und nutzen ihre Mitmenschen dabei geschickt aus, auch indem sie sich emotional geben. Dabei sind sie ausgesprochen risikobereit und verhalten sich häufig sehr verantwortungslos.

„Die psychopathische Persönlichkeit kennt kaum Angst und und wird deshalb auch als angstfreie Persönlichkeit bezeichnet“, sagt Dr. Jens Hoffmann. „Solche Menschen haben meist wenig Empathie für andere, fallen oftmals durch manipulatives Verhalten auf. Menschen mit dieser Persönlichkeitsstruktur sind oftmals vor allem nur auf ihren eigenen Vorteil ausgerichtet. Dabei manipulieren sie öfter andere Menschen, ohne dass diese es häufig merken. Mitunter wirken psychopathische Persönlichkeiten wie tolle Menschen, sind beliebt und werden geschätzt. Dies kann jedoch schnell ins Gegenteil umschwenken, wenn sich diese Menschen ertappt oder durchschaut fühlen. Dann gehen sie öfter in den Gegenangriff über und schockieren das Gegenüber mit einer plötzlichen Aggressivität."

Dass Psychopathen in jedem Fall literarischen Figuren wie dem Kannibalen Hannibal Lecter oder echten Massenmördern wie dem Düsseldorfer Peter Kürten, der als „Vampir von Düsseldorf“ in den 20er Jahren Berühmtheit erlangte, gleichen, verneint Dr. Jens Hoffmann. „Es gibt psychopathische Persönlichkeiten in alltäglichen Berufen und diese Menschen fallen häufig nicht weiter auf.“ Nicht selten sind Psychopathen in Führungspositionen vertreten. „Der Begriff Psychopath ist etwas beschädigend, man begegnet jedoch nicht nur Kriminellen“, sagt Hoffmann, der über das Thema das Buch „Menschen entschlüsseln – Ein Kriminalpsychologe erklärt, wie man spezielle Analyse- und Profilingtechniken im Alltag nutzt“ veröffentlicht hat.

Doch egal, wo man einem Psychopathen begegnet, ob im Gefängnis, in der Politik oder auf dem Chefsessel eines Großkonzerns, Menschen mit psychopathischen Tendenzen haben eines gemeinsam: Sie zeigen keine Gehirnaktivität in Arealen, die mit dem Furchtsystem zusammenhängen. Dabei sind viele Psychopathen schon im Kindesalter verhaltensauffällig.

Warum wird man zum Psychopathen?

„Derzeit geht die Forschung von einer starken biologischen Komponente aus, das heißt dieses Verhalten ist häufig angeboren. Das besonders auffällige, angstfreie Verhalten zeigt sich oft schon früh in der Kindheit“, sagt Dr. Jens Hoffmann. „Wir schätzen, dass viele der charismatischen Führer in der Geschichte psychopathisch waren. Das war wahrscheinlich in der Evolution durchaus sinnvoll, weil solche starken, angstfreien Persönlichkeiten die Gruppe angeführt haben und oft auch für die Weiterentwicklung oder das Überleben einer Gruppe wichtig waren.“

Heute kommen vor allem Unternehmen auf den Psychologen zu. Sie möchten von ihm erfahren, ob Mitarbeiter psychopathische Züge aufweisen. „Es gibt dabei auch durchaus Unternehmen, die denken, Psychopathie sei doch eine Führungsqualität. Zwar wenig sympathisch, aber durchaus karrierefördernd.“ Dies sei jedoch ein Irrglaube, denn psychopathische Menschen in Führungspositionen gefährdeten die Unternehmensstruktur. „Psychopathen sind extrem gefühlskalt und hochmanipulativ. Sie denken nicht an das Unternehmen, sondern handeln nur in ihrem eigenen Interesse“, warnt Hoffmann. „Diese Menschen haben Spaß an Dominanz und Kontrolle und ziehen ihre Befriedigung daraus. Sie demütigen gern andere und mögen es oftmals auch, wenn andere Angst vor ihnen haben. Selbst haben sie keine Angst. Gerade das macht sie in Führungspositionen gefährlich, denn sie treffen häufig hochriskante Entscheidungen, die ein Unternehmen in den Ruin treiben könnnen.“ Dennoch sind überdurchschnittlich viele Psychopathen und Narzissten – also Menschen, die über alle Maßen „ich-bezogen“ sind – in Machtpositionen vertreten. „Man geht davon aus, dass etwa vier Prozent der Bevölkerung Narzissten sind und etwa ein bis zwei Prozent Psychopathen“, sagt Dr. Hoffmann. „Deren Anteil in Führungspositionen beträgt etwa sechs Prozent.“

Wie kann man mit einem Psychopathen umgehen?

Viele Menschen merken überhaupt nicht, wenn sie psychopathischen Persönlichkeiten gegenüber stehen, da diese häufig eine Rolle spielen und andere Menschen gut manipulieren können. „Diese Menschen haben kein echtes Gewissen, das darf man nicht vergesssen“, sagt Dr. Jens Hoffmann. „Psychopathische Menschen sind einzig und allein auf ihren eigenen Vorteil ausgerichtet, andere Menschen interessieren sie nur am Rande und als Mittel, um ihre Ziele zu erreichen. Das merken die Mitmenschen häufig gar nicht, da psychopathische Personen Gefühle vortäuschen können und die Lüge häufig perfektioniert haben. Sie sind im Gegenteil manchmal anerkannt, andere sagen sich mitunter 'Was für ein toller Mensch'.“ Erkennt man dann jedoch, dass es sich hier um eine solche manipulative Persönlichkeit handelt, sollte mann eventuell im Kontakt zurückhaltender sein.“

Wie manipulieren Psychopathen?

„Psychopathische Menschen sind sehr gute Beobachter und Betrüger, die ihre Mitmenschen genau analysieren und dabei auch deren Bedürfnisse erkennen“, sagt der Psychologe Dr. Jens Hoffmann. Demnach haben Psychopathen häufig eine gute psychologische Menschenkenntnis und wissen genau, wie sie eine Freundschaft aufbauen können. „Sie analysieren kühl, wie sie den anderen knacken können“, sagt Dr. Jens Hoffmann. In gewissen Situationen können solche Persönlichkeiten dann aber auch von freundlich und nett auf aggressiv und provokant umschalten. „Mitunter im selben Gespräch. Dann wird eine andere Taktik angewandt, um den Mitmenschen zu irritieren und verunsichern.“

Wie sieht sich ein Psychopath?

Sie kennen selten echte Empathie, sind selten emotional und oftmals von sich eingenommen. Sie sind nicht selten trickreiche und sprachgewandte Manipulatoren mit oberflächlichem Charme und sind sehr von sich überzeugt. Dies korreliert mit einem hohen Stimulationsbedürfnis, einem „Erlebnishunger“ und einem Gefühl der ständigen Langeweile.

Psychopathen benötigen eine dauerhafte Stimulanz und suchen sich ständig neue Herausforderungen. „Man könnte es mit dem Gefühl eines Jägers vergleichen, der auf der ständigen Suche nach Beute ist“, sagt der Kriminalpsychologe Dr. Jens Hoffmann. „Diese Menschen fühlen sich allen anderen überlegen und schaffen es durch ihr hochriskantes Verhalten, sich im Job unverzichtbar zu machen. Alles ist auf sie ausgerichtet, gerade deshalb ist es höchstgradig gefährlich, wenn Psychopathen Firmen leiten.“ Psychopathen scheuen keine Risiken, deshalb sind sie häufiger Opfer von Unfällen. Einfach gesagt, übertreiben es diese Menschen in ihrem zwanghaften Suchen nach Herausforderungen und Risiken.

Wieviele Psychopathen gibt es in Deutschland?

„Man geht davon aus, dass zwischen einem und drei Prozent der Bevölkerung psychopathische Persönlichkeitszüge aufweisen", sagt Dr. Jens Hoffmann. Insgesamt wird angenommen, dass weltweit ein Prozent der Bevölkerung diese Persönlichkeitsstörung aufweist. Dabei können einem psychopathische Personen überall begegnen, in der Firma, Alltag oder im Fitness-Studio.

Der kanadische Kriminalpsychologe Robert D. Hare, emeritierter Professor an der University of British Columbia geht etwa davon aus, dass auf 100 Männer über 18 Jahren eine psychopathische Persönlichkeit kommt. Die meisten von ihnen sind das, was Hare und seine Kollegen „erfolgreiche Psychopathen“ nennen. Hare wagt die Prognose, dass jemand mit einer hohen Wahrscheinlichkeit so weiter machen werde wie bisher und dabei die gleichen Handlungsmuster zeige wie in der Vergangenheit, weil er durch Strafe und Gegendruck wenig beeindruckbar sei. „Das sind Leute, die generell eine schlechte Kriminalprognose haben. Das zu identifizieren und die Gefahren adäquat einzuschätzen, ist eine diagnostische Leistung“, so Robert D. Hare.

Was sind die Merkmale einer psychopathischen Persönlichkeit?

Psychopathische Persönlichkeiten werden oft als kühl beschrieben, das heißt sie haben keine wirklichen Emotionen, können anderen aber Gefühle vorspielen. Die Lüge ist dabei ihr ständiger Begleiter, sie können als pathologische Lügner bezeichnet werden. „Sie haben die Lüge perfektioniert“, sagt der Psychologe Dr. Jens Hoffmann. „Darum sind sie oft auch sozial erfolgreich. Sie können Netzwerke aufbauen, andere stark und schnell begeistern. Besonders intelligente Psychopathen machen oft Karriere. Sie können andere extrem gut manipulieren. Sie ziehen die Strippen hinter den Kulissen. Oft merken die Manipulierten das überhaupt nicht.“ „Menschen mit einer psychopathischen Persönlichkeit überschätzen sich und lieben in der Regel den Nervenkitzel. Sie gehen allerdings keine echten, engen Bindungen ein. Für sie sind andere Menschen eher Werkzeuge. Und wenn sie angegriffen werden, schlagen sie massiv zurück. Oft endet das in der Zerstörung des Angreifers, beruflich, finanziell oder auch sozial und persönlich“, sagt Hoffmann weiter.

Hinzu kommt, dass Psychopathen häufig eine starke innere Leere fühlen und schnell gelangweilt sind. Dadurch wird ihr Bedrüfnis nach einem Austritt aus dieser Langeweile, ihr Bedürfnis nach einem „Kick“ so stark, dass sie völlig spontan und impulsiv handeln. Und gerade das macht sie so gefährlich, denn Psychopathen denken nicht über mögliche Konsequenzen nach, ihnen fehlt zudem jegliches Angstgefühl.

Der kanadische Kriminalpsychologe Robert Hare hat eine Psychopathy Cheklist entwickelt, die folgende Kriterien nennt:

Faktor 1: „Persönlicher Aggressiver Narzissmus“

- Oberflächlicher Charme, gute Konversation

- Überhöhtes Selbstbild

- Krankhaftes Lügen

- Manipulatives Verhalten

- Unfähigkeit, Reue zu empfinden

- Unfähigkeit, tiefe Gefühle zu empfinden

- Fehlende Empathie

- Unfähigkeit, Verantwortung zu übernehmen

Faktor 2: Fallstudie „Sozial abweichender Lebensstil“

- Psychopathische Personen sind schnell gelangweilt und stets auf der Suche nach dem "Kick"

- Psychopathische Personen leben gerne auf Kosten anderer

- Psychopathische Personen haben eine schlechte Selbstbeherrschung

- Psychopathische Personen haben ein promiskes Sexualleben, das heißt sie haben häufig wechselnde Sexualpartner

- Psychopathen fehlen realistische und langfristige Ziele

- Sie sind impulsiv

- Verantwortungslosigkeit prägt ihr Verhalten

- Psychopathische Personen sind häufig schon im jugendlichen Alter kriminell in Erscheinung getreten

- Psychopathische Personen haben früh Verhaltensprobleme

- Sie fallen durch ein Bewährungsversagen auf, das heißt diese Personen werden Wiederholungstäter

Diese Psychopathie-Checkliste oder PCL-R ist mittlerweile zu einem internationalen Referenzinstrument geworden, um das Vorhandensein von Psychopathie bei einer Person zu ermitteln. Forscher verwenden es vor allem bei Gefängnisinsassen, es ist aber auch im klinischen und forensischen Bereich nützlich. Dabei handelt es sich um einen zuverlässigen und validen Test, der unter anderem interessante Informationen über affektive und zwischenmenschliche Aspekte und Verhaltensprobleme liefern kann.

„Die Psychopathie-Checkliste ist möglicherweise eine der interessantesten klinischen Ressourcen, aufgrund der Person, die sie entwickelt hat. Ihr Schöpfer, der Kanadier Robert Hare ist Doktor der Psychologie und Professor und gilt als Referenz auf dem Gebiet der Kriminalistik. Seine Arbeiten auf dem Gebiet der Psychopathologie und Psychophysiologie sind herausragend“, schreibt der Psychologie-Blog „Gedankenwelt“.

Bei der Erstellung dieses Instruments versuchte Hare laut „Gedankenwelt“, eine Ressource zu entwickeln, die wertvolle Informationen über Personen liefert, die wegen Gewalttaten verurteilt wurden. „Und es dauerte nicht lange, bis der Test, aufgrund von zwei Gründen, erfolgreich wurde. Erstens war er sehr einfach und leicht zu verwalten. Es gibt 20 Punkte (Fragen), anhand derer der Gutachter das Profil einer Person mit dem eines prototypischen Psychopathen vergleichen kann“!, so die Macher des Blogs. „Der zweite Grund, warum der Psychopathietest von Robert Hare so erfolgreich angenommen wurde, ist der, dass er über die kriminelle Bevölkerung hinaus angewendet werden könnte.“

Wann wird ein Psychopath gefährlich?

Psychopathen sind eigentlich immer gefährlich, dazu müssen sie nicht erst zu Hannibal Lecter werden. Durch ihr manipulatives Verhalten, verbunden mit einer völligen Empathielosigkeit können sie kaum einschätzen, welches Leid sie ihren Mitmenschen zufügen. Ob nun als Unternehmenschef, der seine Firma für die eigenen Zwecke nutzt oder als psychopathischer Gewalttäter, die Abstufungen sind dabei natürlich unterschiedlich ausgeprägt. Eines bleibt aber: Menschen ohne Mitgefühl können gar nicht abschätzen, was andere Menschen bei ihrem Tun empfinden.

Doch wann wird ein Psychopath zum Kriminellen oder gar zum Mörder? Dabei kommt es auf drei Komponenten an: die hirnorganische Schädigung, die genetische Veranlagung und die sozialen Faktoren im Umfeld der betroffenen Person. Fehlt die soziale Komponente, kommt es in der Kindheit nicht zu Vernachlässigung, Gewalt oder gar Missbrauch, entsteht kein potenzieller Serienmörder, sondern ein Mensch mit mehr oder weniger psychopathischen Tendenzen, der eine vielleicht zum Teil sozial problematische aber dennoch erfolgreiche Karriere als grenzwertiger Psychopath machen kann.

Selbst für einen erfahrenen forensisch psychiatrischen Sachverständigen ist es ganz schwierig festzustellen, ob ein Mensch gefährlich ist. Anhand aktueller Studien kann man sehen, dass bis zu 80 bis 90 Prozent der Gefahrenprognosen so nicht stimmen. Zeitgleich ist es aber auch ganz schwer, das zu untersuchen, denn diejenigen, die für gefährlich erachtet werden, bleiben in der Regel drin und können gar keine Rückfalltaten begehen.

Die besten Chancen für ein halbwegs normales Leben hat zwar die rechtzeitige und konsequente Vorbeugung, beginnend mit früher Diagnose und gezielter Korrektur im Alltag. Wenn dies verpasst wurde, aus welchem Grund auch immer, und die betreffende Person bereits straffällig geworden ist, bleibt nur noch die Therapie.

Was sind die Unterschiede zwischen Psychopath und Soziopath?

Sowohl Soziopathen als auch Psychopathen leiden unter einer Persönlichkeitsstörung. Sie handeln mal impulsiv, mal manipulativ – und immer mit wenig Rücksicht auf ihre Mitmenschen. „Der Soziopath ist sozialisiert, er sieht das Recht des Stärkeren auf seiner Seite und ist durch sein Umfeld geprägt, wohingegen der Psychopath biologisch geprägt ist“, sagt Dr. Jens Hoffmann. Soziopathen gehen hoch wie ein HB-Männchen und lassen sich selbst durch Kleinigkeiten aus dem Konzept bringen. Sie reagieren häufig aggressiv und sind oft gereizt. Dabei missachten sie jegliche Konsequenzen. Wie die Psychopathie ist auch die Soziopathie eine dissoziale Persönlichkeitsstörung, die sich häufig schon in früher Kindheit zeigt. Soziale Regeln und Verpflichtungen gelten für Soziopathen nicht, zudem neigen sie zur Gewalt. Ihnen fehlt ähnlich wie bei den Psychopathen die Empathie, das Einfühlungsvermögen. Deshalb können sie sich schlecht in andere Menschen hinein versetzen. Schuldgefühle oder ein schlechtes Gewissen kennen sie nicht. Ein Konflikt mit dem Gesetz ist so programmiert.

Ein entscheidender Unterschied zwischen einem Soziopathen und einem Psychopathen ist der Fakt, dass es Psychopathen neben der Empathie auch an jeglicher Moralvorstellung fehlt. Soziopathen haben durchaus Gefühle, können sie jedoch nicht kontrollieren. Psychopathen hingegen sind unfähig, etwas zu empfinden.

Unterschiede zwischen Soziopathen und Psychopathen lassen sich auch in ihrer Außenwirkung ausmachen: Während Soziopathen aufgrund ihres auffälligen und impulsiven Verhaltens unbeliebt sind und entsprechend selten in Beziehungen leben, wirken Psychopathen auf ihre Mitmenschen oft normal und häufig sogar charmant. Psychopathen verhalten sich nicht impulsiv, sondern im hohen Maße manipulativ – das macht es schwierig, einen Psychopathen zu erkennen. So gab es in der Geschichte immer wieder psychopathische Serienmörder, die scheinbar gut eingegliedert in die Gesellschaft mit Partner und Kindern lebten.

Welcher Arzt behandelt Psychopathen?

„Die Soziopathie lässt sich besser behandeln“, sagt der Psychologe Dr. Jens Hoffmann. „Da kann man im Gegensatz zum Psychopathen mehr machen, bei dem ein stärkerer biologischer Grund vorliegt.“ Die Forschung geht laut Dr. Hoffmann von einer starken biologischen Komponente bei Psychopathen aus, was eine Therapie schwierig macht. „Das besonders auffällige, angstfreie Verhalten zeigt sich oft schon früh in der Kindheit. Wir schätzen, dass viele der charismatischen Führer in der Geschichte psychopathisch waren. Das war wahrscheinlich in der Evolution durchaus sinnvoll, weil solche starken, angstfreien Persönlichkeiten die Gruppe angeführt haben und oft auch für die Weiterentwicklung oder das Überleben einer Gruppe wichtig waren.“

Menschen mit Psychopathie können ihre Krankheit oft gut verheimlichen. Sie können den Therapeuten in die Irre führen, indem sie Empathie vortäuschen. Psychopathen haben oft einen starken inneren Trieb ,Gewalt und Macht auszuüben. Dieses Verlangen kann man in der Therapie nicht löschen.

Wieso ist die Rolle des Psychopathen in der Populärkultur so beliebt?

Die Faszination für das Böse ist so alt wie die Menschheit selbst. Die seelischen Abgründe eines Menschen reizen die Fantasie vieler Autoren und Regisseure, wie die Flut an Krimis, Thrillern und Serienkiller-Filmen und -serien beweist. Das Thema „Psychopath“ wird dabei in Büchern von Jussi Adler Olsen, Arnde Dahl, Jo Nesbo, Niklas Nat och Dag, Sebastian Fitzek, Thomas Harris, Stephen King, Dan Wells, Simon Beckett, Jeffrey Deaver, Charlotte Link und Karin Slaughter, Serien wie „Dexter“, „True Detective“, „Hannibal“, „Mindhunter“, „The Blacklist“ oder Filmen wie „Roter Drache“, „Das Schweigen der Lämmer“, „Hannibal“, „Sieben“, „American Psycho“, „Psycho“ und „Funny Games“ behandelt und mal mehr, mal weniger realistisch dargestellt. Viele dieser Veröffentlichungen sind jedoch unabhängig von ihrer Qualität und Authenzität große Erfolge, die vom Publikum „verschlungen“ werden. „Es gibt in den letzten Jahren eine Idealisierung des Bösen“, sagt der Kriminalpsychologe Dr. Jens Hoffmann. „Figuren wie Hannibal Lecter scheinen eine gewisse Faszination auszustrahlen, die mit einer Art Voyeurismus verknüpft ist. Dies ist jedoch kein neues Phänomen, die Freude am Grusel und Horror zieht sich über Jahrhunderte durch die Geschichte.“