Macho oder Frauenversteher - das macht Männer dazu

Die fünf Männertypen erklärt: Was macht Männer zum Macho oder Frauenversteher?

Macho oder Frauenversteher – wie Mann wird, ist kein Zufall. Vor allem die Mütter haben ihre Finger im Spiel. Wir haben Psychologen gefragt, welche Männertypen es gibt, wie sie sind und was Mutti damit zu tun hat.

Wenn ein Mann von seiner Mutter erzählt, kann es schon mal verklärt werden. Denn als erste Frau in seinem Leben hinterlässt sie nachhaltigen Eindruck. Die ersten Küsse seines Lebens bekommt er von Mutti. Mütter sind diejenigen, die nach einem Sturz tröstend zur Seite sind und das blutige Knie zupflastern. Sie sind diejenigen, die die Söhne umsorgen – ebenso wie ihre Töchter aber eben doch ganz anders.

Denn Jungen dürfen sich von ihren Müttern mehr als Mädchen abgrenzen. Trotzdem sind sie ihnen besonders nah, sagt die Kölner Psychologin Petra Jagow und erklärt warum: „Der Sohn ist der einzige Mann im Leben einer Frau, den sie so richtig hat.“ Er ist ein Stück von ihr. Das ist Grundstein für eine besondere Beziehung, die abhängig vom Umgang der Mutter mit dem Sohn sein ganzes Leben prägen kann.

Diese fünf Männertypen gibt es:

  • Der Macho

Sie protzen mit ihrer Männlichkeit, interessieren sich für schnelle Autos, lassen gerne ihre Muskeln spielen und machen keinen Finger krumm. Soweit die gängigen Klischeés: Doch es gibt sie wirklich, die Machomänner. Sie werden meist schon im Kindesalter gemacht – und zwar von ihren Müttern, sagen Psychologen wie Petra Jagow.

Der Sohn als Krone der Schöpfung – manche Mütter empfinden so und handeln entsprechend. Dem Sohnemann werden kaum Grenzen gesetzt, die Wünsche von den Augen abgelesen und ihm alle Lasten abgenommen. Ziel: ein vollkommen müheloses Leben. Das Problem: Wer gewohnt ist, dass alles für ihn erledigt wird, wird selbst irgendwann keine Anstalten mehr machen, sich selbst um etwas zu kümmern. „So erzieht man sich den Prinzen aus Zamunda, der es als Aufgabe der Frau sieht, ihm zu dienen“, sagt Jagow – und das legt er nicht mehr ab.

Männer, die aufgrund übertriebener Fürsorge oder aus kulturell beeinflussten Erziehungsmodellen heraus schon von Kindesbeinen an ein solches Muster erlernt haben, haben oft Probleme damit, anderen auf Augenhöhe zu begegnen, sagt Psychologe und Buchautor Roland Kopp-Wichmann. Sie entwickeln häufig eine narzisstische Prägung.

Dabei ist die Grundtendenz zu machohaftem Verhalten Jungen scheinbar in die Wiege gelegt. Ergeben hat das eine Kleidungsstudie. „Dafür hat man kleine Jungen gefragt, was sie sich für ihre Mutter zum Anziehen wünschen würden“, sagt Jagow. Das Ergebnis: Die überwiegende Mehrheit würde die Mutter wenig attraktiv und mit knöchellanger Kleidung ausstatten. Der Grund dafür ist pragmatisch wie egoistisch: So erregen die Mütter keine Aufmerksamkeit, haben also mehr Zeit für den Sohn.

Bei allen Vorurteilen über arrogante Männer: „Viele Frauen finden ein gewisses machohaftes Verhalten attraktiv“, sagt Jagow. Auf das Warum gibt die spanische Sprache einen Hinweis. Dort bedeutet das Wort „Macho“ nichts anderes als „männlich“. Sie haben eine klare Geschlechteridentität. Das mache sie anziehend.

  • Der Frauenversteher

„Frauenversteher“, das ist meist ironisch als Ausdruck für Männer gemeint, die sich Frauen gegenüber sehr einfühlsam und verständnisvoll geben. Doch es gibt ihn wirklich. Fast ein bisschen mädchenhaft scheut er sich nicht Gefühle zu zeigen und darüber zu reden. Mit diesen Eigenschaften ist er der Gegenentwurf zum machohaften Muskelprotz und Abenteurer.

„Zum Frauenversteher wird man, wenn in der Erziehung zu wenig männliches Vorbild vorhanden ist und überwiegend die Mutter zur Orientierung zur Verfügung steht“, sagt Jagow. Das kann in Beziehungen der Fall sein, in der der Vater beispielsweise nach einer Trennung dauerhaft abwesend oder aufgrund beruflicher Belastung wenig greifbar ist. In solchen Konstellationen kommt es manchmal dazu, dass sich Mütter mit ihren Sorgen, Nöten und Freuden an den Sohn wenden und ihn so zu einem „Ersatzpartner“ machten.

„Die Mutter genießt es, wenn ihr Sohn sie versteht“, sagt Kopp-Wichmann. Dementsprechend schwenkt sie dem Sohn beispielsweise mehr Zuwendung und Körperkontakt, wenn er sich für ihre Themen interessiert und verstärkt somit sein Verhalten. Solch anerzogenes verständnisvolles Verhalten kommt auch in Beziehungen oft zunächst gut an. Das Problem allerdings: „Als Frauenversteher fehlt einem der männliche Teil“, sagt der Psychologe. Auf Dauer bestehe darum das Risiko, dass sie als zu lieb empfunden werden. Dadurch, dass sie früh gelernt haben, Konflikte zu vermeiden, tun sie sich nach Auffassung Kopp-Wichmanns oft damit schwer ihren eigenen Standpunkt zu finden.

  • Kein Grund für ein schlechtes Gewissen : Warum Ihr Kind ruhig mal lügen sollte

Auch wenn der eigene Vater kein gutes Rollenmodell war, neigten Frauen dazu, sanfte Männer zu erziehen. Eine der möglichen Folgen nach der eigenen Familiengründung: die Männer werden zu besseren Müttern, sagt die Kölner Psychologin. Man sieht sie die Babys in Wickeltüchern umhertragen und zum Basteltag in den Kindergarten eilen.

  • Das Muttersöhnchen

Außen Mann – innen kleiner Junge. Das Muttersöhnchen ist ein Mann, der sich nie von seiner Mutter abgenabelt hat. Er traut sich nicht, seine Mutter loszulassen. Man erkennt ihn laut Kopp-Wichmann an zwei Dingen: Zum einen hat er einen unangemessenen Kontakt zu seiner Mutter. Entweder, indem er gar keinen Kontakt mehr pflegt, sondern ihn kategorisch abgebrochen hat oder indem er einen zu häufigen und intensiven Kontakt pflegt. Zum anderen schlüpft die Partnerin in Beziehung mehr und mehr in die Rolle einer Mutter für ihren Mann. Sie bekocht ihn, sorgt sich um seine Gesundheit oder legt ihm die Kleidung für den nächsten Tag raus.

Typisch für ihn ist laut Jagow zudem die fehlende Einsicht und tiefes Unverständnis darüber, dass es nicht normal ist, noch mit 35 zu Hause zu wohnen, seine Mutter mindestens täglich anzurufen und wichtige Entscheidungen immer vorher mit ihr zu besprechen.

Zum Muttersöhnchen werden Jungen unter anderem, wenn sie eine dominante Mutter haben, die sie gängelt, sagt Jagow. Dadurch können sich die Betroffenen nicht emanzipieren und wirken selbst im Erwachsenenalter unerfahren und unbeholfen.

Als Ursache dafür sieht Kopp-Wichmann ähnlich wie beim Typus „Frauenversteher“ Lebenssituationen, in denen Jungen überwiegend von Frauen umgeben sind oder der Vater sich zu wenig für den Sohn interessiert oder zeitlich viel abwesend ist. So fehle dem Kind ein männliches Gegenüber, an dem sich unter anderem beim Raufen, Fußballspielen und anderen sportlichen Aktivitäten jungenhaftes Verhalten erlernen lässt.

  • Der Brudertyp

Es ist nicht die unbändige Liebe, sondern in einer Beziehung eher ein brüderlich-schwesterliches Miteinander. „Ich und mein Mann sind ein super Team“, das sei eine typische Antwort einer Frau, die sich einen Brudertyp an ihre Seite geholt habe. „Häufig kenne der Brudertyp seine Frau schon seit der Schulzeit“, sagt Jagow. Darin zeigt sich: Diese Männer sind verlässlich. Ihnen sei in einer unsicheren Zeit Stabilität wichtig.

Was macht aber einen Mann zum Brudertyp? „Es ist ein Männertypus, der vor allem in der jüngeren Generation häufig anzutreffen ist“, sagt die Kölner Psychologin. Der Grund: Sie sind von Gleichberechtigung und „political correctness“ umzingelt. Im Wald gefundene Äste im Spiel zu Pistolen zu machen oder miteinander zu kämpfen ist unerwünscht. Jungen, die später zum Brudertyp werden, werden oft geschlechterneutral erzogen, so die Psychologen. Wenn nicht zu Hause, dann lernen sie in Kindergärten und Nachmittagsbetreuungen angepasst zu sein, rücksichtsvoll und vor allem wenig aggressiv. „Aus Gleichberechtigung wird Gleichbehandlung der Geschlechter – eigentlich ein Missverständnis“ sagt Jagow. Am Ende verhalten sich solche Jungen als Männer gegenüber ihrer Partnerin wie ein guter Bruder gegenüber seiner Schwester.

  • Der Normalo

Auch ihn gibt es noch: den Mann aus der Mittelschicht mit Familienorientierung. „Er hat in seiner Erziehung erlebt, dass Mann und Frau ein Paar sein können und sich das sehr gut anfühlen kann“, sagt die Kölner Psychologin. Was ihre Mütter richtig gemacht haben: sie richten ihre Erwachsenenansprüche an ihren Partner und nicht an den Sohn. Was ihre Väter richtig gemacht haben: Sie erleben Dinge gemeinsam mit ihren Söhnen.

Für Jungen, die so groß werden stehen die Chancen bestens, später ihren eigenen Lebenswunsch in einer Paarkonstellation zu realisieren.

Mehr von RP ONLINE