Zwischen Geldverdiener und Schmusepapa Was die Väter von heute wirklich wollen

Düsseldorf/Berlin · In Sachen Familie hat sich einiges getan: Längst sind nicht mehr nur die Frauen zuständig, immer mehr Männer fordern ihre Rechte als Familienväter ein. Sie wollen Kuscheln, Windelnwechseln, Dasein - doch da gibt es ein Problem, denn die Rolle als Ernährer der Familie, wollen sie auch nicht aufgeben.

Forsa-Umfrage: Was die Väter von heute wirklich wollen
Foto: shutterstock/ hartphotography

Während immer mehr Frauen die Chance bekommen zu entdecken wie es ist auf dem Chefsessel Entscheidungen zu treffen, haben die modernen Männer eine ganz anderes Thema vor sich: Sie versuchen herauszufinden, wer sie als Väter wirklich sind.

Dass das ein ebenso großer Kampf ist, wie der Versuch des weiblichen Geschlechts das Klischee der Hausfrau hinter sich zu lassen, zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Zeitschrift "Eltern", bei der 1000 Väter in Deutschland befragt wurden:

Die Ergebnisse der Studie zeigen eine große Widersprüchlichkeit, in der sich die Väter von heute befinden. Wie sich zeigte, schwanken die meisten zwischen dem traditionellen Rollenbild als Ernährer der Familie und dem Idealbild des perfekten Vaters. So antworteten 81 Prozent der Väter auf die Frage, was einen guten Vater ausmacht, mit: "Er verbringt so viel Zeit wie möglich mit den Kindern."

Gleichzeitig aber kreuzten 61 Prozent der befragten an: "Er sorgt mit seinem Einkommen dafür, dass es der Familie gut geht." Erfüllen kann er diese Rolle als Ernährer in den Köpfen der meisten nach wie vor aber nur, wenn er Vollzeit arbeitet.

Die Mehrheit will nicht in Teilzeit arbeiten

Zwar hätten 43 Prozent der berufstätigen Väter gern mehr Zeit für die Familie, gleichzeitig ist die Mehrheit von ihnen aber nicht bereit, in Teilzeit zu arbeiten. Derzeit sind 89 Prozent der Väter Vollzeit beschäftigt und zwei Drittel wollen das auch so. Nur vier Prozent der Befragten arbeiten in Teilzeit und nur ein Drittel wünscht sich das auch. Trotz ihrem Wunsch mehr für die Familie da zu sein, zeigt sich somit, dass auch der moderne Vater nicht bereit ist in Sachen Arbeitszeit zu experimentieren.

Das gleich gilt für das Thema Elternzeit. Zwar nehmen immer mehr Väter Elternzeit - bei den Vätern mit Kindern bis sechs Jahren sind das sogar 38 Prozent - doch die große Mehrheit von ihnen (80 Prozent) nimmt sich dafür nur rund zwei Monate frei. Lediglich 11 Prozent kümmern sich länger als sechs Monate um das Kind. Der Grund könnte bei vielen die Angst um den Job sein: Fast die Hälfte der Väter (41 Prozent) vermuten, dass die Elternzeit sich sehr oder eher negativ auf die Karriere auswirken könnte.

Mehr Engagement bei der Kinderbetreuung

Zunächst einmal bleibt der Vater von heute also im traditionellen Männerbild verhaftet. Dennoch ist ihnen die Betreuung der Kinder wesentlich wichtiger geworden. Auf die Frage, welche Aspekte sie an sich als Vater gut finden, antworteten 71 Prozent der Väter, sie hätten sich von Anfang an um die Babypflege gekümmert, 58 Prozent gaben an, sie seien bei Babygeschrei nachts aufgestanden, 54 Prozent der Männer tobten nach eigener Aussage viel mit dem Kind herum und jeder zweite schmuse gern und viel mit dem Nachwuchs. Zudem beteiligen sich neun von zehn Männern an der Hausarbeit. Allerdings übernehmen nur 38 Prozent von ihnen die Hausarbeit zur Hälfte oder mehr.

Glücklicher Dank Kind

Wieviel sich die Väter in die Erziehung ihrer Kinder einbringen, hängt auch vom Alter der Kinder ab. Am Anfang sind die Väter voll da: 82 Prozent der befragten Väter haben die Geburt ihres Kindes miterlebt, von denen, die in den letzten drei Jahre Vater geworden sind, sogar fast jeder (97 Prozent).

Für 71 Prozent war die Geburt "ein sehr schönes Erlebnis", obwohl viele von ihnen während der Entbindung nicht nur positive Gefühle hatten. Je älter die Kinder werden, desto mehr nimmt die Vater-Kind-Zeit ab. Die Mehrheit ist sich aber in einem Punkt einig: Grundsätzlich finden 58 Prozent der Väter, dass ihr Leben dank der Geburt ihres Kindes "glücklicher und erfüllter" geworden ist.

In der Klemme: Vollzeit im Beruf und viel Zeit mit der Familie

Im Gegensatz zur vorherigen Generation, möchte sich der moderne Mann wesentlich stärker in die Familie einbringen. Vor allem aber, wollen die Väter von heute "gute" Väter sein. Um das zu erfüllen, versuchen sie allen Vorstellungen gerecht zu werden: der des Vaters Zuhause und des Ernährers im Büro. Dass das nicht immer klappen kann, zeigt sich darin, dass die Mehrheit aller befragten Väter das Gefühl hat, nicht ausreichend für ihr Kind da zu sein und deswegen von einem schlechtes Gewissen geplagt wird.

(ham)