Depression: Warum kluge Menschen Sonntags durchhängen

Sonntagsdepression : Warum kluge Menschen sonntags durchhängen

Sonntag ist Ruhetag - das sollte die Laune eigentlich heben. Viele fühlen sich an diesem Tag jedoch eher lustlos und niedergeschlagen. Denn was soll man nur tun mit der freien Zeit? - Sonntagsdepression heißt dieses Phänomen, und trifft vor allem jene, die unter der Woche viel mit dem Kopf arbeiten.

Wie Forscher der Universität Hamburg in einer Studie herausfanden, fühlen sich vor allem Menschen mit einem hohen Bildungsstand an freien Tagen nicht besonders wohl. Auf einer Skala von eins bis zehn, sinkt ihr subjektives Gefühl von Wohlbefinden an Wochenenden deutlich ab.

Liegt der Wert sowohl bei den entsprechenden Männern, als auch bei den Frauen am Freitag noch bei rund 7,2, fällt er bis Sonntag auf 6,9 ab. Der Samstag liegt bei circa sieben. Aus diesem Grund sprechen die Wissenschaftler auch von einer Wochenenddepression, wobei der Sonntag eindeutig der subjektiv schwierigste Tag ist. Bei Menschen mit einem niedrigeren Bildungsstand stellten die Forscher kaum einen Unterschied über die Woche fest. Er blieb über alle Tage bei rund 6,8. Der Sonntag belastete sie also nicht übermäßig. Die Männer empfanden den Samstag im Vergleich noch als den angenehmsten Tag, was die Forscher in der Studie mit der Möglichkeit ausgiebig Alkohol zu konsumieren in Verbindung bringen.

Angst vor der Freizeit

Grund für diese Sonntagsneurose bei Menschen mit höherem Bildungsstand, so die Forscher, ist eine Unsicherheit, die angesichts des wachsenden Pensums im Arbeitsalltag immer größer wird. An Wochenenden wissen Arbeitnehmer dann buchstäblich nicht wohin mit sich. Hinzu kommt wohl auch, dass gerade Menschen mit einem höheren Bildungsstand sehr viel Bestätigung aus ihrer Arbeit und Leistung ziehen. Diese entfällt jedoch an Wochenenden.

Außerdem bieten die beiden freien Tage Zeit, über die Arbeit der vergangenen Woche nachzudenken - und sich schon einmal Sorgen über das zu machen, was am Montag wieder auf einen hereinstürzt. Nicht selten können sich die unguten Gefühle am Wochenende, und noch dramatischer im Urlaub, auch körperlich ausdrücken. Dann treten Magen-Darm-Probleme oder auch Dauerkopfschmerzen auf. "Leisure sickness", also Freizeitkrankheit nennt sich das Phönomen, bei dem die Angst vor dem Loslassen und Entspannen krank macht. Während "Leisure Sickness" meist bei längeren Urlaubsphasen auftritt, ist die Sonntags- oder Wochenenddepression jedoch ein regelmäßiger Begleiter vieler Arbeitnehmer.

Hilfreich kann es hier etwa sein, sich am Wochenende noch einmal die Erfolge der vergangenen Tage bewusst zu machen. So wird das Selbstwertgefühl gestärkt, und noch etwas von der Bestätigungswelle ins Wochenende mitgenommen. Auch Sport oder Spaziergänge an der frischen Luft sind sinnvoll. Die Bewegung hilft dem Körper Glückshormone wie Serotonin auszuschütten und die Adrenalinpumpe in Gang zu bringen - beides gute Gegenmittel gegen Durchhänger. Zudem sollte am Wochenende unbedingt der Versuchung widerstanden werden, doch zu arbeiten, um die innere Leere zu füllen. Zum einen verschlimmert das den Zustand letztlich, zum anderen führt die zunehmende Entgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit auch dazu, dass Arbeitnehmer möglicherweise ohne es zu ahnen, in einen Burnout schlittern. Denn dessen erstes Anzeichen, ist übermäßiges Arbeiten.

(ham )
Mehr von RP ONLINE