Depression: Millionen Fehltage in Deutschland wegen Psyche

Millionen Fehltage wegen Psyche : So depressiv ist Deutschland

4,3 Millionen Fehltage sind 2013 durch die Diagnose Depression an deutschen Arbeitsplätzen entstanden, das zeigt der aktuelle Depressionsatlas der Techniker Krankenkasse. Erstmals hält er auch fest, in welchen Bundesländern die Menschen am niedergeschlagendsten sind. Die Experten warnen: 2015 wird die Zahl der Betroffenen noch steigen.

Wie es Menschen emotional und psychisch geht, ist ein lebensbestimmender Faktor. Vor allem für das Privatleben ist diese Maxima längst anerkannt. Doch wie die aktuelle Vergleichsstudie "Depressionsatlas Deutschland" der Techniker Krankenkasse zeigt, werden sich in Zukunft auch Arbeitgeber immer mehr darauf einstellen müssen, dass neben der Leistung auch die Psyche eine Rolle am Arbeitsplatz spielt.

Demnach stieg die Zahl der Fehltage im Beruf aufgrund der Diagnose Depression von 2000 bis ins Jahr 2013 um 70 Prozent. Zudem wurden auch wesentlich mehr Antidepressiva verschrieben. So stieg die Verschreibungsrate im gleichen Zeitraum um ein Drittel auf sechs Prozent. Für die Studie wertet die TK die Krankschreibungen ihrer 4,1 Millionen versicherten Erwerbspersonen aus. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I.

Zwar ergab die Studie auch, dass insgesamt mehr Menschen wegen Erkältungen und Rückenbeschwerden krank werden, doch "Die, die es trifft, fallen aber sehr lange aus, im Durchschnitt 64 Tage. Das heißt, es ist eine sehr langwierige Erkrankung für den Patienten, verbunden mit hohen Ausfallzeiten für die Betriebe", so Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK.

Große regionale Unterschiede

Für den aktuellen Depressionsatlas hat die TK erstmals die regionalen Unterschiede innerhalb Deutschlands untersucht. Wie sich dabei zeigte, leiden in den südlichen Bundesländern weniger Erwerbstätige an Depressionen, als im Norden. Wie sich zeigte entfielen in Hamburg auf eine Erwerbsperson im Durchschnitt 1,42 Fehltage mit der Diagnose Depression. Auch in Schleswig-Holstein und Berlin lag der Anteil der arbeitsunfähig geschriebenen Versicherten um mehr als zehn Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Baden-Württemberg wies dagegen mit durchschnittlich 0,84 Fehltagen die geringsten Fehlzeiten aufgrund dieser psychischen Erkrankung auf. Auch Bayern und Sachsen lag bei den durch Depression verursachten Fehltagen um rund zehn Prozent oder noch mehr unter dem Bundesdurchschnitt. Damit spiegelt der Depressionsatlas den Trend anderer Studien zu Fehltagen wieder, die alle darauf hinweisen, dass es in den südlichen Bundesländern insgesamt weniger Krankheitstage gibt als in den nördlichen. Warum das so ist, geht aus den Daten der TK-Studie nicht hervor.

Depressionen nach Berufsgruppen

Nicht nur die Verteilung zwischen den Bundesländern ist sehr unterschiedlich. Auch innerhalb der Berufsgruppen zeigten sich große Unterschiede. Von der Depressionen betroffen waren nach den Angaben vor allem Berufszweige mit einem hohen Stresslevel und einer großen psychischen Belastung, etwa in den Bereichen Callcenter (2,8 Ausfalltage), Altenpflege (2,5 Tage), Erziehung (1,6 Tage) und Sicherheit (1,4 Tage). Frauen waren mit durchschnittlich 1,3 Tagen häufiger aufgrund von Depressionen krankgeschrieben als Männer mit durchschnittlich 0,8 Tagen. Mit zunehmendem Alter nehmen die Fehlzeiten zu, bis sie ab dem 60. Lebensjahr wieder rückläufig sind.

Vier Millionen Deutsche sind depressiv

In Deutschland leiden derzeit etwa vier Millionen Menschen an einer Depression. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens eine Depression zu entwickeln, beträgt zwischen 7 und 18 Prozent. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Als Hauptursachen sehen die Experten wachsenden Stress, der auch immer mehr Teil der Freizeit wird, und eine mangelnde Selbstbestimmung, die ebenfalls zunehmend nicht nur im Beruf, sondern auch im Privatleben empfunden wird.

Depressionen äußern sich je nach schwere in vielfältigen Symptomen, die häufigsten sind anhaltende gedrückte Stimmung, ein gehemmter Antrieb, verlangsamtes Denken und Interessenverlust. Hinzu kommen verschiedene körperliche Symptome darunter Schlaflosigkeit, Appetitstörungen und manchmal auch Schmerzzustände.

Noch mehr Fälle von Depression im Jahr 2015

TK-Chef Baas gab zu bedenken, dass sich schon jetzt für das Jahr 2015 ein weiterer Anstieg der Diagnosen von Depressionen abzeichne, und somit auch ein weiterer Anstieg der Fehltage im Job. Für ihn ist ein umfassendes Gesundheitsmanagement in Deutschland die einzige Lösung: "Deshalb ist es wichtig, dass wir uns mit guten Angeboten im Betrieblichen Gesundheitsmanagement, in der Individualprävention, mit E-Coaching-Angeboten und in der medizinischen Versorgung gegen die Zunahme psychischer Störungen stemmen. Gesetzliche Anti-Stress-Verordnungen reichen hier nicht aus. Hier sind Unternehmen, Beschäftigte und Krankenkassen gleichermaßen gefordert."

(ham )
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