Beziehungsprobleme: Woran Sie erkennen, dass Sie sich ein Muttersöhnchen geangelt haben

Beziehungsprobleme : Woran Sie erkennen, dass Sie sich ein Muttersöhnchen geangelt haben

Für jede dritte Mutter ist ihr Mann gefühlt so etwas wie ein weiteres Kind. Vor allem Männer mit enger Bindung zu ihrer eigenen Mutter neigen laut Psychologen zu Unselbstständigkeit. Wir erklären, woran Sie erkennen können, ob Sie ein Muttersöhnchen an Ihrer Seite haben.

Nicht nur für die Kinder zu sorgen, sondern auch die Termine und Angelegenheiten des eigenen Mannes organisieren zu müssen: Ein Drittel der Mütter, die die Marktforscher des Rheingold-Instituts aus Köln befragt haben, gaben an, ihren Mann wie ein weiteres Kind zu empfinden. Da fällt der Blick ganz besonders auf einen Männertyp, der den Wunsch ständig umsorgt zu sein, quasi in die Wiege gelegt bekommen hat: das Muttersöhnchen.

Ganz gleich, ob es um die Renovierung der ersten gemeinsamen Wohnung geht oder die Planung von Urlaubsreisen: Bevor er eine Entscheidung trifft, steht erst einmal ein Telefonat mit seiner Mutter an. Ohne sie läuft nichts. Am liebsten isst er sein Lieblingsessen, wenn sie es für ihn kocht. Und wenn er von seiner Mutter erzählt, klingt es beinahe so, als sei von Superwoman die Rede. Klingt vielleicht ganz witzig. Für Partnerinnen, die das erleben, ist es das aber nicht.

Im Job können solche Männer zwar durchaus erfolgreich sein, Führungspositionen bekleiden und schnell Entscheidungen treffen. Doch stecken sie den Schlüssel ins Schloss des eigenen Heimes, beginnt eine seltsame Verwandlung. Nach Übersteigen der Türschwelle ist aus dem Macher jemand anders geworden: ein hauptberuflicher Sohnemann.

„Das Hemd bis zum letzten Knopf geschlossen, den Hosenbund auf Bauchnabelhöhe“, beschreibt die Kölner Psychologin und Coach Petra Jagow eines der klischeehaften Bilder, das man gleich im Kopf hat, wenn man sich ein Muttersöhnchen vorstellt. Werbung und Filme wie der satirisch überspitzte Loriot-Film „Ödipussi“ führen uns weitere heraus stechende Merkmale vor Augen: Ein Mann, der es braucht, umsorgt und bemuttert zu werden. Oder: Ein 35-Jähriger, der noch im Elternhaus lebt und das vollkommen normal findet. Ausziehen? Auf keinen Fall! „Sonst wäre seine Mutter so traurig“, sagt Psychologe und Buchautor Roland Kopp-Wichmann.

Das macht das heraus stechendste Merkmal deutlich: Muttersöhne pflegen einen seltsamen Kontakt zu ihrer Mutter: „Oft weisen sie in ihrer Beziehung zur ihr kein rechtes Maß auf“, sagt Kopp-Wichmann. Der Kontakt ist übermäßig und intensiv. In seltenen Fällen ist er aber auch vollkommen abgebrochen, sagt der Experte.

Ihr Problem: Manche Männer lösen sich nie von ihrer Mutter. Die Folge: Auch als Erwachsener haben sie laut Information des Psychologen oft das Bedürfnis übermäßig viel Aufmerksamkeit und stets die Rückmeldung der eigenen Mutter zu bekommen. Innerhalb seiner Beziehung findet Partnerschaft nicht auf Augenhöhe statt.

Wenn Muttersöhne in eine Liebesbeziehung starten, suchen sie unbewusst nach einem Ersatz für die eigene Mutter. Innerhalb einer Beziehung sorge genau das jedoch oftmals für jede Menge Sprengstoff, sagt Jagow. Das Problem nämlich: Sie leben nicht mehr zu Hause, sondern in einer Partnerschaft. Sie sind zudem nicht mehr acht, sondern 30, 40 oder jenseits der 60.

Meist fühlt sich die Partnerin nach und nach als Mutter für ihren Mann. Durch eine solche Rollenverteilung sind Probleme vorprogrammiert. Kommt er abends nach Hause, erwartet er stillschweigend, dass sie sich nun um ihn kümmert und ihn versorgt. Unabhängig davon, wie ihr Tag war. „Den stressigen Tag ihrer Partnerin sehen Muttersöhne meist nicht“, sagt Kopp-Wichmann.

Symptomatisch: Sie sehen ihre Interessen im Vordergrund. Ostern feiert er am liebsten traditionsgemäß bei seinen Eltern und „wenn er vor der Wahl steht, entscheidet er sich im Zweifel für seine Mutter statt für die Partnerin“, sagt Kopp-Wichmann. Hinzu kommt, dass solche Männer meist in der Beziehung nicht gut mit Kritik umgehen können. Ganz gleich, wie die Partnerin es verpackt – sie fühlen sich schnell angegriffen und herabgewürdigt.

Typische Situationen, die Muttersöhne als vollkommen normal empfinden: Unvorhergesehen klingelt es an der Haustür und Mutter schaut vorbei. Die Partnerin fühlt sich hingegen durch die übertriebene Präsenz der Schwiegermutter in spe in ihrer Zweisamkeit gestört. Oder: Seine Mutter macht während ihres Besuchs wie selbstverständlich gleich auch noch seine Wäsche nebenher. Was die Partnerin als übergriffig empfindet, ist für ihn hingegen völlig okay. Stellt sich die berechtigte Frage: Was ist da schief gelaufen?

Wie Jungen zu Muttersöhnen gemacht werden

Die Ausgangssituation: Eine Mutter ist immer die erste große Liebe im Leben eines Mannes. Von ihr werden sie als Kind umsorgt. Sie wischt verheulte Rotznasen ab und pflastert blutige Knie. Doch dieses normale Verhältnis zwischen einer Mutter und ihrem Kind kann in manchen Fällen zu eng werden. Während Mädchen nach Beobachtung der Psychologen oft sehr früh zu Selbstständigkeit erzogen werden, werden Jungen manchmal übertrieben umsorgt und ausufernd bekuschelt. „Manchmal zeigen sich Mütter auch sehr dominant und nehmen ihren Söhnen alles ab, gängeln sie geradezu“, sagt Jagow. Der Effekt: Sie können sich dadurch nie emanzipieren und wirken laut der Kölner Psychologin auch als erwachsener Mann noch unerfahren.

„Bei Muttersöhnen fehlt oft der Vater“, sagt Kopp-Wichmann. Das kann nach einer Trennung der Fall sein, aber auch durch berufliche Belastung oder grundsätzlich geringes Interesse am eigenen Sohn und einer fehlenden emotionalen Bindung zu ihm. Fehlt das, entwickelt sich manchmal eine besonders tiefe Beziehung zur Mutter. Für diese wird der Sohn zu einer Art Partnerersatz. Sie weiht ihn in vieles ein, macht ihn zum Verbündeten. Aus einer solchen Bindung können sich Rituale ergeben, die der Sohn auch im Erwachsenenalter nicht wieder so leicht ablegt. Sei es der tägliche Anruf bei seiner Mutter, ihre dauernden unangekündigten Besuche oder der Fakt, dass sie selbstverständlich mit in Urlaub fährt. Für die Partnerin kann das zur Nervnummer werden. Er hingegen findet es vollkommen normal.

Einen solchen Mutterkomplex entwickeln Jungen unter anderem auch, wenn ihnen in der Entwicklung ein männliches Vorbild fehlt. Ist der Vater nicht greifbar, „fehlt die alltägliche Erfahrung, dass sich Männer manchmal anders verhalten als Frauen“, sagt Jagow.

Beispiel: Der Junge stürzt mit dem Rad oder schlägt sich beim Spielen den Ellbogen blutig. Während Frauen oftmals eher besorgt und vielleicht auch ängstlich reagieren, würde ein Mann eher einen kurzen Blick auf die Wunde werfen und sagen: „Och, ist nicht so schlimm. Hört gleich auf zu bluten. Komm, wir machen weiter.“ Die gute Nachricht: Um beide Verhaltensweisen zu erlernen, kann ersatzweise auch das emotional enge Verhältnis zum Opa, Fußballtrainer oder Freund reichen.

Meist bemerken Frauen schnell, wenn das nicht funktioniert hat und ein Mann am Rockzipfel seiner Mutter hängt. Oft fühlen sich Partnerinnen dann in der zweiten Rolle. Fordern sie von ihm das gleiche Verständnis, dieselbe Fürsorge und denselben Respekt wie für seine Mutter, empfindet er es schnell als unangemessen und verweist auf die aufopfernden Taten seiner Mutter. Nicht rein zufällig fühlen sich also Frauen in solchen Beziehungen oft ohnmächtig der Situation ausgeliefert. Klassischerweise fehlt es dem Muttersohn laut Kopp-Wichmann an Problembewusstsein. Eine Chance hat eine solche Beziehung, wenn er an eine fürsorglich, sich kümmernde Frau gerät, die den Platz neben seiner Mutter streitlos einnehmen mag.

Ein Muttersöhnchen umzuerziehen, hält Kopp-Wichmann hingegen für beinahe aussichtslos. „Für den Mann täte es Not zu begreifen, dass die Entscheidung für die Partnerin keine Entscheidung gegen die Mutter sein muss“, sagt Jagow. Ohne therapeutische Unterstützung ist das schwierig. Der Grund: Um sich von der Mutter zu lösen ist es wichtig zu verstehen, an welchem Punkt und warum man bei ihr „hängen geblieben“ ist. Erst wenn das klar ist, gibt es eine Chance, die Partnerin vom Neben- auf das Hauptgleis zu holen und sich klar emotional für sie zu entscheiden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Textes nahmen wir Bezug auf den Loriot-Film „Papa ante portas“. Das ist in diesem Kontext falsch. Gemeint war natürlich der Loriot-Film Ödipussi“.

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