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Alzheimer und altern: Prävention gegen Alzheimer wird extrem wichtig

Alzheimer und altern : Prävention gegen Alzheimer wird extrem wichtig

Wissenschaftler auf der ganzen Welt suchen bisher erfolglos nach wirksamen Therapien gegen Alzheimer. Eine bewusste, präventive Lebensweise erscheint momentan die wirksamste Möglichkeit, den Ausbruch von altersbedingter Demenz hinauszuzögern.

Weltweit 135 Millionen Menschen werden bis 2050 an Alzheimer erkrankt sein. Demenz wird zur Epidemie, befürchtet die "Alzheimer´s Disease International" (ADI) in einem kürzlich veröffentlichten Dossier. Die Krankheit sei die größte medizinische Herausforderung unserer Zeit. Die Ursachen altersbedingter Demenz sind vielfältig.

"Meistens handelt es sich um ein Zusammentreffen von neurodegenerativen und vaskulären Komponenten", erklärt Professor Andreas Papassotiropoulos, Direktor der Abteilung für molekulare Neurowissenschaften der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel. Das bedeutet: Die Versorgung des Gehirns mit Blut ist gestört und es sterben Nervenzellen ab.

Der Vorgang entwickelt sich über einen langen Zeitraum von mehr als 20 Jahren. Gegen das Absterben der Nervenzellen gibt es keine Therapie. Allerdings zeigen epidemiologische Studien, dass vor allem zwei Faktoren die Entstehung von Alzheimer begünstigen. Das ist erstens ein Mangel an geistiger Aktivität und zweitens fehlende körperlicher Aktivität. Beide Faktoren können beeinflusst werden. Das Gehirn verfügt über eine "kognitive Reserve".

Zwar ist die Minderung der geistigen Aktivität durch das Absterben von Nervenzellen nicht abzuändern, doch das Gehirn ist in der Lage, das Zellsterben auszugleichen. Geistige Herausforderungen, Denksportaufgaben, Lesen und die Neugier auf Neues etwa lassen ein Leben lang neue Verknüpfungen von Gehirnzellen entstehen. Enorme Bedeutung für das Hinauszögern der Alzheimer-typischen Störungen hat körperliche Aktivität, so der Gedächtnisforscher.

"Zeitlebens bilden sich im Gehirn neue Nervenzellen im Hippocampus. Dieser als Neurogenese bezeichnete Prozess wird bei körperlicher Aktivität angekurbelt. Das haben Versuche im Tiermodell gezeigt", erklärt Papassotiropoulos. Der Hippocampus gilt als die zentrale Schaltstelle für Erinnerungen im Gehirn. Das Gehirnareal ist eine Schaltstelle für die Verarbeitung von Gedächtnisinhalten. Bereits moderate körperliche Aktivität reicht aus, um einen positiven Effekt auf die Hirnleistung zu erzielen.

Das belegt eine australische Studie aus dem Jahr 2008. Teilnehmer der Studie waren Menschen mit einem normalen Abfall der kognitiven Leistungen ("mild cognitive impairment"). Der einen Gruppe ließ man die übliche Standardversorgung zukommen. Die andere Gruppe hatte die Aufgabe, an drei Tagen in der Woche über einen Zeitraum von sechs Monaten einen fünfzigminütigen, strammen Spaziergang zu absolvieren.

Nach 18 Monaten stellten die Wissenschaftler bei der körperlich aktiveren Gruppe eine deutliche Verbesserung ihrer kognitiven Fähigkeiten fest. Unbestritten spielen genetische Faktoren eine herausragende Rolle in der Entstehung von Demenz. "70 bis 80 Prozent des Alzheimer-Risikos einer Bevölkerung liegt in den Genen", so der Neurowissenschaftler. Allerdings kann die Wissenschaft bisher nicht feststellen, welche Genkombinationen Alzheimer verursachen.

Dennoch hat ApoE4, eine Variante des Gens ApoE, eine besondere Bedeutung bei der Entstehung von Demenz. "Aber das reicht nicht aus, um eine Demenz zu entwickeln. Wer diese Variante nicht hat, kann trotzdem an Alzheimer erkranken. Viele ungünstige genetische Ursachen müssen zusammen treffen. Die Krankheit ist genetisch sehr komplex", erläutert der Gedächtnisforscher.

Auch Gentests seien nicht in der Lage, eine verlässliche individuelle Risikoabschätzung für Alzheimer abzugeben. Alzheimer ist keine Krankheit, die in absehbarer Zeit therapiert werden kann. Es gibt aber wissenschaftlich anerkannte Risikofaktoren, deren Vermeidung für die Prävention eine zentrale Rolle spielen. Dazu gehören neben geistiger und körperlicher Inaktivität, Rauchen, Depressionen, Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes.

"Gelingt es, diese Risikofaktoren zu verhindern, kann der Ausbruch einer Demenz deutlich verzögert werden", so Papassotiropoulos. Übergewicht sei aber nur dann mit einem höheren Risiko verbunden, wenn bei einem Menschen mittleren Alters der Body- Mass-Index (BMI) über 30 liegt. Auch für Bluthochdruck gibt es eine Grenze (systolisch 140mmHg, diastolisch 90mmHg).

Der Einsatz von Statinen, also cholesterinsenkenden Medikamenten, hat für die Therapie keine Erfolge gebracht. "Würden weltweit nur 20 Prozent dieser Risikofaktoren reduziert, wären drei Millionen Alzheimerfälle zu vermeiden", ist der preisgekrönte Neurowissenschaftler überzeugt, "Prävention ist extrem wichtig, sonst wird uns Demenz überrollen."