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Impfung gegen Affenpocken - Das müssen Sie wissen​

Impfstoff, Verfügbarkeit, Risikogruppen : Was Sie über die Impfung gegen Affenpocken wissen müssen

Rund drei Wochen nach dem ersten Nachweis von Affenpocken hierzulande steigt die Zahl der erfassten Infektionen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt inzwischen bestimmten Zielgruppen eine Impfung. Was sie dazu wissen müssen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Sonntag sind Affenpocken nun in rund 30 Ländern nachgewiesen, in denen das Virus sonst nicht kursiert. Es geht um mehrere Hundert Fälle. Und auch in Deutschland steigt die Zahl der Infizierten. So sind die beim Robert Koch-Institut (RKI) erfassten Infektionen mit Affenpocken drei Wochen nach dem ersten Nachweis in Deutschland auf 165 gestiegen (Stand 10. Juni). Zwei Tage zuvor waren dem RKI bundesweit 113 Fälle bekannt gewesen. Inzwischen empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) für bestimmte Zielgruppen eine Impfung gegen die Viruserkrankung. Wir haben die wichtigsten Fakten zur Impfung zusammengetragen.

Wer sollte sich impfen lassen?

Es gibt zwei Gruppen, die die Stiko definiert hat. Zum einen sind das Menschen ab 18 Jahren, die schon Kontakt zu Infizierten hatten, zum anderen ist das die Gruppe, die ein erhöhtes Risiko hat, sich zu infizieren. Diese beiden Gruppen benennt die Kommission noch ein mal genauer.

Zur ersten Gruppe gehören Menschen, die „engen körperlichen Kontakt über verwundete Haut oder über Schleimhäute“ hatten. Darunter auch Menschen, dielängeren ungeschützten Face-to-face-Kontakt“ mit einer erkrankten Person hatten, sich also längere Zeit ungeschützt in der Nähe eines Infizierten aufgehalten hatten, mit einem Abstand von weniger als einem Meter. Auch Menschen, die in der medizinischen Versorgung ohne Schutzausrüstung in Kontakt mit einem Erkrankten oder dem Virus gekommen sind, sowie Labormitarbeiter, die versehentlich mit Affenpockenmaterial Kontakt hatten, zählen zu dieser Gruppe. Die Impfung als Vorbeugemaßnahme soll schnellstmöglich innerhalb von 14 Tagen verabreicht werden.

Zur zweiten Gruppe zählt die Stiko Personen mit einem erhöhten Expositionsrisiko. Dazu zählt die Kommission Männer, die gleichgeschlechtlichen Sex mit wechselnden Partnern haben. Grund für diese Empfehlung sei, dass die Fälle in Deutschland bisher ausschließlich unter diesen Männern aufgetreten seien. Diese Gruppe soll deshalb besonders geschützt werden, gibt die Stiko an. Ein erhöhtes Risiko könne auch Personal in bestimmten Speziallaboratorien haben.

Müssen wir uns alle gegen die Affenpocken impfen lassen?

Nach der derzeitigen Lage ist es nicht erforderlich, dass sich alle Personen ab 18 Jahren impfen lassen. Die Empfehlungen der Stiko sind eine Empfehlung für Indikationsimpfungen. Als solche werden Impfungen bezeichnet, die im Gegensatz zu Standardimpfungen nur unter bestimmten Bedingungen bzw. nur für bestimmte Personengruppen empfohlen werden.

Gibt es schon einen Affenpocken-Impfstoff?

In der EU ist der Pockenimpfstoff Imvanex zugelassen, der auch zum Schutz vor Affenpocken eingesetzt werden könne, gab die Stiko in einer Mitteilung bekannt.

  • Erwachsene, die engeren Kontakt mit einem
    Immer mehr Fälle in Deutschland : Stiko empfiehlt Affenpocken-Impfung für Risikogruppen
  • PCR-Tests erkennen auch Affenpocken.
    Stiko rät Risikogruppen zu Impfung : Impfstoff gegen Affenpocken noch nicht lieferbar
  • Erster Fall vor zwei Wochen : Bisher 15 Affenpocken-Fälle in NRW

Welche Art von Impfstoff ist Imvanex?

Imvanex ist ein „abgeschwächten Lebendimpfstoff“. Er enthält eine lebende modifizierte Form des Vacciniavirus, Vacciniavirus „Ankara“ genannt, das mit dem Pockenvirus verwandt ist.

Wie viel Impfstoff steht zur Verfügung?

Die Bundesregierung hat 240.000 Dosen des Impfstoffs Imvanex bestellt, teilte das Bundesgesundheitsministerium unserer Redaktion auf Anfrage mit.

Ab wann steht der Impfstoff bereit?

Die ersten 40.000 Dosen sollen nach derzeitigem Stand in der 24. Kalenderwoche 2022 geliefert werden, die restlichen Lieferungen sollen im Laufe des dritten Quartals 2022 erfolgen, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Freitag (10. Juni 2022) mit. Ein Verteilkonzept befinde sich derzeit noch in Abstimmung. Einbezogen werde dabei auch die Stiko-Empfehlung, die sich zur Zeit noch in der Anhörung befinde. Da der Impfstoff zunächst nur eingeschränkt verfügbar sein werde, sollen laut Stiko bevorzugt Personen aus der ersten Gruppe geimpft werden, also die Menschen, die bereits Kontakt zu Infizierten hatten.

Wie wird der Impfstoff verabreicht?

Imvanex wird unter die Haut, vorzugsweise in den Oberarm, injiziert. Personen, die zuvor nicht gegen Pocken geimpft wurden, sollten zwei 0,5-ml-Dosen erhalten, wobei die zweite Dosis frühestens 28 Tage nach der ersten Impfung verabreicht werden sollte.

Wie wirkt der Impfstoff?

Impfstoffe bringen dem Immunsystem bei, wie es sich gegen eine Krankheit verteidigen kann. Das Immunsystem erkennt den im Impfstoff enthaltenen Virus als „fremd“ und produziert Antikörper dagegen. Kommt die geimpfte Person danach mit diesem oder einem ähnlichen Virus in Kontakt, sind diese Antikörper zusammen mit anderen Komponenten des Immunsystems in der Lage, die Viren abzutöten und die Person vor der Krankheit zu schützen.

Hilft meine alte Pocken-Impfung gegen Affenpocken?

Die Viren der echten Pocken (Variola) und der Affenpocken sind sich ähnlich. Deshalb schützen Impfstoffe, die zum Schutz vor den echten Pocken entwickelt wurden, auch vor Affenpocken.

Die früher übliche Pockenschutzimpfung ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu 85 Prozent wirksam gegen eine Infektion mit Affenpocken. Das berichtete sie am 11. Juni in Genf unter Berufung auf Studien. Die routinemäßige Pockenimpfung wurde gestoppt, nachdem die Pocken 1980 als ausgerottet erklärt wurden.

Bei Personen, die in der Vergangenheit bereits gegen Pocken geimpft wurden, reicht eine einmalige Impfstoffgabe statt zweimalige Grundimmunisierung aus, teilt die Stiko mit. Dies gilt jedoch nicht für Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Diese Patienten sollten zwei Auffrischungsimpfungen erhalten.

Hilft die Windpocken-Impfung gegen Affenpocken?

Der Erreger der Windpocken (Varizellen) gehört zu den Herpesviren und sind nicht mit echten Pocken, Affenpocken oder Kuhpocken verwandt. Eine Windpocken-Impfung schützt deshalb nicht gegen die Affenpocken.

Verträgt sich die Affenpocken-Impfung mit der Corona-Impfung?

Da es sich um unterschiedliche Impfstofftypen handelt (abgeschwächter Lebendimpfstoff / mRNA- bzw. Vektorimpfstoff) sollte es generell keine Beeinträchtigungen geben. Allerdings gibt es keine Erkenntnisse dazu, ob die Impfstoffe zeitgleich verabreicht werden dürfen oder wie groß der zeitliche Abstand sein müsste. Nach der aktuellen Empfehlung der Stiko sollte diese Frage aber zunächst weniger relevant sein, da viele Menschen bereits gegen Covid-19 geimpft sind und die Empfehlung keine allgemeine sei, sondern sich auf bestimmte Personengruppen (Risikogruppe) beschränkt, teilt das Paul-Ehrlich-Institut unserer Redaktion mit.

Haben wir es bei den Affenpocken mit einer neuen Epidemie oder gar Pandemie zu tun?

Affenpocken gelten verglichen mit den seit 1980 ausgerotteten Pocken als weniger schwere Erkrankung. Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland schätzt das RKI (Robert-Koch-Institut) nach derzeitigen Erkenntnissen (Stand 10. Juni 2022) als gering ein. Da für eine Übertragung des Erregers ein enger Kontakt erforderlich ist, kann laut RKI davon ausgegangen werden, dass der Ausbruch begrenzt werden kann. Die Situation werde aber weiter beobachtet und die Einschätzung dem aktuellen Kenntnisstand angepasst.