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Risikofaktoren ausschalten: Auch der Demenz kann man vorbeugen

Risikofaktoren ausschalten : Auch der Demenz kann man vorbeugen

Das Protein ApoE4 wurde als wesentliche Komponente bei Demenzerkrankungen entdeckt. Für die Teilnehmer des RP-Forums "Gesünder älter werden – Neue Ansätze aus der Präventivmedizin" stellt sich deshalb die Frage, ob eine individuelle Bestimmung auf ApoE4 Sinn ergibt – oder alle Menschen besser generell Präventionsmaßnahmen gegen Demenz betreiben sollten.

Das Protein ApoE4 wurde als wesentliche Komponente bei Demenzerkrankungen entdeckt. Für die Teilnehmer des RP-Forums "Gesünder älter werden — Neue Ansätze aus der Präventivmedizin" stellt sich deshalb die Frage, ob eine individuelle Bestimmung auf ApoE4 Sinn ergibt — oder alle Menschen besser generell Präventionsmaßnahmen gegen Demenz betreiben sollten.

Es beginnt bisweilen nur mit ein bisschen Vergesslichkeit, die oft dem fortschreitenden Alter zugeschrieben wird — und steigert sich bis zur völligen Hilflosigkeit und Pflegebedürftigkeit aufgrund des Verlustes der motorischen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten wie Denkvermögen, Sprache und Gedächtnis. Die Demenz ist eine weltweite Gefahr: "Aktuell gibt es 44 Millionen Erkrankte, Tendenz steigend", so Professor Dr. Gerd Assmann (Assmann-Stiftung für Prävention).

Fachleute wie der USamerikanische Neurologe Professor Dr. Robert W. Mahley vom Gladstone Institute in San Fracisco gehen von einer Steigerung auf rund 67 Millionen Betroffene in der näheren Zukunft aus. Robert W. Mahley ist international renommierter Fachmann auf diesem Gebiet: Er erforscht das Protein ApoE (Apolipoprotein E) als einen der Schlüssel für die Entwicklung der Gehirnerkrankung.

Eigentlich ist das Protein für den Fetttransport und die Regeneration von beschädigten Zellen zuständig. Professor Mahley führte aus, dass bei über 70 Prozent der Demenzerkrankungen die Form ApoE4 anzutreffen ist. Diese habe im Vergleich zu ApoE3 eine anomale Struktur und werde deshalb von der Zelle zerstört.

"Die daraus entstehenden Fragmente sind toxisch und schädigen wiederum die Zellen, was die Entwicklung einer Demenz begünstigen kann", sagt der Forscher, der mit seinem Team in San Francisco an einem Medikament zur Umwandlung des "bösen" ApoE4 in das normale ApoE3 arbeitet. Bei wem ApoE4 festgestellt werde, so Mahley, der müsse ganz besonders viel Wert auf gute Prävention legen und zwar dergestalt, dass er körperlich und geistig im Training bleibe.

Die Bedeutung körperlicher und geistiger Aktivität betont auch Professor Dr. Andreas Papassotiropoulos von den Universitäten Psychiatrischen Kliniken Basel. "Damit beeinflusst man wesentliche Risikofaktoren, denn gute Ernährung und Bewegung sind nicht nur wichtig, um Bluthochdruck und Übergewicht zu vermeiden, sondern auch, um neue Nervenzellen herauszubilden."

Generell führt Andreas Papassotiropoulos aus, dass ApoE4 für viele Erkrankungen verantwortlich sei — aber gleichzeitig plädiert der Basler Mediziner nicht dafür, die Existenz des Proteins im Körper als einen individuellen Risikofaktor und Grund für präventive Maßnahmen zu bestimmen.

"Übergewicht und Co. müssen ohnehin bekämpft werden. ApoE4 ist deshalb kein spezieller Grund für die Prävention und muss nicht individuell bestimmt werden." Dagegen wendet Professor Assmann ein, dass ausgehend von den Forschungen von Robert W. Mahley ApoE4-Träger ein wesentlich erhöhtes Risiko für Demenz hätten.

"Deshalb ergibt es Sinn, Menschen nach vorheriger ärztlicher Beratung auf ApoE4 zu testen, um so bereits früh im Leben und nicht erst im fortgeschrittenen Alter von besonders intensiven Präventionsmaßnahmen zuprofitieren", stellt Gerd Assmann fest. "Damit kann man niemandem schaden", so Assmann.

Für Andreas Papassotiropoulos jedoch hat ApoE4 keinen "prädikativen Wert", weshalb er unabhängig vom ApoEStatus grundsätzlich zu einem Lebensstilwandel aus Präventionsgründen rät.

Professor Dr. Dietrich Baumgart (Preventicum, Düsseldorf) weist im Kontext dieser Diskussion auf die generelle Motivation des Patienten hin, sich mit der Vorbeugung zu befassen: "Wann kümmert er sich um die Prävention? Wenn er von einer möglichen Gefahr wie dem ApoE4 weiß oder wenn er nicht davon weiß?" Diese Frage sei letzlich unbeantwortet, betont Dietrich Baumgart.