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PMS: Die wichtigsten Fakten zum Prämenstruellen Syndrom

Prämenstruelles Syndrom : Was ist eigentlich PMS?

Vor der Menstruation leiden viele Frauen unter Stimmungsschwankungen und Unwohlsein. Dabei gibt es Möglichkeiten, die Symptome von PMS zu lindern.

Es gibt diese Zeit im Monat, die für viele Frauen einfach nur unangenehm ist. Sie bekommen Bauch- oder Rückenschmerzen, fühlen sich schlapp oder angespannt, haben Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen, sind müde oder schlecht gelaunt. Man spricht von den "Tagen vor den Tagen". Denn vor dem Einsetzen der Menstruation leiden viele Frauen unter dem Prämenstruellen Syndrom, kurz PMS. Aber was ist das eigentlich genau? Und was kann man gegen die Beschwerden tun?

Was ist PMS?

PMS ist die Abkürzung für Prämenstruelles Syndrom. Es beschreibt die körperlichen und psychischen Veränderungen, die Frauen vor Beginn der Menstruation wahrnehmen. An der Universitätsfrauenklinik Bonn geht man davon aus, dass etwa 75 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter in irgendeiner Form vom Prämenstruellen Syndrom betroffen sind. "Es gibt kaum Frauen, die nicht in irgendeiner Form merken, dass da etwas passiert", sagt Dr. Andrea Hocke, Leiterin der Gynäkologischen Psychosomatik. Ihre Abteilung wurde 1997 ins Leben gerufen, um Krankheiten und Themen zu erforschen und zu behandeln, bei denen es ein Zusammenspiel von Gynäkologie und Psychologie gibt. Die Mitarbeiter kümmern sich um Phänomene wie Wechseljahre, Wochenbettdepressionen oder das Prämenstruelle Syndrom. Ein Thema, über das immer noch nicht genug gesprochen wird, ist Hocke überzeugt.

Oft wird davon ausgegangen, dass das Prämenstruelle Syndrom durch die hormonellen Veränderungen in der zweiten Zyklushälfte hervorgerufen wird. Diese Erklärung ist aber zu kurz gegriffen. "Natürlich gibt es da einen Zusammenhang mit den Hormonen, aber das erklärt nicht, warum einige Frauen nur ganz leichte Beschwerden haben, während andere unter dem sehr viel stärker ausgeprägten PMDS leiden. Die wirklichen Zusammenhänge sind da noch nicht geklärt. PMS hat multifaktorielle Ursachen es kommen viele Dinge zusammen", sagt Dr. Hocke.

Was ist PMDS?

Mittlerweile wird zwischen dem Prämenstruellen Syndrom und seiner sehr viel schwerer ausgeprägten Form, der PMDS unterschieden. PMDS steht Prämenstruelle Dysphorische Störung. Dysphorisch heißt so viel wie gereizt oder angespannt. Diese Störung soll zwei bis fünf Prozent der Frauen betreffen.

Bei PMDS äußern sich die Symptome sehr viel vehementer als beim herkömmlichen Prämenstruellen Sydrom. Für PMDS gibt es im amerikanischen Diagnosesystem DSM-5 anerkannte Diagnosekriterien. Im ICD-10, das in Deutschland genutzt wird, um Krankheiten zu klassifizieren und eine Diagnose zu stellen, ist PMDS noch nicht erfasst.Derzeit ist das Diagnosesystem ICD-11 in Arbeit, in das PMDS aufgenommen werden soll. Ein wichtiger Schritt, findet Hocke. Denn vielen Frauen sei schon damit geholfen, dass wahrgenommen wird, dass sie eine Krankheit haben und sich nicht einfach nur anstellen.

Was sind die Symptome von PMS?

Häufige Symptome des Prämenstruellen Sydrom sind:

  • Stimmungsschwankungen
  • Reizbarkeit
  • Anspannung, die zu Streit mit anderen führen kann
  • depressive Verstimmungen
  • Rückenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Spannen der Brust
  • Wassereinlagerungen
  • andere psychische Beschwerden

Bei PMDS sind die PMS-Symptome sehr viel stärker ausgeprägt. "Statt leichtere Stimmungsschwankungen zu haben, sind die Betroffenen psychisch komplett verändert. Sie leiden unter depressiven Symptomen , aber oft steht auch ausgeprägte Gereizheit und Aggression im Vordergrund. Ich hatte einmal eine Patientin, die sagte, sie sei in der Zeit wie ein Zombie", beschreibt Hocke.

Zu den Symptomen der PMDS zählen:

  • Depressionen, Hoffnungslosigkeit
  • Ängstlichkeit, Anspannung
  • Starke Stimmungsschwankungen
  • Reizbarkeit oder Wut
  • Interesselosigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Energielosigkeit
  • Appetitveränderungen wie zum Beispiel Heißhungerattacken
  • Ein erhöhtes Schlafbedürfnis oder Schlaflosigkeit
  • Ein Gefühl des Überwältigtseins, beziehungsweise das Gefühl, außer Kontrolle zu geraten
  • Körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Gewichtszunahme

Nicht immer treten alle Symptome auf. Die Prämenstruelle Dysphorische Störung und die mit ihr verbundenen Symptome haben oft gravierende Auswirkungen auf das Leben der Frauen, die unter PMDS leiden. Es kommt häufiger zu Streit im privaten Umfeld. Und auch die Arbeit kann unter den Beschwerden leiden. Ein Lichtblick: PMDS kann behandelt werden. Am Anfang steht aber eine gesicherte Diagnose.

Als ersten Schritt empfiehlt Hocke Frauen, die glauben, unter einer Prämenstruellen Dysphorischen Störung zu leiden, über zwei Monate ein Zyklus-Tagebuch führen, das man sich online herunterladen kann.

In dem PMS-Tagebuch wird die Stimmung der Frau genau nachgefragt. Auf einer Skala von 0 bis 4 kann sie wählen, wie sie sich fühlt, und notieren, ob es noch andere Auslöser für Stimmungsschwankungen oder depressive Verstimmungen gibt. Durch das Tagebuch lässt sich später genau sagen, ob es sich bei den Symptomen um PMS- beziehungsweise PMDS-Symptome handelt oder ob die Beschwerden ungelöst vom Menstruationszyklus der Frauen auftreten.

Durch das Tagebuch hat die Betroffene auch etwas, das sie ihrem Arzt oder Frauenarzt zeigen kann, damit dieser genau nachvollziehen kann, wo die Probleme liegen, und auf Grundlage des Tagebuchs eine Diagnose stellen kann.

Wie lange halten PMS-Beschwerden an?

PMS-Beschwerden treten in der zweiten Zyklushälfte auf. Besonders viele Frauen leiden in den Tagen vor der Menstruation unter körperlichen und psychischen Beschwerden. Dabei können die Symptome auch schon bis zu 14 Tage vor Beginn der Menstruation auftreten. Egal, wann die Beschwerden im Zusammenhang mit dem Prämenstruellen Syndrom auftreten, sie ebben ab, wenn die Menstruation beginnt. Schließlich spricht man vom Prämenstruellen Syndrom, dem Syndrom vor der Menstruation. Beschwerden während der Menstruation wie Bauch- oder Rückenschmerzen sind deshalb keine PMS-Syndrome, sondern Menstruationsbeschwerden.

Welche Hausmittel helfen bei PMS?

Ob es tatsächlich ein Hausmittel gibt, das PMS lindern kann, ist umstritten. Oftmals wird Vitamin B6 empfohlen. Das Vitamin ist an der Bildung von Botenstoffen in den Nerven beteiligt, beeinflusst einige Hormone und stärkt die Abwehrkräfte. Vitamin B6-Präparate werden oft damit beworben, dass sie für Ruhe und Ausgeglichenheit sorgen. Die Verbraucherzentrale weist allerdings darauf hin, dass ein Vitamin B6-Mangel bei gesunden Menschen sehr selten ist. Durch ausgewogene Ernährung nimmt der Körper in der Regel genug von dem Vitamin auf.

Auch Magnesium wird oft empfohlen, um PMS-Symptome zu lindern. Tatsächlich trägt Magnesium zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei. Die Verbraucherzentrale hat in der Vergangenheit allerdings auch hier vor Magnesium-Präparaten gewarnt, da sie zu stark dosiert waren. Frauen sollten laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung 300 mg täglich zu sich nehmen. Das geht auch über die Nahrung. Empfehlenswert sind Gemüsearten wie Bohnen und Erbsen sowie Vollkornprodukte.

Der Berufsverband der Frauenärzte hält eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten bei PMS für hilfreich. Folgende Lebensmittel sollten reduziert werden:

  • Salz
  • Schokolade
  • Koffein
  • Alkohol

Dafür sollte darauf geachtet werden, dass der Körper mit Vitaminen, Mineralien und Omega-3-Fettsäuren versorgt wird. Das soll zum einen die Stimmungslage verbessern und körperliche Beschwerden wie Heißhunger, Wassereinlagerungen und das Spannen der Brust mindern.

Auch Dr. Andrea Hocke von der Gynäkologischen Psychosomatik an der Uniklinik Bonn rät zu gesunder und vitaminreicher Ernährung und eventuell einer Kontrolle der Schilddrüsenhormone. "Man sollte darauf achten, dass keine Mangelernährung vorliegt." Sie rät außerdem dazu, bei psychischen Beschwerden durch PMS vor allem ein bisschen mehr auf sich selbst zu achten. "Das ist wichtig, gerade in unserer Zeit der Selbstoptimierung sollten wir nicht vergessen, uns auch ein bisschen um uns selbst zu kümmern", sagt sie. Der Stress sollte reduziert werden. Hockes Ratschlag: Ruhepausen, Achtsamkeit, die Pflege von Hobbys und Bewegung.

Welcher Sport hilft gegen PMS?

Sport soll sich positiv auf die Beschwerden von PMS auswirken, besonders, was die körperlichen Symptome betrifft. Das bestätigt auch der Berufsverband der Frauenärzte. Durch die Bewegung wird im Körper eingelagertes Wasser schneller abtransportiert. Dadurch, dass die Durchblutung gefördert wird, können Krämpfe in der Gebärmutter gelöst und Schmerzen in Bauch und Rücken abgebaut werden. Der Berufsverband der Frauenärzte empfiehlt vor allem Ausdauertraining. Jogging, Radfahren oder Schwimmen bieten sich an.

Auch andere Sportarten können positive Effekte haben. Schließlich wird durch den Sport das Glückshormon Endorphin ausgeschüttet.

Expertin Dr. Andrea Hocke empfiehlt Yoga bei PMS. Beim Yoga werden eher sportliche Übungen mit Entspannungsübungen verbunden, was Stress abbauen kann und sich positiv auf die Laune auswirken kann.

Welcher Arzt behandelt PMS?

Manchmal reichen gesunde Ernährung und Sport nicht aus, um PMS-Symptome zu lindern. In dem Fall sollten sich Frauen an ihren Gynäkologen wenden. Hier ist es von Vorteil, wenn man dem Arzt die Symptome genau schildern kann.

Es hat sich gezeigt, dass die Einnahme der Anti-Baby-Pille die Symptome von PMS reduzieren kann. "Bei einigen Frauen hat sich gezeigt, dass eine Einnahme der Pille im Langzyklus hilfreich sein kann", sagt Expertin Dr. Andrea Hocke. Darüber kann mit dem Arzt beraten werden, er kann das Medikament verschreiben. Er kann auch zu pflanzlichen Präparaten wie zum Beispiel Mönchspfeffer zur Behandlung der Symptome raten.

Was können Frauen bei Depression durch PMS tun?

Wenn Sie unter starken Depressionen durch PMS leiden, sollten Sie sich in ärztliche Behandlung begeben. Bei Depressionen durch PMS ist es möglich, dass eine Prämenstruelle Dysphorische Störung vorliegt. "PMDS lässt sich gut behandeln", sagt Dr. Andrea Hocke.

Wenn zusätzliche Probleme vorliegen, die die Symptome verstärken, kann eine Psychotherapie sinnvoll sein, bei der Betroffene auch lernen, sich zu entspannen und Stress zu reduzieren. Auch eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva kommt in Frage. Was nicht bedeutet, dass Frauen, die unter PMDS leiden, für den Rest ihres Lebens Antidepressiva nehmen müssen. "Es kann auch helfen, um einige Zeit aus dem Hamsterrad herauszuspringen und für ein paar Monate Stabilität zu haben", sagt Hocke. Sie hat bereits Patienten behandelt, die sich nach einiger Zeit besser fühlten, sich mehr Zeit für sich selbst nahmen und das Antidepressivum dann wieder absetzen konnten.

Wichtig ist Hocke, dass sich Frauen, die während der Zeit vor ihrer Periode leiden, Hilfe suchen. "Ein großer Irrtum, dem viele verfallen, ist, dass das eben so ist und man sich damit abfinden muss. Viele Frauen sagen sich: Stell dich nicht so an, reiß dich am Riemen. Dabei ist PMDS eine Belastung, die ernstzunehmen ist."

Auch hier ist der Gynäkologe wieder der erste Ansprechpartner. Allerdings ist das Thema auch für sie oft schwer zu fassen, denn noch ist die Krankheit nicht im ICD-10 vermerkt. Deshalb empfiehlt Hocke Frauen, ihrem Frauenarzt das ausgefüllte PMS-Tagebuch mitzubringen.

Kann der Gynäkologe nicht weiterhelfen, können sich Frauen auch an die Gynäkologische Psychosomatik im Zentrum für Geburtshilfe und Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Bonn wenden.