Forderung der Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen : Patienten sollen in der Notaufnahme 50 Euro Gebühr bezahlen

Forderung der Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen : Patienten sollen in der Notaufnahme 50 Euro Gebühr bezahlen

Die Notaufnahmen sind vollkommen überfüllt, weil viele Patienten mit Kleinigkeiten in die Klinik gehen. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen fordert deshalb eine Gebühr.

Beinbruch oder schmerzender Blinddarm - das sind gute Gründe, um die Notaufnahme aufzusuchen. Ein geröteter Mückenstich, Heiserkeit oder leichte Bauchschmerzen hingegen sind kein Fall für die Ambulanz, sondern für den niedergelassenen Arzt. Immer mehr Patienten setzen sich jedoch schon bei kleineren Beschwerden direkt in die Notaufnahme, etwa auch, weil sie sich unter der Woche nicht die Zeit nehmen wollen, um zum Arzt zu gehen. Sie suchen lieber am Wochenende eine Klinik auf.

Um solche unnötigen Besuche in der Notaufnahme zu reduzieren, fordert die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) nun eine Eintrittsgebühr für die Ambulanz. Bezahlt werden soll sie nur von Patienten, die wegen einer Bagatelle dort erschienen sind. „Wir müssen die Ströme der Patienten besser organisieren und leiten", sagt Mark Barjenbruch, Vorstandschef der KVN der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Wie das Gebührensystem funktionieren könnte, ist jedoch vollkommen unklar.

Laut Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall-Medizin (DGINA) werden jährlich rund 20 Millionen Notfall-Patienten in deutschen Krankenhäusern behandelt - geschätzt die Hälfte davon rein ambulant. Für die Einführung einer Gebühr für Notaufnahmen sind demnach auch die Verbände in Hessen und Bremen. Vorbild der Idee sei ein ähnliches Modell in Norwegen, sagt Barjenbruch in einem Interview mit dem „Göttinger Tagblatt“. Allerdings müssten "echte Notfälle" von der Gebühr befreit sein. Maßgeblich dafür sei die Einschätzung eines Arztes.

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Auch die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) befürwortet den Vorschlag. „Wir würden eine solche Gebühr begrüßen“, sagt Christoph Schneider, Sprecher der KVNO. „Allerdings können wir, beziehungsweise die Ärzte, nicht entscheiden, ob so etwas eingeführt wird. Das ist Sache der Politik.“ Die Höhe der Gebühr müsste ebenfalls von den Gesetzgebern bestimmt werden. „Es ist aber so, dass so eine Gebühr helfen würde, die unnötige Inanspruchnahme der Notaufnahmen zu verringern. Das spart nicht nur Kosten und Zeit, sondern sorgt auch dafür, dass die Ressourcen für echte Notfälle bereitstehen.“

Damit Patienten nicht unnötig bezahlen, ist die ärztliche Diagnose das wichtigste Instrument. „Wir könnten uns vorstellen, dass es für das Gebührensystem eine eigene Patienteneinteilung basierend auf der Diagnose des Arztes gibt“, sagt Schneider.