Ursachen, Behandlung, Risiken Was gegen die Volkskrankheit Parodontitis helfen kann

Service · Sie ist eine der häufigsten chronischen Krankheiten weltweit und unter Erwachsenen Ursache Nummer eins für einen Zahnverlust. Wissenswertes über Vorbeugung, Behandlung und Risiken dieser nur schwer vollständig zu heilenden Krankheit.

Beim Parodontalen Screening Index (PSI) wird mit einer Spezialsonde unter anderem die Tiefe der Zahnfleischtaschen gemessen.

Beim Parodontalen Screening Index (PSI) wird mit einer Spezialsonde unter anderem die Tiefe der Zahnfleischtaschen gemessen.

Foto: dpa-tmn/Peter Johann Kierzkowski

Was ist eine Parodontitis?

Als Parodontitis bezeichnen Mediziner eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates (Parodontium). Das ist die Region in unserem Mund, die den Zahn mit dem Kiefer verbindet. Auslöser der Erkrankung ist eine bakterielle Infektion, die sich meist als hartnäckiger Zahnbelag oder Plaque ablagert. Erste Anzeichen sind etwa ein geschwollenes Zahnfleisch, Zahnfleischbluten oder empfindliche Zähne.

Zahnmediziner bezeichnen die Parodontitis längst als eine Volkskrankheit, sie gilt als eine der häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. Die Verbraucherzentrale spricht von 35 Millionen Erkrankten in Deutschland. Mehr als die Hälfte aller Erwachsenen sind betroffen, schreibt die Bundesärztekammer. Generell trifft die Erkrankung alle Altersgruppen, mit zunehmendem Alter steigen aber Risiko und Häufigkeit. Eine Parodontitis ist übrigens sehr viel häufiger Ursache für einen Zahnverlust im Erwachsenenalter als Karies. Die häufigste Form ist die chronische Parodontitis. Sie macht rund 95 Prozent der Fälle aus. Wesentlich seltener (5 Prozent) ist die aggressive Parodontitis.

Parodontitis oder Parodontose – gibt es überhaupt einen Unterschied?

Ja. Eine Parodontitis ist keine Parodontose – manchmal werden beide Begriffe fälschlicherweise gleichgesetzt. Zwar kommt es bei beiden Erkrankungsbildern zu einem Zahnfleischrückgang, aber bei einer Parodontose liegt keine Entzündung vor. Sie birgt deshalb zunächst ein geringes Gesundheitsrisiko, kann aber die Gebiss-Ästhetik stören. Außerdem können die zunehmend freiliegenden Zahnhälse auch bei einer Parodontose mit der Zeit ein Sammelbecken für Bakterien bilden.

Typische Symptome einer Paradontitis

Eine Parodontitis bleibt häufig lange Zeit unbemerkt, denn sie verursacht zunächst keine Schmerzen. Erst nach einer Weile treten erste Beschwerden auf wie etwa Zahnfleischbluten beim Zähneputzen oder beim Biss in den Apfel. Ein geschwollenes Zahnfleisch und reizempfindliche Zähne sind typische Hinweise auf eine fortgeschrittenere Parodontitis. Im weiteren Verlauf zieht sich das entzündete Zahnfleisch immer mehr zurück, die Zahnhälse werden sichtbar und es bilden sich sogenannte Zahnfleischtaschen, die wiederum den idealen Nährboden für weitere Bakterienansiedlung bilden. Die körpereigene Immunabwehr reagiert auf den Bakterienbefall mit der Aktivierung knochenabbauender Zellen (Osteoklasten). So werden mit der Zeit der Zahnhalteapparat und der eigene Knochen zerstört. Der Zahn tritt immer weiter aus dem zurückgehenden Zahnfleisch heraus, wird locker und fällt schließlich aus.

Eine Parodontitis kann sich im schlimmsten Fall auch über den Mundraum hinaus ausbreiten. Gelangen Bakterien in die Blutbahn, können sie Entzündungen und Schäden an Organen und Geweben verursachen. Die Folgen können etwa unklares Fieber sein oder ein Bakterienbefall von Herzklappen oder Endoprothesen.

Zahnmediziner teilen die Parodontitis in verschiedene Schweregrade ein. Dieser parodontale Screening-Index (PSI) richtet sich in erster Linie nach der Tiefe der entstandenen Zahnfleischtaschen.

Ursachen und Risikofaktoren

Begünstigt wird eine Parodontitis durch verschiedene Ursachen. Ganz oben steht eine mangelnde Mundhygiene. Aber auch ein geschwächtes Immunsystem, Rauchen oder bestimmte Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus können eine Parodontitis befördern. Ebenfalls eine Rolle spielt ungesunde Ernährung, zu viel Zucker etwa kann Entzündungen fördern.

Vorbeugung und Therapie

Die beste Vorbeugung ist die Vermeidung der Risikofaktoren. An oberster Stelle steht hier eine vernünftige Mund- und Zahnpflege. Dazu zählen Mediziner mindestens zweimal tägliches Zähneputzen und auch die Reinigung der Zunge sowie der Zahnzwischenräume. Außerdem sollte man ein- bis zweimal jährlich zu den Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt gehen. Er erkennt frühzeitig eine Parodontitis und kann vorbeugen, zum Beispiel auch durch die regelmäßige Entfernung von Zahnstein. Darüber hinaus gilt es andere Risikofaktoren zu meiden, zum Beispiel Rauchen und überzuckerte Lebensmittel.

Ist die Parodontitis behandelbar?

Ja, aber das Prozedere ist je nach Stadium recht aufwendig, und oftmals ist eine vollständige Heilung nicht möglich. Im Mittelpunkt stehen immer die Beseitigung der Bakterien und das Aufhalten der Entzündungsprozesse. Je nachdem wie weit der bakterielle Befall fortgeschritten ist, umso zeitintensiver die Behandlung. Reinigungen können etwa mit Ultraschall oder Laser erfolgen. In Ausnahmefällen, wenn besonders aggressive oder hartnäckige Keime die Mundhöhle besiedeln, muss ein Antibiotikum genommen werden. Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG Paro) hat Leitlinien für die Behandlung der einzelnen Schweregrade einer Parodontitis herausgegeben.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort