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Kritik von den Krankenkassen: Zu häufige Gebärmutter-Entfernungen?

Kritik von den Krankenkassen : Zu häufige Gebärmutter-Entfernungen?

Aus Sicht der Krankenkassen wird in Deutschland zu viel operiert. Der Spitzenverband der Kassen hat nun ein Forschungsinstitut beauftragt, die stattliche Zahl von 135.000 Gebärmutter-Entfernungen zu untersuchen.

Es werde vermutet, "dass zum Teil bei Frauen Gebärmutter entfernt wird, obwohl dies nicht unbedingt notwendig gewesen wäre", heißt es in einem Papier des Spitzenverbandes. Die Wissenschaftler sollen ermitteln, ob die Eingriffe "anhand medizinischer Kriterien und Präferenzen der Patientinnen wirklich unvermeidbar und notwendig" gewesen wären. Nach Zahlen des Spitzenverbandes ist bei etwa einem Drittel der Kliniken, die mehr als 20 dieser Operationen pro Jahr machen, die Indikationsstellung für die Gebärmutterentfernung fragwürdig.

Der Spitzenverband der Krankenkassen fordert ein grundsätzliches Umsteuern in der Krankenhauspolitik. "In Deutschland gibt es mehr Klinikbetten, als für die Versorgung der Bevölkerung notwendig sind", sagte die Chefin des GKV-Spitzenverbandes Doris Pfeiffer unserer Redaktion.

Die Überkapazitäten seien "ein starker Anreiz für die Kliniken, nur aus Kostengründen zu operieren oder aufwändige und oftmals nicht risikolose Untersuchungen durchzuführen". Als weitere Beispiele nannte sie Wirbelsäulenoperationen und Herzkatheter-Untersuchungen.

Pfeiffer forderte, dass die Kassen künftig die Möglichkeit bekommen sollten, mit einzelnen Krankenhäusern Verträge abzuschließen, "die hohe Qualitätsstandards zu vernünftigen Preisen festschreiben". Solche Einzelverträge von großen Kassen mit Kliniken würden die Krankenhauslandschaft in Deutschland erheblich verändern. Große planbare Operationen würden sich auf große Zentren konzentrieren, kleinere Häuser hätten das Nachsehen.

Eben diese Veränderung streben die Kassen an. Die Kliniken müssten eine flächendeckende Akutversorgung sicherstellen und gleichzeitig in spezialisierten Häusern weitergehende und planbare Behandlungen ermöglichen. Pfeiffer sagte: "Wir brauchen nicht in jedem Stadtteil ein Krankenhaus, das neben der Akutversorgung auch noch künstliche Herzklappen einsetzt." In der nächsten Legislaturperiode müsse ein "Pakt für die Modernisierung der Klinikstrukturen" geschlossen werden.

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(qua)