Neue Risikogebiete in Deutschland Die Zeckensaison 2023 hat begonnen

München/Erlangen · Die Temperaturen steigen, die Zecken-Zeit beginnt - und das teilweise schon sehr früh in diesem Jahr. Das könnte auch am Klimawandel liegen. Erst Anfang des Monates hatte das Robert Koch-Institut drei neue deutsche FSME-Risikogebiete in Bayern und Sachsen ausgewiesen.

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Foto: dpa/Daniel Reinhardt

„Wir hatten heuer bereits Phasen, wo Zecken schon stellenweise aktiv waren“, sagt Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. Generell gebe es eine Verschiebung der Aktivität nach vorne, erläutert der Experte. „Das zeigt sich auch daran, dass die FSME-Fälle früher auftreten.“

Erst Anfang des Monates hatte das Robert Koch-Institut (RKI) drei neue deutsche FSME-Risikogebiete in Bayern und Sachsen ausgewiesen. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Hirnentzündung. Zecken können die Viren übertragen. Die meisten Infektionen verlaufen ohne Symptome. Das Risiko einer schweren Erkrankung ist bei Menschen über 60 Jahren deutlich erhöht. In der ersten Phase gibt es dabei häufig grippeähnliche Symptome, später kann eine Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks folgen.

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Foto: Wiljo Piel/wilp

Ein Infektionsrisiko besteht laut RKI vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen und seit dem Vorjahr auch im südöstlichen Brandenburg. Hinzu kommen einzelne Risikogebiete in anderen Bundesländern. In den Risikogebieten empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine FSME-Impfung.

Zecken können außerdem die Erreger der Lyme-Borreliose übertragen, was oft erst Stunden nach Beginn des Saugakts erfolgt. Sie ist laut RKI wesentlich häufiger und kommt deutschlandweit vor. Erstes Symptom ist oft eine größer werdende Rötung um die Einstichstelle herum.

Nicht nur in Süddeutschland, sondern auch in Tschechien, Österreich und der Schweiz gebe es trotz Impfung seit 2015 einen Anstieg bei den FSME-Zahlen, sagt Dobler. „Wir glauben, dass der Klimawandel dabei eine Rolle spielt. Wir wissen nur noch nicht wie“.

Zurzeit sammeln Dobler und sein Team deshalb in den Risikogebieten Zecken ein, um diese auf das Virus zu untersuchen. So habe er bereits im Februar Zecken in einem Münchner Park entdeckt, sagt Dobler. Die Klimakrise könnte seiner Ansicht nach auch dafür verantwortlich sein, dass sich die FSME-Fälle in höheren Lagen häuften.

Der Experte Volker Fingerle vom bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen hält es für wahrscheinlich, dass sich die hierzulande häufigste Zeckenart, der Gemeine Holzbock, weiter im Norden Europas ausbreiten könnte. Einzelne Studien hätten auch schon Hinweise darauf gebracht, dass diese vermehrt in höheren Lagen vorkommt. „Dafür braucht es aber Langzeitstudien.“

Mehr als 20 verschiedene Zeckenarten gibt es seinen Angaben nach in Deutschland. Weltweit seien es rund 900. Mit der Klimaerwärmung könnten auch neue Arten hierzulande Fuß fassen, meint Fingerle.

Ein Beispiel sei die sogenannte Hyalomma-Riesenzecke, die in den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Süd-Europas beheimatet ist. Zugvögel bringen diese mit nach Deutschland. Normalerweise sterbe diese Zecke im Winter, weil sie die Kälte nicht ertrage, sagt Fingerle. „Uns wird sicherlich bevorstehen, dass das Klima so wird, dass sie den Winter übersteht oder dass sie sich anpasst.“ Auch wenn dies noch nicht etabliert ist: Erste überwinternde Hyalomma-Zecken wurden in Deutschland bereits nachgewiesen, wie die Universität Hohenheim 2019 mitteilte - fünf in einem Pferdehof in Nordrhein-Westfalen, eine auf einem Pferd in Niedersachsen.

(felt/dpa)