Hirnaktivität untersucht Wie sich falsche Erinnerungen bilden

Evanston/USA (rpo). Amerikanische Forscher haben entdeckt, wie sich im Gehirn falsche Erinnerungen bilden: Die plastische Vorstellung eines Objektes aktiviert die gleichen Hirnregionen wie das tatsächliche Betrachten des Gegenstandes. Auf diese Weise entsteht aus den vorgestellten und den echten Bildern die gleiche Art von Erinnerung.

Das beobachteten Kenneth Paller von der Northwestern University in Evanston und seine Kollegen mithilfe von Hirnscans. Ihre Untersuchungen schildern die Forscher in der Fachzeitschrift "Psychological Science" (Bd. 15, S. 655).

Die Psychologen und Neurowissenschaftler untersuchten die Erinnerungsbildung bei elf jungen Männern und Frauen. Auf einem Bildschirm präsentierten sie den Freiwilligen Bilder und eine Reihe von Wörtern, zu denen sie sich lediglich ein Bild vorstellen sollten. Für die Hälfte der Begriffe gab es wirklich ein passendes Bild. Während dieser Studienphase maßen sie die Hirnaktivität der Probanden mithilfe eines Magnetresonanztomografen.

20 Minuten später führten die Forscher mit den Versuchsteilnehmern einen Gedächtnistest durch. Dabei zeigten sie erneut Objekte und fragten ab, welche davon die Teilnehmer in der Studienphase zuvor auch als Foto gesehen hatten und welche nicht.

Von vielen der Bilder, die sich die Teilnehmer lediglich vorgestellt hatten, glaubten sie anschließend irrtümlich, sie tatsächlich gesehen zu haben. Anhand der während der Studienphase gemessenen Hirnmuster konnten die Forscher voraussagen, an welche Objekte sich die Probanden fälschlicherweise erinnern würden. Drei bestimmte Hirnregionen waren besonders bei den Wörtern aktiv, die später irrtümlich für tatsächlich gesehene Bilder gehalten wurden.

"Wir denken, dass sich Teile des Hirns, die genutzt werden, um sich an ein Bild zu erinnern und um sich ein Bild vorzustellen, überlappen", erklärt Paller. "Ein Ereignis, dass man sich plastisch vorgestellt hat, kann dadurch eine Erinnerungsspur im Gehirn hinterlassen, die der eines wirklich erlebten Ereignisses sehr ähnlich ist."

Diese Erkenntnis könnte beispielsweise wichtig für die Polizeiarbeit sein. Befragt etwa ein Polizist einen Zeugen, ob er den mutmaßlichen Täter gesehen hat, stellt dieser sich vermutlich den Tathergang mit dem Verdächtigen vor. Später aber - einen Tag oder einen Monat danach - muss er die harte Entscheidung treffen, was er tatsächlich gesehen und was er sich nur vorgestellt hat.

(afp)
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