Nach WHO-Anfrage China meldet keine ungewöhnlichen Erreger nach Atemwegsinfekten

Genf/Peking · Der Weltgesundheitsorganisation zufolge hat China im Zusammenhang mit einer Häufung von Atemwegsinfektionen bei Kindern keine ungewöhnlichen oder neuen Krankheitserreger entdeckt.

Kinder mit Masken in einem Pekinger Krankenhaus.

Kinder mit Masken in einem Pekinger Krankenhaus.

Foto: AFP/JADE GAO

Auf eine Anfrage hin habe China wie vorgeschrieben die entsprechenden Daten innerhalb von 24 Stunden bereitgestellt, teilte die WHO am Donnerstag mit. Demnach stehe der Anstieg im Zusammenhang mit der Aufhebung der Covid-Beschränkungen und dem Auftreten bekannter Erreger. Dazu gehörten Mycoplasma pneumoniae sowie Influenza-, RS- und Adenoviren. Eine Stellungnahme der chinesischen Gesundheitsbehörden lag nicht vor.

Medien hatten über eine Häufung nicht diagnostizierter Lungenentzündungen unter Kindern in der Region berichtet. Laut WHO ist bisher noch unklar, ob diese mit dem allgemeinen Anstieg von Atemwegserkrankungen - etwa von Corona und Influenza - in China zusammenhängt.

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Die Nationale Gesundheitskommission Chinas führt die Zunahme solcher Erkrankungen im Land auf die Verbreitung der Erreger nach Aufhebung der Corona-Maßnahmen zurück. Auch in anderen Ländern wie Deutschland hatte es danach besonders starke Wellen von Erkältungskrankheiten gegeben.

In Chinas sozialen Medien kursieren seit Tagen Berichte und Bilder von vollen Kinder-Krankenhäusern. Lehrer forderten Eltern auf, Kinder nicht mit Symptomen zur Schule zu schicken. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch berichtete, verzeichnet vor allem die Grippe in Peking einen „steilen Aufwärtstrend“.

Weit verbreitet seien zudem Atemwegserreger wie Rhinoviren und RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus). Auch Mykoplasmen-Infektionen seien in letzter Zeit vermehrt aufgetreten, hätten aber in der Hauptstadt ihren Höhepunkt bereits überschritten. Mykoplasmen sind Bakterien, die vor allem bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Lungenentzündungen verursachen können.

Die Nationale Gesundheitskommission habe alle betroffenen Regionen aufgefordert, die Diagnose- und Behandlungskapazitäten für Infektionen zu verbessern, berichtete Xinhua am Donnerstag. Außerdem wurden ältere Menschen und Schlüsselgruppen mit Vorerkrankungen aufgefordert, sich gut zu schützen und impfen zu lassen.

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China hatte während der Corona-Pandemie extrem strenge Restriktionen verhängt. Während der Rest der Welt längst versuchte, mit dem Virus zu leben, verfolgte China noch bis Anfang Dezember eine Null-Covid-Strategie mit Lockdowns, täglichen Massentests, strenger Kontrolle, Kontaktverfolgung und Zwangsquarantäne.

Weil sich das Virus dennoch immer schneller ausbreitete, die Wirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen wurde und es zu Protesten kam, hob Peking die Regeln schließlich abrupt auf. Seither gibt es wie in anderen Ländern auch deutliche Nachholeffekte, also heftige Infektionswellen - nicht nur bei Corona, sondern auch anderen Atemwegserkrankungen.

China hatte im Dezember vergangenen Jahres seine strengen Covid-Beschränkungen aufgehoben. Damit tritt die Volksrepublik nun in die erste volle Wintersaison seit der Pandemie ein. Viele andere Länder verzeichneten ähnliche Zunahmen von Atemwegserkrankungen, nachdem sie ihre Maßnahmen gelockert hatten. „Es handelt sich um einen relativ großen saisonalen Anstieg, der vielleicht zum Teil auf Zufall zurückzuführen ist“, sagte Ben Cowling, Epidemiologe an der Universität Hongkong, zu der Entwicklung in China. „Zum Teil aber auch darauf, dass es eine gewisse 'Immunitätsschuld' nach kleinere Winterausbrüchen in den vergangenen drei Jahre gibt.“

(felt/Reuters)
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