Was ist Cannabisöl? Infos zu Folgen und Wirkung

Medizin: Cannabisöl - wem es hilft, wie es wirkt und wie man es bekommt

Seit März ist Cannabis als Medizin in Deutschland erlaubt. Doch nicht alle Patienten bekommen es auf Rezept. Viele hoffen deshalb auf Cannabisöl, denn manche Varianten davon kann man frei kaufen. Aber was genau ist Cannabisöl, und wobei hilft es?

Zum Arzt gehen, nach einem Rezept für Cannabis fragen, fertig — seit die Substanz im März 2017 als Medizin legalisiert wurde, glauben viele Patienten, dass es so einfach wäre. Ist es aber nicht. Im Gegenteil. Viele Ärzte scheuen sich, Cannabis zu verschreiben. Das berichten viele Leser unserer Redaktion, und auch der Kölner Mediziner Franjo Grotenhermen kennt das Problem. "Viele Ärzte kennen sich noch nicht gut genug mit Cannabis aus und schrecken deshalb davor zurück, es zu verschreiben", sagt er.

Außerdem berichten viele Patienten davon, dass die Krankenkassen die Anträge oft ablehnen. Die AOK erhielt bis Anfang November 6600 Anträge auf Cannabis auf Rezept. Bewilligt wurden davon laut einer Sprecherin 64 Prozent. Ähnlich steht es bei der Techniker Krankenkasse, die zwischen März und November 2100 entsprechende Anträge erhalten und 65 Prozent davon bewilligt hat. "Unter den Anträgen, die bislang nicht bewilligt sind, gibt es auch einige, die einfach falsch gestellt wurden. Wenn ein Arzt zum Beispiel den bisherigen Therapieverlauf nicht beilegt, kann der Antrag nicht bearbeitet werden", erklärt eine Sprecherin der AOK.

Bis zu 600 Euro kostet eine Monatsration Cannabismedikamente oder -blüten, je nachdem, wie viel der Patient braucht, um seine Beschwerden zu lindern. Als Selbstzahler sind viele Patienten jedoch mit den Kosten überfordert. Ob nun also die Ärzte oder die Kassen ausschlaggebend für die Schwierigkeiten sind: Etwas weniger als die Hälfte der Patienten in Deutschland, die Cannabis auf Rezept beantragen, kriegen es nicht.

Kein Wunder also, dass sich immer mehr Patienten auf die Suche nach anderen Möglichkeiten begeben, das Mittel zu bekommen. Erste Anlaufstelle für die Recherche ist meist das Internet. Wer hier nach den Begriffen Cannabis und Medizin sucht, braucht nicht lange, bis er auf das Wörtchen "Cannabisöl" stößt. Geschichten von Patienten, die damit ihre Beschwerden lindern konnten, gibt es viele. Worum es sich bei dem Öl genau handelt, wissen jedoch die wenigsten, denn es gibt viele Varianten.

So gibt es etwa das Hanföl aus Hanfsamen. Das Speiseöl wird aus den Samen der Pflanze gepresst und etwa in Salaten verwendet. Es ist reich an gesunden Omega-3- und Omega-6- Fettsäuren und wird deshalb als Gesundheitsprodukt eingesetzt. High wird davon ganz sicher niemand. Doch auch der medizinische Nutzen ist höchstens präventiv, gegen akute Schmerzen oder Entzündungen kann dieses Öl nichts ausrichten.

Immer häufiger findet man im Netz auch den Namen CBD-Öl. Die Abkürzung CBD steht für den Wirkstoff Cannabidiol. Es ist einer von 80 Wirkstoffen, Cannabinoide genannt, die in der Hanfpflanze vorkommen. CBD berauscht nicht. Studien zeigen jedoch, dass es vielfach medizinisch wirkt. "CBD wirkt entzündungshemmend und hat dabei keine psychoaktiven Effekte", sagt Grotenhermen. "Allerdings ist es kein Analgetikum, es wirkt also nur geringfügig schmerzlindernd. Deswegen sagen viele Patienten, dass ihnen das CBD alleine nicht reicht."

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Die dritte Cannabisöl-Variante besteht aus einer Mischung von CBD und THC. Bei THC (Tetrahydrocannabinol) handelt es sich um jenen Wirkstoff, der Rauschzustände verursacht - also auch um die Substanz, die Cannabis unter das Betäubungsmittelgesetz fallen lässt. "Das ist allerdings nicht alles, was THC macht", sagt Grotenhermen. "Es wirkt auch schmerzlindernd, entzündungshemmend, es verbessert die Atmung, wirkt gegen Übelkeit sowie Erbrechen und es regt den Appetit an."

Diese Eigenschaften von THC machen es inzwischen zu einem wichtigen Hilfsmittel, etwa in der Bekämpfung von Nebenwirkungen von Strahlen- und Chemotherapien bei der Krebsbehandlung. Aber auch Multiple-Sklerose- und Tourette-Patienten erleben eine Erleichterung, weil THC Spastiken reduziert. Weil es die Bronchien erweitert, können Asthmatiker und Allergiker unter THC-Einfluss oftmals besser atmen.

"Hinzu kommt, dass beide Stoffe unterschiedlich auf die Psyche wirken. CBD eignet sich besonders gut für Menschen mit Angststörungen, Depressionen oder Psychosen. THC hilft aber auch gegen ADHS und wirkt Abhängigkeiten von anderen Substanzen wie Alkohol entgegen", sagt Grotenhermen. Man müsse also immer überlegen, welches Cannabinoid am besten wirkt. Rheumapatienten etwa helfe meist eine Kombination aus beiden Wirkstoffen, weil die Krankheit ein Entzündungsprozess sei, der mit starken Schmerzen einhergehe.

Unerwünschte Folgen sind auch möglich. Psychosen, Gedächtnisverlust und Persönlichkeitsveränderungen können Nebenwirkungen von Cannabiskonsum sein. Zu Beginn einer Behandlung treten manchmal auch Schwindelgefühle, Blutdruckabfall oder Mundtrockenheit auf, hinzu kommen die sogenannten psychotropen Wirkungen, wegen derer die meisten illegal Drogen konsumieren. "Man muss aber sehen, dass die meisten Patienten schwer krank sind", sagt Grotenhermen. "Und man sollte Cannabis mehr wie jedes andere Medikament einstufen: mit Vor- und Nachteilen. Ein normales starkes Schmerzmittel hat auch intensive unerwünschte Nebenwirkungen."

Cannabisöl wird in einem längeren Prozess gewonnen, in dem die Wirkstoffe aus der Blüte herausgewaschen werden. Das kann mit einem Lösungsmittel passieren oder auch mit schlichtem Olivenöl. Wie stark das Öl wirkt, hängt von der Potenz der Pflanze ab, die dafür genutzt wurde.

Im Internet wird das Produkt oft schon ab 30 Euro angeboten. "Man muss dann aber wissen, dass es sich dabei um CBD-Öl handelt, THC ist darin nicht enthalten", sagt Grotenhermen. Wer die Namen Cannabisöl, Haschöl oder Rick-Simpson-Öl im Netz liest, sollte dennoch aufpassen - und die Inhaltsstoffe kontrollieren. Denn trotz der vielen positiven medizinischen Effekte, die Cannabis zugeschrieben werden, THC-haltige Produkte, die ohne ärztliches Rezept erworben werden, sind in Deutschland immer noch illegal. Wer sie kauft, macht sich also strafbar, egal aus welchem Grund er das tut.

(ham)