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Nach langen Wochen grauer Kälte: Warum wir jetzt Sonne tanken sollten

Nach langen Wochen grauer Kälte : Warum wir jetzt Sonne tanken sollten

Nach dem extrem dunklen Winter freuen sich alle über die ersten Sonnenstrahlen. Die Menschen brauchen das Licht sogar, um gesund zu bleiben – und glücklich. Skeptisch sind nur Allergiker, denn die Zeit der Pollen wird bald kommen.

Nach dem extrem dunklen Winter freuen sich alle über die ersten Sonnenstrahlen. Die Menschen brauchen das Licht sogar, um gesund zu bleiben — und glücklich. Skeptisch sind nur Allergiker, denn die Zeit der Pollen wird bald kommen.

Depression ade! Seit Montag sehen die meisten Menschen die Welt wieder in einem anderen Licht: Die Sonne scheint, und die Menschen können wieder leichter lachen. Nur 88 Sonnenstunden gab es laut Meteorologen in den vergangenen drei Wintermonaten; im Durchschnitt sind es sonst 160 Stunden. Kein Wunder also, dass alle nach Licht lechzen.

Die Sonne hellt unsere Stimmung auf. Doch über den schönen psychologischen Effekt hinaus hat das medizinische Gründe. Die Sonne — oft genug als Hautkrebs-Verursacher verteufelt — ist nämlich in Maßen gesund. "Es gibt sogar Krankheiten, die auf Sonnenmangel zurückzuführen sind", sagt Dr. Susanne Frasch, Allgemeinmedizinerin aus Viersen. Rachitis bei Kindern und Osteomalazie bei Erwachsenen heißen die klassischen Vitamin-D-Mangelerkrankungen, zu deren Symptomen eine schmerzhafte Knochenerweichung gehört. Um ihnen vorzubeugen, braucht es Vitamin D. Der Bedarf kann nur zum Teil durch die Nahrung wie etwa Seefisch, Eier und Pilze gedeckt werden. Für die Herstellung des lebenswichtigen Nährstoffes ist das Sonnenlicht auf unserer Haut notwendig.

Gesundes Sonnenhormon

"Vitamin D wird in der Haut unter der Einwirkung von UV-Strahlen aus einer Cholesterin-Vorstufe gebildet", erklärt die Ärztin. Die positive Wirkung von Vitamin D, das auch das Sonnenhormon genannt wird, sollte man nicht unterschätzen: Es ist unerlässlich für den Knochenstoffwechsel, gut für das Immunsystem, die Organe und die Chronobiologie. Es soll eine Rolle in der Krebs-Prophylaxe spielen und das Risiko für Multiple Sklerose senken.

Die Frühjahrssonne macht aber noch mehr mit uns. Sie verändert über Schild- und Zirbeldrüse die Hormonproduktion. Der Lichtmangel des Winters führt dazu, dass der Körper mehr von dem Schlafhormon Melatonin herstellt. Diese Produktion wird über das Auge gesteuert. Bei hellem Sonnenlicht wird nun die Melatonin-Produktion gehemmt und die Herstellung des Glückshormons Serotonin angekurbelt, das dafür sorgt, dass wir uns wacher und fitter fühlen.

Es gibt allerdings Wissenschaftler, die behaupten, dass der zivilisierte Mensch mit Kunstlicht und Heizung ständig im Frühling lebe, so dass sich der natürliche, jahreszeitliche Effekt der Frühlingssonne höchstens noch bei den Eskimos beobachten lasse.

Die Tiere demonstrieren indes eindrucksvoll mit Balzritualen, Tänzen und Imponiergehabe, dass es den hormonellen Ausnahmezustand gibt. Auch die Pflanzenwelt reagiert prompt auf die Frühlingsboten. Die ersten Schneeglöckchen haben sich bereits ans Tageslicht gebohrt. Jetzt schießen andere Frühblüher aus der Erde.

"Frühjahrsbelebung"

Die Pflanzen orientieren sich dabei am Licht, an der Temperatur und der Feuchtigkeit. Mittels Pflanzenhormonen werden die Signale von außen in die Pflanze weitergeleitet. Selbst auf die Wirtschaft wirken die ersten Sonnenstrahlen beflügelnd. Wirtschaftswissenschaftler kennen den saisonalen Effekt der "Frühjahrsbelebung".

Ob nun wissenschaftlich erwiesen oder nur gefühlt: "Die Sonne macht gute Laune", sagt Allgemeinmedizinerin Frasch. "In den vergangenen Wochen kamen viele Patienten mit depressivem Verstimmungen zu mir", sagt die Ärztin. Gegen Depressionen setze man unter anderem Lichttherapie ein. Noch ein Hinweis darauf, dass bestimmte Lichtfrequenzen uns glücklich machen. Den normalen gesunden Lichthungrigen rät die Ärztin dagegen: "Alles, was die Natur hergibt: Gesunde Ernährung und eine halbe Stunde in der Mittagszeit raus an die frische Luft, Sonne tanken."

In der Praxis von Frasch werden bald andere Patienten sitzen: die Pollenallergiker. Für manch einen beginnt jetzt, da alles zu blühen beginnt, eine Leidenszeit mit Schnupfen und sogar Asthma. Wo Licht ist, ist eben immer auch Schatten.

Hier geht es zur Infostrecke: So machen Sie der Frühjahrsmüdigkeit Beine

(RP/anch/csi)