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Ärger gehört zum Geschäft: Warum Monsanto so umstritten ist

Ärger gehört zum Geschäft : Warum Monsanto so umstritten ist

Wohl kaum ein Unternehmen erhitzt die Gemüter dermaßen wie der US-Agrarkonzern Monsanto. Dessen gentechnisch verändertes Getreide ist für die einen die Lösung für den Hunger in der Welt, für die anderen der Weg in die Knechtschaft eines allmächtigen Multis.

Wohl selten hat ein einzelnes Unternehmen eine solche Protestwelle ausgelöst: Angeblich waren es zwei Millionen Menschen, die Ende Mai rund um den Globus gegen den US-Agrarkonzern Monsanto auf die Straße gegangen sind. Das zumindest sagen die Organisatoren des "Marsches gegen Monsanto". Sie fürchten, dass das gentechnisch veränderte Getreide des Konzerns die Gesundheit schwer schädigt. Von möglichem Krebs ist die Rede, von Unfruchtbarkeit und Missbildungen bei Neugeborenen. Monsanto selbst beteuert stets, die Produkte seien absolut sicher.

Ärger gehört für Monsanto zum Geschäft. Der führende Agrarmulti ist ein Lieblingsfeind aller Gentechnik-Gegner. Dem Konzern wird eine besonders intensive Lobbyarbeit in der Politik und bei den Aufsichtsbehörden unterstellt, um seine Interessen durchzusetzen. Greenpeace wirft dem Unternehmen schon seit Jahren vor, nur ein Ziel zu verfolgen: "Es will die globale Landwirtschaft vollständig unter seine Kontrolle bringen."

Monsantos Geschäftsmodell ist simpel: Das Unternehmen züchtet konventionell oder mit Hilfe der Gentechnik neue Pflanzensorten. Diese sind besonders ertragreich oder einfach zu ernten, vor allem aber sind sie unempfindlich gegen die Unkrautvernichter, die Monsanto praktischerweise gleich mit anbietet. Die Aussicht auf eine gute Ernte verleitet Bauern weltweit dazu, das Saatgut einzusetzen. Denn immer mehr Menschen auf dem Erdball brauchen auch immer mehr Nahrung. Für Monsanto ist das höchst einträglich: Alleine von März bis Mai verdiente der Konzern unterm Strich mehr als 900 Millionen Dollar oder umgerechnet rund 700 Millionen Euro.

Aber auch unter den Bauern gibt es Widerstand. Der dreht sich oft weniger um die Sorge vor Gesundheitsschäden, als vielmehr um die Abhängigkeit, in die sich die Landwirte begeben. Denn die Verträge haben es in sich: So darf ein Bauer die patentrechtlich geschützten Pflanzensorten nicht einfach nachzüchten und dann auf seinen Feldern aussähen. Er muss stets neues Saatgut von Monsanto kaufen. Ähnlich arbeiten auch andere Anbieter. Erst im Mai war der amerikanische Farmer Vernon Bowman vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten dem Konzern unterlegen. Er hatte Saatgut nachgezogen. Monsanto klagte und die Richter stellten sich auf die Seite des Konzerns. "Wenn Bowman eine Ausnahme bewilligt worden wäre, hätten Patente auf Saatgut nur noch wenig Wert", urteilte der Supreme Court. Ob überhaupt Patente auf Lebewesen erteilt werden sollten, darüber entschied das Gericht nicht.

Auch Monsanto muss sich immer wieder Klagen stellen. So wie kürzlich, als gentechnisch modifizierter Weizen auf einem Feld in Oregon gefunden wurde. Die Sorte war aber gar nicht zugelassen. Japan und Südkorea verhängten daraufhin ein teilweises Importverbot. Das wiederum drückte die Getreidepreise. Farmer Ernest Barnes aus Kansas zog anschließend vor Gericht und verlangte mindestens 100 000 Dollar Schadenersatz von Monsanto. Der Konzern mutmaßt, jemand könnte den fraglichen Weizen bewusst auf dem Feld ausgesät haben - Sabotage.

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Vor allem in Europa sieht sich Monsanto einem starken Widerstand von Gentechnik-Gegnern gegenüber. Deshalb hat der Konzern jüngst angekündigt, keine Zulassung für den Anbau neuer gentechnisch veränderter Pflanzen mehr beantragen zu wollen. "Wir sind über die Jahre in Europa nicht weitergekommen", sagte eine Firmensprecherin.
"Es ist kontraproduktiv, gegen Windmühlen zu kämpfen." Doch jenseits der Grenzen wird weiterhin fleißig Gen-Getreide angebaut, welches auch nach Europa gelangen könnte.

(dpa/ham)