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Gefährlicher Darmkeim Ehec: Warnung auch vor selbstgezogenen Sprossen

Gefährlicher Darmkeim Ehec : Warnung auch vor selbstgezogenen Sprossen

Berlin (RPO). Zur Vorsorge gegen den gefährlichen Darmkeim EHEC sollten Verbraucher auch auf selbstgezogene rohe Sprossen verzichten. Der Verdacht hat sich erhärtet, dass Saatgut für Sprossen und Keimlinge mit dem Bakterium belastet ist, wie das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) mitteilte.

Bei einer Familie aus Niedersachsen bestehe der Verdacht, dass selbstgezogene Sprossen Ursache für eine EHEC-Erkrankung sind. Allerdings habe der Erreger noch nicht in den Samen nachgewiesen werden können.

Die Untersuchungslaboratorien der Länder und das Nationale Referenzlabor am BfR untersuchen derzeit den Angaben zufolge eingegangene Saatgutproben. "Wenn bereits die Samen mit Keimen belastet sind, dann schützt auch die Einhaltung von Küchenhygieneregeln nicht vor einer EHEC-Erkrankung", sagte BfR-Präsident Andreas Hensel.

Genaue Lieferkette noch nicht geklärt

Die Zahl der EHEC-Infizierten in NRW ist am Wochenende nur noch leicht gestiegen. Seit dem 1. Mai seien den Laboren 367 EHEC-Fälle gemeldet worden, teilte das Gesundheitsministerium am Sonntag in Düsseldorf mit. Damit kamen seit Freitag acht neue Fälle hinzu. Unterdessen rätseln die Behörden weiter, wie die Packung Sprossen mit dem gefährlichen Darmkeim nach Königswinter gelangte.

Die genaue Lieferkette zwischen dem Herstellerbetrieb im niedersächsischen Bienenbüttel und den Verbrauchern sei noch nicht geklärt, sagte NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) in einem WDR-5-Interview.

Am Freitag war es Experten in NRW erstmals gelungen, den gefährlichen EHEC-Typ O104 auf Sprossen aus dem verdächtigen Betrieb im niedersächsischen Bienenbüttel nachzuweisen. Die Packung Sprossen fand sich in der Mülltonne einer dreiköpfigen Familie aus Königswinter bei Bonn.

Mutter und Tochter waren Mitte Mai an den EHEC-Bakterien erkrankt. Der Vater, der keine Sprossen gegessen hatte, blieb gesund. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigte inzwischen, dass der EHEC-Erreger an den Sprossen vom gleichen Typ ist wie der Darmkeim, der bei den erkrankten Menschen gefunden wurde.

Bundesweit 32 Patienten gestorben

"Wo diese Tüte gekauft worden ist, wie sie nach Königswinter gelangt ist, darüber wissen wir zurzeit nichts, weil die beiden, die wir fragen könnten, so schwer erkrankt sind, dass sie zurzeit nicht befragbar sind", sagte Remmel.

Auch sei nach wie vor unklar, wie der EHEC-Erreger auf die Sprossen kam. "Da tappen wir im Dunkeln", sagte der Minister. Es sei offen, ob er von Menschen übertragen worden sei oder aus dem tierischen Bereich stamme. Frühere Aussagen von Experten hatten darauf hingedeutet, dass der Darmkeim unter anderem durch Gülle, die auf Feldern verteilt wird, auf Lebensmittel gelangen könnte.

Nach Informationen des Gesundheitsministeriums erkrankten inzwischen 84 Menschen in NRW an der besonders gefährlichen Variante, dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), das zu akutem Nierenversagen führt. Das waren zwei Menschen mehr als noch am Freitag.

Das Ministerium betonte jedoch, dass viele der mit EHEC infizierten Menschen inzwischen wieder gesund seien. Zahlen würden derzeit in den Krankenhäusern abgefragt. Mit ersten Ergebnissen rechnet das Ministerium Mitte kommender Woche. Bundesweit sind an den Folgen einer EHEC-Infektion in den vergangenen Wochen mindestens 32 Menschen gestorben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der EHEC-Erreger in Nahaufnahme

(apd/das)