Zwei von drei Patienten sind betroffen: Viele Pflegebedürftige sind falsch ernährt

Zwei von drei Patienten sind betroffen : Viele Pflegebedürftige sind falsch ernährt

Pflegebedürftige haben nicht nur mit Krankheiten zu kämpfen, auch ihre Ernährungslage ist oft kritisch. Das geht aus einer neuen Regierungsstudie hervor.

Für den jüngsten Ernährungsbericht wurde erstmals die Situation der Pflegebedürftigen genauer beleuchtet — mit bedrückendem Befund: 13 Prozent der Pflegebedürftigen und damit mehr als doppelt so viele wie in der übrigen Bevölkerung, sind mangelernährt. Das Risiko einer Mangelernährung weisen weitere 57 Prozent auf, und nur knapp ein Drittel kann einen normalen Ernährungszustand vorweisen.

Vor allem die zu Hause Gepflegten weisen ein problematisches Ernährungsmuster auf. "Ich kann nur empfehlen, die Ergebnisse des Berichts mit der nötigen Aufmerksamkeit, aber ohne voreilige Schnellschüsse zu analysieren", sagte Unions-Gesundheitsexperte Jens Spahn. "Gerade für Pflegebedürftige ist eine gesunde Ernährung extrem wichtig", hob Grünen-Pflege-Expertin Elisabeth Scharfenberg hervor.

Spezialkost verbessern

Ihr Unions-Kollege Willi Zylajew will bei der Spezialkost ansetzen, die nach Auskunft von Pflegern in vielen Fällen die Situation deutlich verbessern könne. Allerdings würden die teils erheblichen Kosten nicht von den Kassen getragen. Zylajew hat die Beteiligten bereits an einen Tisch geholt und hofft, dass sich alle Seiten noch in diesem Frühjahr auf die Verschreibungsfähigkeit besonderer Nährstoffe einigen. "Damit bekämen auch die Pflegebedürftigen eine Perspektive", so Zylajew.

Die Ursachen für die problematische Ernährungssituation führt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung auf besondere Umstände zurück. Viele Pflegebedürftige verlören ihr Hunger- und Durstgefühl. Es träten auch vermehrt Kau- und Schluckbeschwerden auf. Appetitlosigkeit gehöre zu vielen Krankheitsbildern, mit denen es Pflegebedürftige zu tun bekämen, bestätigt auch Bernd Meurer, Präsident der privaten Anbieter sozialer Dienste. Da seien Laien oft überfordert.

"Essen auf Rädern"

Grünen-Politikerin Scharfenberg rät dazu, beim "Essen auf Rädern" anzusetzen, das von 160 000 Pflegebedürftigen genutzt werde. Die Anbieter sollten die Situation ihrer Kunden erheben und sich mit ambulanten Pflegediensten austauschen. Auch über eine Zertifizierung könne nachgedacht werden, um die Auswahl zu erleichtern.

(may-)
Mehr von RP ONLINE