Umfrage zur Gesundheit in NRW: 61% denken sie sind gesund - nur 9% sind es wirklich

Schlechtes Essen und zu viel Alkohol : So ungesund leben die Menschen in NRW

In Sachen Gesundheit ist NRW im bundesweiten Vergleich recht gut aufgestellt - nur in zwei Punkten lebt man hier besonders ungesund. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Krankenversicherung.

Auto statt Fahrrad, Fernsehen statt Spaziergang, Bürostuhl statt Werkbank: Die Deutschen sitzen bedenklich viel. Unter den Bundesbürgern gibt es immer mehr Bewegungsmuffel, wie aus einer Umfrage im Auftrag der DKV Deutsche Krankenversicherung hervorgeht. Nur noch 43 Prozent der Befragten erreichten das empfohlene Mindestmaß an körperlicher Aktivität. Der Wert sei in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken - 2010 lag er noch bei 60 Prozent. „Es ist ein trauriges Ergebnis“, sagte Studienleiter Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln.

2900 Deutsche wurden für den Bericht interviewt. Gefragt wurde auch nach der allgemeinen Gesundheit, Ernährung, Alkohol, Rauchen, Stress, Lärmempfindlichkeit, Einsamkeit und Regeneration.

Seit 2010 gab es fünf solcher Befragungen. Insgesamt zeigt sich, dass sich die Menschen in Deutschland zwar für gesund halten, es aber nicht sind. Vor allem Stress ist für viele ein großes Problem. Dabei unterscheiden sich die Ergebnisse nach Bundesländern teils deutlich. Ein Überblick:

Ungesunde Lebensweise

Mehr als die Hälfte der Befragten (61 Prozent) stuft ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein. Das steht in einem krassen Missverhältnis zur Zahl der Menschen, die nach Einschätzung der Experten tatsächlich von sich behaupten können, rundum gesund zu leben. Das seien nämlich nur neun Prozent - sie haben genügend Bewegung, rauchen nicht, ernähren sich passend, trinken wenig Alkohol und haben einen gesunden Umgang mit Stress. Der Wert sei ein neuer Tiefpunkt, sagen die Studienmacher. 2010 erreichten immerhin noch 14 Prozent die Zielwerte. In Hamburg und Sachsen leben im Verhältnis die meisten Menschen ein gesundes Leben. 12 Prozent der Befragten erreichten hier alle Empfehlungen von körperlicher Aktivität bis hin zu Rauchen und Stress. In Nordrhein-Westfalen sind es 9,6 Prozent der Menschen. Damit liegt das Bundesland im Mittelfeld nach Thüringen und Rheinland-Pfalz (9,9 Prozent). Berlin (9,1) und Baden-Württemberg (8,8) folgen. Das Schlusslicht bildet Hessen. Hier leben nur 6,8 Prozent wirklich gesund.

Ernährung

Gerade einmal 44 Prozent der Nordrhein-Westfalen legen Wert auf vitaminreiche, ausgewogene und gesunde Kost. Damit bildet das Bundesland deutschlandweit das Schlusslicht. Hingegen geben insbesondere die Sachsen an, auf ausgewogene und gesunde Lebensmittel zu achten (59 Prozent). Auch noch mehr als die Hälfte der Menschen in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hamburg (54 Prozent) sowie Hessen (53 Prozent) ernähren sich gesund. Immerhin etwa jeder Zweite in RheinlandPfalz/Saarland, Mecklenburg-Vorpommern (je 51 Prozent) sowie in Niedersachsen/ Bremen und Brandenburg (je 50 Prozent) achtet beim Essen auf gesunde Ernährung.

Körperliche Aktivität

Im unteren Mittelfeld liegt NRW in Sachen körperliche Aktivität. 44 Prozent betätigen sich entsprechend der Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Erwachsene sollten demnach pro Woche mindestens 150 Minuten moderater Aktivität, zum Beispiel zügiges Gehen, oder 75 Minuten intensiver Aktivität nachgehen, etwa Joggen. NRW liegt hinter Bayern und Schleswig-Holstein (je 47 Prozent).

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Am meisten Bewegung haben die Menschen in Sachsen-Anhalt (52,7 Prozent). Am schlechtesten schneiden die Menschen in Hessen in dieser Kategorie ab. Gerade mal 37,2 Prozent betätigen sich hier genug.

Bundesweit schaffen mit 43 Prozent weniger als die Hälfte die Empfehlungen der WHO. Jeder Zehnte gab in der Befragung an, überhaupt keiner körperlichen Aktivität nachzugehen, die länger als zehn Minuten am Stück andauert. Hauptgrund: Die Deutschen sind Vielsitzer. Fast acht Stunden wird hierzulande im Durchschnitt an Werktagen gesessen - bei der Arbeit, aber auch am Fernseher, am Computer oder im Auto. Männer sitzen dabei länger als Frauen, Alte insgesamt weniger als Jüngere. Beim Fernsehen ist der Trend allerdings umgekehrt: Je älter die Befragten, desto länger hocken sie vor der Glotze.

Sitzen

NRW gehört zu den Bundesländern mit den wenigsten Sitzminuten. Während man in Berlin werktags im Durchschnitt ganze 518 Minuten sitzt - und damit deutschlandweit am längsten - sitzt man in Sachsen-Anhalt mit 426 Minuten am kürzesten. NRW liegt mit durchschnittlich 462 Sitzminuten auf einem guten fünften Platz. Davor liegt unter anderem Thüringen mit 460 Minuten. Danach reihen sich Bayern mit 472 Minuten und Hamburg mit 488 Sitzminuten ein.

Stress

Laut Studie fühlen sich die Befragten am Anfang der Woche regenerierter als am Ende der Arbeitswoche. In Jobs mit höherem Gehalt fällt die Kurve steiler nach unten, das heißt: Menschen, die mehr verdienen (ab 2500 Euro Haushaltsnettoeinkommen), fühlen sich am Ende der Woche tendenziell weniger regeneriert als Menschen mit einem geringerem Einkommen. Auffällig ist die Zahl der Deutschen, die es so gut wie nie schaffen, frisch in den Tag zu starten - immerhin elf Prozent. Am besten mit Stress umgehen können die Menschen in Baden-Württemberg (62 Prozent). Knapp dahinter folgt zunächst Bayern mit 61 Prozent, dann kommen Rheinland-Pfalz/Saarland und Sachsen mit je 60 Prozent. NRW liegt mit 55,5 Prozent im Mittelfeld. Hessen (50,3 Prozent) und Sachsen-Anhalt (49,5 Prozent) bilden die Schlusslichter.

Alkohol und Rauchen

Die erfreuliche Botschaft aus Sicht der Gesundheitsexperten: In Deutschland gibt es immer mehr Nichtraucher. Nur noch 21 Prozent greifen demnach zur Zigarette. Und immerhin 82 Prozent trinken laut Umfrage gar nicht oder nur gelegentlich Alkohol. Auffällig dabei aber: Je mehr die Befragten verdienen, desto häufiger heben sie das Glas. Besonders trinkfreudig ist man in NRW. Hier greifen 85,5 Prozent der Menschen regelmäßig, wenn auch in Maßen, zu Alkohol. Damit liegt das Bundesland auf Platz zwei. Nur in Rheinland-Pfalz/Saarland trinken noch mehr Menschen regelmäßig (86,5 Prozent). Auf Platz drei liegt Thüringen mit 85 Prozent. Am wenigsten Menschen trinken in Hessen (75,9 Prozent), davor liegt mit 77,5 Prozent Bayern.

Mit Material der dpa.

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