40 Millionen Fehltage wegen Rückenbeschwerden Gesundheitsreport: Die Deutschen haben es im Kreuz

Berlin · Fast jeder zehnte Krankheitstag geht in Deutschland darauf zurück: Rückenbeschwerden. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervor, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Insgesamt verursachen diese Probleme hierzulande 40 Millionen Fehltage.

Die zehn größten Rücken-Irrtümer
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Foto: dpa/Arno Burgi

"Vielen sitzt der Stress buchstäblich im Nacken, sodass es zu Verspannungen und Rückenschmerzen kommt", sagte TK-Chef Jens Baas bei der Vorstellung des Gesundheitsreports in Berlin. Denn Rückenbeschwerden hätten in den allermeisten Fällen nicht nur eine Ursache, sondern es kämen gleich mehrere Faktoren zusammen, wie es in dem Report heißt. Dazu gehören etwa auch Bewegungsmangel, einseitige Belastung und Stress. Eine Forsa-Umfrage der Krankenkasse habe gesagt, dass drei von vier Beschäftigten mit einem großen Stresslevel auch Rückenbeschwerden haben.

Dennoch stellt der aktuelle Gesundheitsreport vor allem Krankschreibungen wegen Rückenproblemen in jenen Berufsgruppen fest, die schwer körperlich arbeiten. Dazu gehören Berufe in der Ver- und Entsorgung (5,1 Fehltage pro Kopf wegen Rückenbeschwerden), im Tiefbau (4,7 Fehltage) und in der Altenpflege (4,1 Fehltage). Aber auch die Gruppe der Berufskraftfahrer, die viel sitzen, liegt mit 4,3 Fehltagen über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Diese gehörten auch zu der Berufsgruppe mit den höchsten Fehlzeiten.

Durchschnittliche Krankschreibung dauert 17,5 Tage

Insgesamt, so heißt es in dem Report, sei durchschnittlich jeder bei der Techniker Krankenkasse Versicherte im vergangenen Jahr 1,4 Tage wegen Rückenbeschwerden arbeitsunfähig gewesen. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung ergibt dies rund 40 Millionen Fehltage in der Bundesrepublik. Die hohen Fehlzeiten resultierten zum einen aus der großen Zahl der Betroffenen, zum anderen daraus, dass diese auch lange krank geschrieben sind, So dauert eine Krankschreibung wegen dieser Probleme laut TK-Chef Baas durchschnittlich 17,5 Tage. Das seien fünf Tage mehr als im Durchschnitt aller Erkrankungen.

Die Krankenkasse, die durch Klinikaufenthalte wegen Rückenbeschwerden Kosten von 160 Millionen Euro hatte, appelliert daher an die Arbeitgeber, mehr für Prävention zu tun — insbesondere mit Hinblick darauf, dass in den Betrieben immer mehr ältere Arbeitnehmer tätig sind und in Zukunft noch mehr tätig sein werden.

"Es geht darum, Arbeit gesünder zugestalten, aber auch um einen insgesamt gesünderen Lebensstil, der auch nach Feierabend gelebt wird", sagte Baas. Hintergrund ist, dass Rückenbeschwerden im Laufe des Alters zunehmen. So stiegen die Fehlzeiten bei Männern zwischen 15 und 64 Jahren um den Faktor zehn, bei Frauen um den Faktor 8,6.

Die wenigsten Probleme haben die Starnberger

Die Krankenkasse hat sich die Krankschreibungen in Bezug auf die Rückenbeschwerden nicht nur bundesweit angeschaut, sondern auch, wo es denn die Menschen mit den meisten und den wenigsten Problemen diesbezüglich gibt. Besonders mit dem Kreuz haben es demnach TK-Versicherte im Kreis Wittmund in Ostfriesland, im Landkreis Mansfeld Südharz, in Bremen, im thüringischen Nordhausen (je 2,9 Fehltage) sowie in Herne (2,4 Fehltage). Die wenigsten Beschwerden diesbezüglich hatten demnach die Versicherten in Starnberg (0,5 Fehltage), im Landkreis München (07, Fehltage) sowie in Aschaffenburg und Dresden (je 0,8 Fehltage).

Die Krankenkasse kritisiert zudem, dass es zu viele Rücken-Operationen gebe und wirbt für ihr Projekt "Zweitmeinung Rücken", das Versicherte vor einer solchen OP berät. Das Ergebnis: "In 80 Prozent der Fälle wurde den Patienten von der OP als Behandlungsmethode abgeraten, sodass in vielen Fällen langwierige Klinikaufenthalte vermieden werden konnten", wie Klaus Rupp, Leiter des Versorgungsmanagements bei der TK sagte.

(das)
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