Gehrin wird verändert Stress in der Kindheit wirkt sich auf erwachsenes Gehirn aus

London (rpo). Stress ist schädlich. Und wer bereits in der Kindheit viel Stress ausgesetzt war, hat noch im Erwachsenenalter mit den Folgen zu kämpfen. Grund: Stress verändert dauerhaft das Gehirn. Das belegen neue Studien amerikanischer Forscher.

Eiin Versuch an Ratten hat gezeigt: Noch im Erwachsenenalter reagieren die Nervenzellen im Hippocampus übersensibel auf Stresshormone. In der Folge steht die für Lernen und Angstregulation zuständige Hirnregion bereits unter Dauerstress, wenn andere Ratten noch gar keine Stressreaktion zeigen.

Das berichtet ein amerikanisches Forscherteam um Elizabeth Gould von der Princeton-Universität in der Fachzeitschrift "Nature Neuroscience" (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nn1290).

Bereits aus früheren Studien ist bekannt, dass sich das Verhalten von Ratten stark verändert, wenn sie kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt werden. Diese Verhaltensänderungen, darunter verstärkte Ängstlichkeit und eine verminderte Lernfähigkeit, bleiben bis ins Erwachsenenalter bestehen. Bislang war jedoch nicht bekannt, welche Veränderungen im Gehirn der Tiere dieses Verhalten verursachen. Es wurde jedoch vermutet, der Hippocampus könne eine Schlüsselrolle dabei spielen.

Um diese Frage zu klären, untersuchten Elizabeth Gould und ihre Kollegen diese Gehirnregion bei erwachsenen Ratten, die während ihrer ersten beiden Lebenswochen täglich längere Zeit von ihren Müttern getrennt worden waren. Tatsächlich zeigten sich deutliche Veränderungen: Im Hippocampus der gestressten Ratten bildeten sich deutlich weniger neue Nervenzellen als in dem normal aufgezogener Artgenossen.

Diese verminderte Nerven-Neubildung ist eine typische Stressreaktion, fanden die Forscher bei weiteren Versuchen heraus. Sie setzt normalerweise jedoch nur dann ein, wenn eine gefährliche Situation akuten Stress und damit einen starken Anstieg der Stresshormone im Blut auslöst. Bei den als Kind gestressten Ratten dagegen reichte schon die ständig vorhandene geringe Menge an Stresshormonen aus, diese Reaktion auszulösen. Offenbar reagierten die Nervenzellen übersensibel auf die Stresshormone: Wurde die Hormonmenge nämlich künstlich verringert, stoppte die Stressreaktion und es bildeten sich genauso viele neue Nervenzellen wie bei den Vergleichsratten.

Diese verringerte Menge neuer Nerven erkläre auch die beobachteten Verhaltensänderungen, schreiben die Forscher. Sie vermuten, dass auch beim Menschen Stress in der Kindheit ähnliche Auswirkungen haben könnte. So zeigten beispielsweise Frauen, die als Kind missbraucht wurden, häufig einen verkleinerten Hippocampus. Dies könne durchaus auf eine Verminderung der Nervenzellbildung zurückzuführen sein.