Studie: Sport könnte Medikamente bald überflüssig machen

Studie : Sport könnte Medikamente bald überflüssig machen

Sportliche Betätigung kann einer weltweiten Studie zufolge bei vier der gängigsten Krankheiten ebenso gut schützen, wie Medikamente. Bewegungstherapien seien laut Wissenschaftlern bei Weitem nicht genug erforscht.

Jeden Tag mindestens eine Pille schlucken oder vorsorglich Sport treiben? Die Frage scheint altbekannt, doch tatsächlich hat sie durch eine aktuelle Studie der London School of Economics und der Harvard Medical School eine völlig neue Brisanz bekommen. Wissenschaftler testeten darin, inwiefern Bewegung bei Herzproblemen und Diabetes die gleichen oder gar bessere Ergebnisse erzielen kann, wie gängige Medikamente.

Für die Studie wurden mehr als 330.000 Personen mit den Diagnosen Schlaganfall, Herzkrankheiten oder Vorstufen zu Diabetes untersucht. Die Antwort wirkt erstaunlich: Sport kann tatsächlich die bessere Maßnahme gegen Erkrankungen sein, als Medikamente - insbesondere als gängige Blutdrucksenker.

Auf die Ergebnisse kam die Forschergruppe durch einen Vergleich verschiedener Studien. Dabei ging es zum einen auf die Auswirkung von Sport auf die Sterblichkeit von Patienten mit den oben genannten Erkrankungen. Die Ergebnisse wurden dann mit einer Analyse der Wirksamkeit von Medikamenten bei einer Vorform von Diabetes, Herzkrankheiten und Schlaganfall verglichen. Wie sich zeigte, ist dabei der Schutz, den Medikamente vor einem Todesfall durch die genannten Krankheiten bietet, nicht besser, als der von Sport. Die einzige Ausnahme stellt hier Diabetes.

Die Studie wies allerdings auch große Lücken auf. Die Wirkung von Bewegung auf den Krankheitsverlauf ist in den meisten Fällen kaum untersucht. Bei Schlaganfall-Patienten etwa wurde die Wirkung von Bewegung nur an 227 Menschen untersucht. Im Gegensatz dazu gibt es fast immer ausreichend Daten über die Wirkung von Medikamenten.

Die Empfehlung der Experten auf Basis der Studie lautet eine Art "Bewegungs-Pille" zu verschreiben, also gezielten Sport passend zur Erkrankung anstatt, oder zumindest parallel, zu einer medikamentösen Behandlung. Vorteil davon sei es, laut Studie, dass es kaum Nebenwirkungen gebe, aber viele positive Effekte verzeichnet sind. Allerdings, so die Wissenschaftler weiter, müsse vermehrt geforscht werden, welche Form von Bewegung für welche Krankheitsvorsorge am besten geeignet ist, um den Ärzten eine möglichst optimale Versorgung der Patienten durch ein Bewegungsprogramm zu ermöglichen.

(ham)
Mehr von RP ONLINE