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Studie zeigt Impfmüdigkeit: Sechsmal mehr Masern-Fälle in NRW

Studie zeigt Impfmüdigkeit : Sechsmal mehr Masern-Fälle in NRW

2013 erkrankten 128 Bürger an Masern. Besonders traf es Jugendliche und junge Erwachsene. Eine Studie zeigt: Die Impfmüdigkeit ist ausgerechnet bei Familien mit hoher Bildung besonders ausgeprägt.

Die Zahl der Masern-Erkrankungen ist 2013 sprunghaft gestiegen: Bundesweit erkrankten 1770 Menschen, im Vorjahr waren es 165 gewesen. In NRW lag die Zahl der Masern-Fälle sechsmal höher als 2012. Sie stieg von 18 auf 128 Fälle. Dies teilte der Landesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) am Dienstag unter Verweis auf Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) mit. Besonders betroffen waren Jugendliche und junge Erwachsene.

Und die Tendenz ist weiter steigend: In den ersten Wochen des Jahres 2014 seien bundesweit bereits mehr Menschen an Masern erkrankt als im Vorjahreszeitraum, so der Kassen-Verband. Er warnte: "Masern werden häufig als banale Kinderkrankheit eingeschätzt, dabei gelten sie als eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten."

Jede 1000. Erkrankung führt zum Tod

Laut RKI kommt es bei rund fünf Prozent der Fälle zu Komplikationen wie Lungen- oder Gehirnentzündung. Manchmal mit tödlichem Ausgang: Jede 1000. Masern-Erkrankung führt im Schnitt zum Tod. So sorgte 2013 der Fall eines 14-jährigen Jungen aus NRW für Aufsehen, der infolge einer Jahre zurückliegenden Masern-Infektion an einer Gehirnentzündung starb.

Dabei gibt es eine wirksame Impfung. Die Ständige Impfkommission empfiehlt, Kinder im Alter zwischen elf und 14 Monaten und ein zweites Mal zwischen 15 und 23 Monaten impfen zu lassen. "Die Impfraten steigen zwar, aber langsamer, als sie sollten", sagte Sprecherin Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut. Bundesweit seien 92 Prozent der Bevölkerung zweifach gegen Masern geimpft. Um die Krankheit ganz auszurotten, müssten mindestens 95 Prozent immun sein. Eine immune Umgebung ist vor allem für Säuglinge wichtig, da man gegen Masern in den ersten Lebensmonaten noch nicht impfen kann.

Das Problem: Manche Erwachsene sind als Kind nur einmal geimpft worden und müssten, um wirklich geschützt zu sein, die zweite Impfung nachholen. Die Kassen übernehmen hierfür die Kosten. Zudem gibt es nachlässige Eltern und solche, die eine Impfung ablehnen, weil sie glauben, dass sie Krankheiten auslöst.

NRW-Ministerin lehnt Impfpflicht ab

Besonders groß ist die Impfmüdigkeit in Familien "mit hohem sozioökonomischen Status", wie der vom Zentralinstitut für kassenärztliche Versorgung erstellte Versorgungsatlas zeigt. "Die Impf-Wahrscheinlichkeit sinkt bundesweit mit steigender Quote hochqualifizierter Mütter", sagte Studien-Autorin Sandra Mangiapane. "Auch der Einfluss regional unterschiedlich stark vertretener impfkritischer Ärzte, Heilpraktiker und Homöopathen wirkt sich vermutlich aus."

Der damalige Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hatte einst eine Debatte über die Impfpflicht angeregt. Eine Pflicht lehnt NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) ab. "Um die Durchimpfungsrate noch weiter zu erhöhen, setzt die Landesregierung weiter auf Freiwilligkeit und auf umfassende Aufklärung", ließ sie erklären. Zudem liege in NRW der Durchimpfungsgrad mit 94,1 Prozent bei der zweiten Masernimpfung (erhoben zum Einschulungsalter) über dem Bundesdurchschnitt.

(anh)