Chronische Bronchitis auf dem Vormarsch: Raucherhusten ist mit häufigste Todesursache

Chronische Bronchitis auf dem Vormarsch: Raucherhusten ist mit häufigste Todesursache

Mönchengladbach (RP). Die chronisch obstruktive Bronchitis, kurz COPD, gehört zu den weltweit häufigsten Todesursachen - und ist auf dem Vormarsch. Rechtzeitig erkannt, lässt sie sich aber in den Griff kriegen. Hauptursache ist das Rauchen.

Es beginnt mit einem leichtem Husten und etwas Auswurf. Nichts Ernstes, aber hartnäckig und enervierend - gefolgt von einem schlechten Gewissen, wenn die Hand wieder zur Zigarettenpackung greift. Doch der Raucherhusten "ist das erste Anzeichen einer beginnenden chronisch obstruktiven Bronchitis, einer chronischen Verengung der Atemwege", sagt der Spezialist für Lungenerkrankungen Andreas Meyer, Chefarzt der Pneumologie am Mönchengladbacher St. Kamillus Krankenhaus der Kliniken Maria Hilf.

In der Fachsprache trägt die Krankheit nach ihrem englischen Namen (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) den Titel COPD. Unter diesem einprägsamen Kürzel hält sie zurzeit Platz sechs unter den weltweit häufigsten Todesursachen in der Statistik der Weltgesundheitsorgansation. Bis 2020 wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach "auf Platz drei vorrücken", so Meyer weiter. Die Ursache sei in 80 Prozent der Fälle das Rauchen, sagt der Chefarzt. Mit weitem Abstand folgt ein Arbeitsplatz, der einer hohen Staubbelastung ausgesetzt ist. Luftverschmutzung dagegen, beispielsweise durch Rußpartikel, ist nur in fünf Prozent der Fälle ausschlaggebend.

Meistens zeigen sich die ersten Symptome bei über 35-Jährigen, die viele Jahre lang geraucht haben oder anderen Schadstoffen ausgesetzt waren. Unter der Dauerbelastung haben sich die angegriffenen Bronchien entzündet und reagieren darauf mit vermehrter Schleimproduktion. Gleichzeitig verliert das Gewebe an Elastizität. Die für den Gasaustausch verantwortlichen feinen Bronchien blähen sich langsam auf. So sehr, dass die Lungenflügel schließlich Ballons gleichen. Ihre Arbeit können sie dann längst nicht mehr hundertprozentig leisten. Der Körper nimmt weniger Sauerstoff auf - den die Muskeln jedoch brauchen, um ihre Energieträger zu verbrennen. Der Patient "atmet zwar, aber kriegt keine Luft mehr", erklärt Meyer. Bis dahin aber ist es ein weiter Leidensweg.

Muskelabbau, Gewichtsverlust und Depressionen

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Denn die COPD schlägt nicht plötzlich mit voller Wucht zu. Sie schreitet in kleinen Schritten voran. "Zunächst fallen leichte körperliche Belastungen wie Treppensteigen und längere Spaziergänge schwer", so der Lungenfacharzt. Das wird noch auf die leichte Schulter genommen und "lässt sich zudem leicht kompensieren". Besonders in einer hochtechnisierten Welt mit Aufzügen und Autos. Doch mit der Zeit wird der Betroffene immer kurzatmiger. Aufgrund der mangelnden Bewegung bauen die Muskeln ab, gleichzeitig verliert der Patient an Gewicht. Irgendwann wird die Sauerstoffflasche zum ständigen Begleiter, weil die kaputten Lungen immer weniger Sauerstoff aufnehmen. Ein Verlust an Lebensqualität, der oft von schweren Depressionen begleitet wird. Am Ende ist der Körper so schwach, dass Patienten einen Rollstuhl brauchen. Und "selbst den muss jemand anders schieben, weil sie zu schwach sind", so Meyer.

Doch nicht jeder chronische Husten muss gleich COPD bedeuten. Auf die Spur kommt man der Krankheit über einen "Lungenfunktionstest". Dazu wird die Luftmenge in der ersten Sekunden nach dem Ausatmen gemessen sowie das Gesamtvolumen der ausgeatmeten Luft. Mit diesen Werten lässt sich die COPD und ihr Fortschreiten relativ leicht diagnostizieren. Einmal erkannt, erfolgt die Behandlung "auf mehreren Ebenen". Am Anfang steht bei Rauchern der kalte Entzug. Und weil Betroffene sich mit der COPD arrangieren und immer weniger bewegen, müssen das Herz-Kreislauf-System und die Muskeln mit einem Fitnesstraining wieder aufgebaut werden. Unterstützt wird die Behandlung durch Medikamente, die ähnlich wie bei Asthma die Atemwege öffnen.

"Aber kein Heilmittel wirkt so gut wie das Nein zu Zigaretten", betont Meyer. Zwar lasse sich die Krankheit sehr gut in den Griff bekommen, doch "heilen lässt sie sich nicht".

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