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AOK, TK und Barmer starten Internetbefragung: Patienten können Zahnärzte online bewerten

AOK, TK und Barmer starten Internetbefragung : Patienten können Zahnärzte online bewerten

Das Internet spielt bei der Bewertung von Dienstleistungen eine immer größere Rolle. Da gibt es Reiseportale, Restaurants werden kritisiert und auch die Hausärzte hat die neue Entwicklung schon längst erfasst. Ab diesem Freitag können 37 Millionen Versicherte nun auch ihre Zahnärzte bewerten.

Die Krankenkassen AOK, Techniker Krankenkasse und die Barmer GEK haben bereits im Mai vergangenen Jahres ihr großes Bewertungsportal für Hausärzte gestartet. Nun folgt der zweite Schritt: die Zahnärzte. Die Patienten können die 55.000 niedergelassenen Zahnärzte in Deutschland in einem Fragebogen beurteilen. Die Ergebnisse sollen dann in die Online-Arztsuche einfließen.

Wie die Kassen mitteilten, umfasst der Fragebogen rund 40 Fragen. Geht der Zahnarzt auf die Ängste und Schmerzen des Patienten ein? Informiert er verlässlich über die anstehenden Kosten? All das sind Dinge, die der "Neue" in einer Praxis kaum abschätzen kann. Die Kassen wollen helfen, die Suche nach dem richtigen Arzt zu verbessern. Zu den Allgemeinärzten sind bislang immerhin 150.000 Beurteilungen eingegangen.

Ähnliches Portal: der "Arztlotse"

Mit ihrem Portal stehen die drei Kassen nicht allein da. Erst im August vergangenen Jahres wurde der "Arztlotse" gestartet, initiiert von den Ersatzkassen. Wie Ersatzkassen-Verbandschef Thomas Ballast damals anmerkte, werde damit dem zunehmenden Bedürfnis der Patienten nach Rat und Unterstützung Rechnung getragen.

Das Anliegen ist also das Gleiche, die Machart völlig unterschiedlich. Bei "Arztlose" können die Internetnutzer auf 240.000 Adress- und Strukturdaten von Praxen zugreifen, welche die Stiftung Gesundheit seit 1997 zusammengetragen hat. Der Patient kann die Ärzte hier nach Schulnoten bewerten und einen Kommentar abgeben.

Das ist bei dem Portal von AOK, TK (die Kasse beteiligt sich erst seit diesem Freitag an dem Projekt) und Barmer GEK anders. Es wurde gemeinsam mit der "Weißen Liste", einem Projekt der Bertelsmann Stiftung und den großen Patienten- und Verbraucherorganisationen entwickelt und wurde nach Angaben der Kassen gemeinsam mit Patienten wissenschaftlich entwickelt. Es soll speziell auf verbrauchernahe Fragen zugeschnitten sein. Einerseits ist die Befragung zwar anonym, andererseits soll sie aber auch vor Manipulationen geschützt sein.

Und noch etwas wollen die drei Kassen, nämlich eine faire Beurteilung der Ärzte. Daher verzichtet das Portal im Gegensatz zu "Arztlotse" bewusst darauf, dass freie Bemerkungen abgegeben werden können. So sollen Diffamierungen und unsachliche Kommentare ausgeschlossen werden.

Kommentare oder nicht

Der "Arztlotse" hatte bewusst nicht darauf verzichtet, weil die Kommentare anderer Patienten entscheidende Hinweise für den jeweils Betroffenen liefern könnten. Um gegen Schmähkritik vorzugehen, sollte hier jeder Kommentar vor einer Veröffentlichung geprüft werden.

Ein Nachteil allerdings: Bei "Arztlotse" kann sich jeder beteiligen, sodass nie ganz klar ist, ob die Bewertung nun vielleicht von dem Arzt selbst stammt oder nicht. Ganz ausgeschlossen ist das beim Portal der drei Kassen auch nicht, allerdings kann man sich an der Befragung nur beteiligen, wenn man seine Patientendaten eingibt.

Skepsis jedenfalls gibt es bei beiden Portalen. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung wies in einer Pressemitteilung drauf hin, dass es auch für Arztbewertungsportale klare Qualitätsstandards gebe. Daher wolle die Vereinigung die Befragung auch kritisch begleiten. Und der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Dietmar Oesterreich, teilte mit: "Mit wenigen Ausnahmen sind Bewertungsportale kaum in der Lage, Patienten Hilfestellung bei der Suche nach einer guten Praxis oder Klinik zu geben.

Es ist aber kaum anzunehmen, dass ein Patient sich allein auf die Online-Portale verlässt. Persönliche Erfahrungen Bekannter oder der Familie spielen oft eine viel größere Rolle. Doch nicht von der Hand zu weisen ist, dass die Bewertung von Dienstleistungen im Internet eine immer größere Rolle spielt. Für den Verbraucher bzw. Patienten kann das nur von Nutzen sein, um die Qualität zu verbessern.

Hier geht es zur Infostrecke: Das sind die wichtigsten Vorsorgechecks

(das)