Nierenkolik: Was ist das?

Von heftigen Schmerzen begleitet: Was ist eine Nierenkolik?

Steine im Körper mit sich herumzutragen – eine absonderliche Vorstellung. Und doch ist sie Wirklichkeit, denn rund 1,2 Millionen Menschen haben Nierensteine. Diese machen sich mit starken Koliken und Schmerzen bis in die Penisspitze bemerkbar.

Steine im Körper mit sich herumzutragen — eine absonderliche Vorstellung. Und doch ist sie Wirklichkeit, denn rund 1,2 Millionen Menschen haben Nierensteine. Diese machen sich mit starken Koliken und Schmerzen bis in die Penisspitze bemerkbar.

Schmerzen, die von der Flanke ausgehen und von dort in den Bauch, die Hoden, Penisspitze oder Schamlippen, bis hinein in den Oberschenkel strahlen sind Zeichen für das, was die meisten Nierensteine nennen. Korrekter ist allerdings die Bezeichnung "Harnsteine". Denn zu Hause sein können die unangenehmen Mitbewohner im kompletten Harnbereich, also in der Niere, der Blase oder Harnröhre. Dort bilden sie sich vor allem bei Wenigtrinkern aus Ablagerungen bestimmter Salze wie Kalziumsalzen, Magnesium-Ammonium-Phosphat oder Zystin im Urin.

Wer unter Koliken leidet, der sollte nicht lange warten. Sie sind nicht nur extrem schmerzhaft, sondern können sogar lebensgefährlich werden. Denn in den Harnwegen befindliche Steine können Entzündungsvorgänge auslösen, die in einer Blutvergiftung münden. Fieber und Schüttelfrost sind mögliche Vorboten dafür. Je nach Größe kann der Stein den Harnleiter so weit dehnen, dass es zu einer winzigen, aber folgenreichen Verletzung kommt. Zeichen einer solchen Verletzung sind Blut im Urin und starke Schmerzen. Bei rund einem Drittel der Betroffenen tritt das ein. Zum absoluten Notfall kann ein Patient mit Nierenkoliken auch werden, wenn es zu einer sogenannten Steinperforation kommt. Bei ihr reißt der Harnleiter durch den festsitzenden Fremdkörper ein und der Urin entleert sich in den Bauchraum.

Das erzeugt den Schmerz

Die wie gräuliche wie Steine aussehenden Gebilde wachsen im Nierenbecken heran. Wenn sie sich dort lösen und ihren Weg Richtung blase antreten, können sie sich unangenehm bemerkbar machen. Mitunter verschließen die haselnussgroßen Steine die Niere oder rutschen in den Harnleiter hinein. Das tut nicht nur weh, sondern verhindert zudem den Abfluss von Urin. Der Körper versucht sich selbst zu helfen, indem die Muskulatur den Stein in Richtung Blase weiterbefördert. Gelangt er an eine Engstelle, werden die Attacken noch schlimmer. Die Muskulatur schafft es nicht, das Hindernis aus dem Weg zu räumen und verkrampft immer mehr. Das erzeugt die wellenartigen Kolikschmerzen.

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Heißes Wetter und starkes Schwitzen begünstigen die Entstehung der schmerzauslösenden Gebilde, denn durch den Verlust an Körperflüssigkeit kommt es zu einer stärkeren Konzentration solcher Salze im Urin. Als weitere Faktoren für die Zunahme gelten Übergewicht und falsche Ernährung. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Neuerkrankungen verdreifacht, sagt die Deutsche Gesellschaft für Urologie. Männer malträtieren sie grauen Steine doppelt so häufig wie Frauen. Vor allem Fertiggerichte stehen wegen ihres hohen Eiweiß —und Kochsalzgehalts diesbezüglich auf der roten Liste.

So hilft der Arzt

Gehen die Steine nicht von selbst ab, kann nur der Arzt helfen: Per Ultraschall und Röntgendiagnostik geht er auf die Suche nach den Übeltätern. Bei der Auswertung der Röntgenaufnahmen ist jedoch Vorsicht geboten. Da die meisten Steine kalziumhaltig sind, erkennt der Arzt sie als helle Strukturen auf der Aufnahme. Ähnlich stellen sich jedoch auch verkalkte Venen oder Lymphknoten dar. Ob eine Entzündung oder möglicherweise sogar Nierenschädigung vorliegt, kann der Mediziner mit einer Blut- und Urinuntersuchung herausfinden.

Hoffnung gibt es für Geplagte, deren Steine nur bis zu fünf Millimeter groß sind. Sie können versuchen sie durch viel Bewegung und ausdauerndes Trinken selbst nach draußen befördern. Klappt das nicht, ist es möglich, den Schmerzauslöser zu zertrümmern und dann auszuspülen oder aber große Exemplare durchs "Schlüsselloch" endoskopisch zu entfernen.

Nach der Steinentfernung ist es sinnvoll, die Übeltäter auf ihre Zusammensetzung hin analysieren zu lassen. Denn durch die Bestimmung von Phosphat- und Kalziumwerten kann man mit einer angepassten Ernährung einem weiteren derartigen Horrortrip vorbeugen.

Hier geht es zur Infostrecke: Harnsteine – So beugen Sie vor

(wat)