Medizinier jubeln: Neues MRT zeigt Echtzeit-Filme aus unserem Körper

Medizinier jubeln: Neues MRT zeigt Echtzeit-Filme aus unserem Körper

Was tut unsere Zunge, während wir sprechen?

Was passiert im Mundraum, während man spricht? Und wie sieht Herzklopfen in Echtzeit aus? Dank einer Neuentwicklung des Max-Planck-Instituts lassen sich solche Vorgänge nun fast live darstellen. Für die Medizin eine bahnbrechende Entdeckung.

Was passiert im Mundraum, während man spricht? Und wie sieht Herzklopfen in Echtzeit aus? Dank einer Entwicklung des Max-Planck-Instituts lassen sich solche Vorgänge nun fast live darstellen. Das dürfte auch vielen Patienten das Leben leichter machen.

Wie bewegt sich die Zunge, während man spricht? Ein Video des Göttinger Max-Planck-Instituts zeigt es. "Bislang war immer die Geschwindigkeit das Problem", sagt Jens Frahm, der Forschungsgruppenleiter. "Denn das MRT ist kein Foto, sondern besteht aus vielen Einzelmessungen. Aus physikalischen Gründen muss man zwischen diesen Messungen immer eine große Pause machen."

So funktioniert ein MRT

Das herkömmliche MRT (Magnetresonanztomographie) ist ein Bildgebungsverfahren, bei dem mit Hilfe eines starken Magnetfelds, zusätzlichen Wechselfeldern, Messantennen und eines Computers Schnittbilder des Körperinneren erzeugt werden. Der Name ist abgeleitet vom altgriechischen Wort "tome" für Schnitt. MRT-Bilder sind sehr detailgenau, so dass auch kleine Veränderungen nachgewiesen werden können - aber bislang brauchte es mehrere Minuten um ein einziges Bild herzustellen.

Beim Echtzeit-MRT schaffte es der Forscher Frahm diese Wartezeit zu umgehen und andere zeitliche Verkürzungen vorzunehmen. "Heraus kommt ein Bildgebungsverfahren, das mit so wenig Daten auskommt, dass es fast zeitgleich darstellen kann, was im Körper passiert."

  • Was tut unsere Zunge, während wir sprechen?

Damit bietet das Echtzeit-MRT völlig neue medizinische Möglichkeiten: "Krankheiten, die mit Bewegung zusammenhängen, können jetzt erstmals direkt beobachtet werden", sagt Frahm. Für Patienten beispielsweise, die Probleme mit dem Kiefergelenk haben, weil der Knorpel beim Öffnen und Schließen verrutscht, gibt es nun ein verlässliches Diagnoseinstrument.

Konkretere Diagnosen werden außerdem bei folgenden Krankheitsbildern möglich:

Weil im Gegensatz zum herkömmlichen MRT langes Stillhalten nicht mehr vonnöten ist, bringt die neue Untersuchungsmethode auch Erleichterung für Patienten. "Die Uniklinik Düsseldorf hat deswegen bereits ein Echtzeit-MRT für die Kinderstation angeschafft, so müssen die Kids nicht mehr eine Stunde lang still liegen", sagt Frahm.

"Kurz: Wir können bislang noch gar nicht alle Ideen umsetzen, die uns für das Echtzeit-MRT einfallen." Für seine Entdeckung ist Frahm für den Erfinderpreis 2018 nominiert.

(ham)