Mundkrebs - Symptome sind Flecken im Rachen ohne Schmerzen

Häufig nicht erkannt : Mundkrebs - die unterschätzte Gefahr

Bis zu zehntausend Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Krebs in der Mundhöhle oder im Rachenraum - somit eine der zehn häufigsten Krebsarten. Gefährlich macht ihn, dass er häufig zu lange nicht erkannt wird.

Zwar ist der Mundkrebs weit weniger verbreitet als beispielsweise Lungen- oder Brustkrebs, er hat jedoch eine vergleichsweise hohe Sterberate: Die Hälfte der Patienten stirbt innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose, und die Heilungschancen haben sich in den vergangenen 30 Jahren nicht verbessert.

Der Grund: Mundkrebs wird häufig zu spät erkannt. Im Frühstadium liegen die Heilungschancen bei 80 Prozent, doch bei den meisten Patienten wird der Krebs erst diagnostiziert, wenn er ein späteres Stadium erreicht und Metastasen gebildet hat.

Einer der Hauptgründe für die Verschleppung der Diagnose liegt darin, dass Mundkrebs in vielen unterschiedlichen Formen in Erscheinung treten kann, die zunächst harmlos scheinen: Rote oder weiße Flecken im Mundraum, die nicht von alleine verschwinden, können ebenso ein erstes Anzeichen dafür sein wie eine Prothese, die nicht mehr richtig sitzt und bleibende "Druckstellen" verursacht. Wundstellen, die nicht heilen, Bluten im Mund, lose Zähne, Schluckbeschwerden und Knoten im Hals sind weitere Symptome, die oft zu lange ignoriert oder falsch behandelt werden.

Das größte Problem ist jedoch ein anderes: "Mundkrebs verursacht vor allem in frühen Stadien keine Schmerzen", erklärt Torsten Remmerbach, Oberarzt an der Klinik für Mund-, Kiefer-, Gesichts- und Plastische Chirurgie an der Universität Leipzig. Der Patient ist sich also oft nicht bewusst, dass überhaupt ein Behandlungsbedarf besteht.

Das Risiko für Mundkrebs steigt erheblich mit chronischem Tabak- und Alkoholkonsum, vor allem, wenn beides kombiniert wird: Vierzig Zigaretten pro Tag erhöhen das Risiko um das Fünffache, mehr als zwei Liter Bier oder ein Liter Wein pro Tag um das Einundzwanzigfache. Eine Kombination von rauchen und trinken erhöht das Risiko um das Hundertvierzigfache.

Mangelnde Mundhygiene und eine Ernährung, der es an Vitamin A und C sowie Beta-Karotin, Riboflavin, Zink und Selen mangelt, steigern ebenfalls das Risiko. Weniger eindeutig ist die Rolle, die Viren und Bakterien spielen. So gibt es beispielsweise Hinweise darauf, dass das humane Papillomavirus, das auch Gebärmutterhalskrebs auslösen kann, an der Krebsentstehung beteiligt sein könnte. Auch verschiedene Speichelbakterien stehen im Verdacht, die Tumoren auszulösen.

In der Regel sollten Zahnärzte Mundkrebs erkennen. Allerdings sind die Tumoren auch für ihn nicht immer einfach auszumachen, da sie sehr unterschiedlich aussehen können und nicht gerade zu seinem Alltag gehören: "Der Zahnarzt sieht in seinem ganzen Praxisleben vielleicht zwei bis drei Mundkrebstumoren", vermutet Remmerbach. Die gründliche Untersuchung der Mundhöhle nach Auffälligkeiten jeglicher Art ist bei der Krebsvorsorge also ungemein wichtig - solange ein Tumor einen Durchmesser von zwei Zentimetern noch nicht überschritten und keine Metastasen gebildet hat, liegen die Heilungschancen bei über 80 Prozent.

Besonders häufig treten Tumoren an der Zunge und am Mundboden auf. Hat der Patient den Verdacht auf einen Tumor, sollte er umgehend seinen Zahnarzt aufsuchen, der dann ein einfaches und im Allgemeinen schmerzfreies Verfahren zur Früherkennung anwenden kann - die so genannte Bürstenbiopsie. Dabei werden mit einer kleinen Bürste Gewebezellen von der verdächtigen Stelle im Mund entnommen, auf einen Objektträger übertragen und anschließend von einem Pathologen begutachtet.

Da die Bürstenbiopsie ein relativ neues Verfahren ist, hat sie sich noch nicht flächendeckend durchgesetzt, obgleich sie kassenärztlich anerkannt ist: Remmerbach, der das Verfahren entwickelt hat, schätzt, dass viele Zahnärzte noch nicht damit vertraut sind. Dennoch kann der Patient im Verdachtsfall die Bürstenbiopsie verlangen und sich an einen anderen Zahnarzt überweisen lassen, falls der behandelnde Zahnmediziner das Verfahren nicht kennt. Alternativ kann unter örtlicher Betäubung eine Gewebeprobe entnommen und vom Pathologen auf Krebszellen untersucht werden.

"Je früher, desto besser"

Hat sich der Verdacht auf Mundkrebs in der Biopsie bestätigt, wird zunächst das Stadium des Krebses bestimmt - die Größe des Tumors wird festgestellt, und es wird nach eventuellen Metastasen geforscht. Die weitere Behandlung hängt vom Krebsstadium ab: In frühen Stadien, wenn noch keine Metastasen vorhanden sind, wird der Tumor im Allgemeinen operativ entfernt, meist in Kombination mit einer Strahlentherapie. Doch auch dabei gilt "Je früher, desto besser", denn große Tumoren müssen auch großflächig entfernt werden und hinterlassen dann häufig Entstellung im Gesicht.

Hat sich der Krebs bereits zu den Lymphknoten im Hals ausgebreitet, werden auch die dortigen Tumoren entfernt, und eine Chemotherapie ist meist unumgänglich. In weiter fortgeschrittenen Stadien kann sich der Krebs auf Leber, Lunge oder Knochen ausbreiten - in solchen Fällen sinken die Heilungschancen trotz kombinierter Therapiemaßnahmen auf 15 Prozent und weniger.

Hier Literatur zum Thema Mundkrebs bei Amazon bestellen.

(afp/rpo)
Mehr von RP ONLINE