Morbus Crohn - Risiko sinkt durch Aufenthalt auf dem Bauernhof

Darmgesundheit : Warum Ihr Kind mehr zwischen Kühen spielen sollte

Dass Eltern ihre Kinder auch mal im Dreck spielen lassen sollten, weil es das Immunsystem stärken kann, ist bekannt. Eine neue Studie zeigt aber, dass speziell das Tollen im guten alten Bauernhofmist Kinder im späteren Leben vor Darmkrankheiten wie Morbus Crohn bewahren kann.

Kinder, die viel Zeit auf einem klassischen Bauernhof mit Kühen verbringen, leiden im späteren Leben nur halb so häufig an einer entzündlichen Darmerkrankungen, wie Stadtkinder. Das geht aus einer Studie im European Journal of Epidemiology hervor.

Für die Untersuchung befragten die dänischen Wissenschaftler um Vivi Schlünssen von der Universität Aarhus 10.864 Personen aus Dänemark, Norwegen, Schweden, Island und Estland. Alle waren zwischen 1945 und 1971 geboren. Hinterfragt wurde vor allem die Herkunft der Probanden und ihre Krankheitsgeschichte.

Wie sich zeigte, entwickelten diejenigen, die ihre ersten fünf Lebensjahre auf einem Bauernhof mit Tieren verbracht hatten, im Verlauf ihres Lebens nur halb so oft eine entzündliche Darmkrankheit wie Morbus Crohn und Collitis Ulcera, als Kinder, die in der Stadt groß geworden waren.

Die Ergebnisse wurden um so stimmiger, je später der Jahrgang der Befragten: Kinder, die nach 1952 geboren worden waren und ihre ersten Lebensjahre auf einem Bauernhof verbracht hatten, hatten nur noch ein Viertel des Erkrankungsrisikos.

Die Forscher erklären diesen Unterschied mit der zunehmenden Verbesserung der Hygienestandards in Städten nach 1950. Nachdem Statistiken zeigen, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen an Morbus Crohn erkrankten, vermuten die Wissenschaftler nun einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Urbanisierung und einem Anstieg der entzündlichen Darmkrankheiten.

Neben Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, soll auch die Ausprägung von Asthma in Verbindung mit der Umgebung in der Kindheit stehen. Auch hier zeigten Kinder, die in der Stadt aufwuchsen eine wesentlich höhere Anfälligkeit, als solche, die auf dem Land groß wurden. Da das Immunsystem in den ersten Lebensjahren voll ausgeprägt wird, vermuten die Forscher, dass der frühe Kontakt mit den unterschiedlichen Bakterien und Mikroorganismen auf einem Bauernhof mit Tierzucht, das Immunsystem nachhaltig beeinflussen und stärken kann.

Weitere positive Faktoren des Landlebens auf das Immunsystem seien laut Studie aber nicht nur der Kontakt zu Kühen, Schweinen und Hühnern, sondern auch der vermehrte Konsum von Obst und Gemüse und das Trinken von Rohmilch, im Gegensatz zur pasteurisierten Milch aus dem Kühlregal.

Zusätzliche negative Faktoren für die Entwicklung des Darms in der Stadt seien vermehrter Tabakrauch in der Umgebung und der häufigere Einsatz von Antibiotika.

(ham)