Blutsauger werden bei sechs bis acht Grad aktiv Milder Winter: Zeckengefahr schon im Januar

Leipzig · Während weite Teile der USA im Klammergriff der Kälte sind, herrschen in Deutschland derzeit fast schon frühlingshafte Temperaturen. Die ersten Haselpollen fliegen, Gänseblümchen blühen und die Vögel zwitschern in den Gärten. Sogar Zecken wurden schon gesichtet.

Die zehn wichtigsten Zecken-Infos
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Foto: dpa, Patrick Pleul

Bis Donnerstag haben die Meteorologen noch einmal Temperaturen von örtlich bis zu 15 Grad vorausgesagt, bevor es dann wieder etwas kühler wird. Der milde Winter hat freilich Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen.

Die Schonfrist für Pollenallergiker war diesmal kurz. Wegen des milden Wetters hat bereits in Teilen Deutschlands der Flug der Haselpollen begonnen. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) gibt es in Nordrhein-Westfalen, im Saarland und im Frankfurter Raum eine geringe Belastung. Auch in Sachsen, Teilen von Niedersachsen und Schleswig-Holstein wurden schon Pollen registriert.

Auch auf die Vögel wirkt sich das Wetter aus. Zahlreiche Vogelarten zeigen bereits ihr typisches Revierverhalten. "In diesem Jahr haben die Vögel bereits um Weihnachten herum mit ihrem Gesang begonnen und scheinen derzeit auch aktiver als sonst", sagt Lars Lachmann vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Zu hören seien unter anderem Kohlmeisen und Blaumeisen, die schon nach Nisthöhlen suchten.

Die jüngste Vogelzählung habe zudem gezeigt, dass sich in diesem Jahr weniger Vögel in den Gärten aufhalten, weil sie in Wald und Flur noch ausreichend Futter finden. "Ein plötzlicher Kälteeinbruch wäre kein Drama", meint Lachmann. "Dann ziehen die Vögel weiter gen Süden oder gehen in den Städten verstärkt auf Futtersuche."

Trotzdem keine Plage

"Für die Zecken ist das ein optimaler Winter", meint Christine Klaus vom Nationalen Referenzlabor für durch Zecken übertragbare Krankheiten in Jena. Schon bei Temperaturen von sechs bis acht Grad Celsius werden die kleinen Blutsauger aktiv. Ein milder Winter führt nach Angaben der Expertin allerdings nicht zwangsläufig auch zu einer Zeckenplage. "Wenn es knackig kalt wird, ziehen sich die Zecken wieder zurück", sagt Klaus. Falle das Frühjahr zudem warm und trocken aus, störe dies massiv die Entwicklung der Tiere.

Auch eine Mückenplage im Frühjahr ist nach Einschätzung von Experten derzeit nicht in Sicht. "Milde Temperaturen sind für Stechmücken eher ungünstig", sagt Doreen Werner vom Leibnitz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg. Bei relativ mildem Wetter entwickeln sich zum Beispiel in Kellerräumen oder Höhlen, wo Mücken gern überwintern, Pilzsporen. Diese Pilze machen die Insekten "platt", meint die Mückenexpertin. Die Eier der Stechmücken überwintern ohnehin auf feuchten Wiesen oder in Tümpeln. Denen sei egal, ob fünf Grad plus oder minus 15 Grad Celsius herrschten, sagt Werner.

In der Landwirtschaft könnte der milde Winter noch für einige Probleme sorgen. Wenn die Wintersaaten zu früh wachsen, könnte der Spätfrost im Frühjahr den jungen Trieben gefährlich werden, sagt der Agrarmeteorologe Franz-Josef Löpmeier vom DWD. Die Pflanzen seien nicht abgehärtet. Kritisch werde es, wenn die Temperaturen dann unter minus zehn Grad rutschten und kein Schnee liege.

Auch Blattläuse und Mäuse vermehren sich laut Löpmeier eher in milden Wintern wie schon 2006/2007. Blattläuse wiederum übertragen Viren, die das Getreide schädigen. Die Blattläuse können die Landwirte aber bekämpfen. Ein richtiger Winter mit viel Eis und Schnee ist nach Angaben der Meteorologen derzeit jedenfalls nicht in Sicht.

(AFP)