1. Leben
  2. Gesundheit
  3. News

Gesundheitsgefahr Zecke: Mehr Fälle von Hirnhautenzündung als je zuvor

Gesundheitsgefahr Zecke : Mehr Fälle von Hirnhautenzündung als je zuvor

Die Zahl der Erkrankungen durch Zecken ist im Jahr 2011 stark gestiegen. Allein in Deutschland gab es 63 Prozent mehr Fälle von Hirnhautentzündung als im Vorjahr. Experten raten jetzt verstärkt zur Zecken-Impfung - vor allem für EM-Besucher.

Die Zahl der Erkrankungen durch Zecken ist im Jahr 2011 stark gestiegen. Allein in Deutschland gab es 63 Prozent mehr Fälle von Hirnhautentzündung als im Vorjahr. Experten raten jetzt verstärkt zur Zecken-Impfung - vor allem für EM-Besucher.

Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen Epidemiologischen Bulletin berichtete, wurden 2011 insgesamt 423 Fälle der sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gemeldet. Das war ein Anstieg um 63 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, in dem 260 FSME-Erkrankungen registriert worden waren.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine virusbedingte Hirnhautentzündung und kann durch einen Zeckenbiss übertragen werden. Dagegen schützt eine Vorsorgeimpfung. Ein erhöhtes FSME-Risiko gibt es laut RKI nach wie vor vor allem in den südlichen Bundesländern. Neben Bayern und Baden-Württemberg sind auch Teile von Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und des Saarlands betroffen.

Risikogebiet Süddeutschland

Nach einer aktuellen Karte des Robert-Koch-Instituts, besteht bundesweit in 140 Stadt- und Landkreisen ein erhöhtes FSME-Risiko. Als neue Risikogebiete wurden der Stadtkreis Ulm in Baden-Württemberg, der Stadtkreis Kempten in Bayern und mit dem Saar-Pfalz-Kreis erstmals auch eine Region im Saarland ausgewiesen. In anderen Bundesländern wie Sachsen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wurden vereinzelte Fälle gemeldet. Auch in Gebieten, die nicht als Risikoregionen ausgewiesen seien, könne eine Infektion nicht absolut sicher ausgeschlossen werden, erklärte das RKI.

Durch einen Zeckenstich kann neben der FSME auch Borreliose übertragen werden. Menschen, die in FSME-Verbreitungsgebieten wohnen oder dort Urlaub machen, empfehlen die Fachleute eine Impfung, die im Abstand von drei bis fünf Jahren aufgefrischt werden muss. Auch vor Reisen ins Ausland kann eine FSME-Impfung ratsam sein. Eine wirksame Impfung gegen Borreliose gibt es allerdings bisher nicht.

Auch EM-Besucher sollten vorsorgen

Da neben den südlichen Regionen Deutschlands auch die östlichen Regionen Europas zu den Risikogebieten für FSME-Erkrankungen zählen, sollten EM-Besucher besonders vorsichtig sein. Für Fußballsfans, die bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine nicht nur ins Stadion, sondern auch wandern wollen, bietet lange Kleidung oft nicht genug Schutz gegen die Blutsauger. Deshalb empfiehlt Thomas Jelinek, Leiter des Centrums für Reise- und Tropenmedizin in Berlin, hier ebenfalls eine Impfung gegen den FMSE-Virus.

Reisekrankheiten bedenken

Aber auch gegen andere Krankheiten sollten Fußballfans gewappnet sein. "Für beide Länder empfehle ich eine Impfung gegen Hepatitis A", sagte Jelinek dem dpa-Themendienst. Das über die Nahrung verbreitete Hepatitis-A-Virus kann Durchfall und Bauchschmerzen auslösen. Speziell für die Ukraine rät Jelinek auch zu einer Impfung gegen Hepatitis B. Der Erreger kann die Leber schwer schädigen. "In der Ukraine kann es zum Beispiel bei einem Krankenhausaufenthalt zu einer Infektion kommen."

"In der Ukraine ist außerdem Tollwut noch recht verbreitet", warnte Jelinek. Bei einem Biss durch einen Straßenhund sollten Touristen umgehend einen Arzt aufsuchen. Da in dem osteuropäischen Land Arzneimittel gegen Tollwut rar sind, sollten Urlauber sich unbedingt schon in Deutschland impfen lassen. Um die Stadt Lviv (Lemberg), einem der vier ukrainischen Austragungsorte, grassieren zudem die Masern. Auch dagegen sollten sich Urlauber schützen.

Für beide Länder rät Jelinek davon ab, ungefiltertes Leitungswasser zu trinken. Dies könne zu Durchfallerkrankungen führen. "Im Stadion ist die Nahrung abgepackt, da sollte nichts passieren." In beiden Ländern müssten Urlauber mit mangelnden Fremdsprachenkenntnissen in Arztpraxen und Kliniken rechnen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich vor der Abreise um Übersetzungen wichtiger medizinischer Begriffe kümmern. In die Reiseapotheke sollten Urlauber Schmerzmittel, Mückenschutz und Durchfallmedikamente packen. "Antibiotika und Ähnliches kann man bei akutem Bedarf vor Ort kaufen. Die Apotheken in beiden Ländern sind gut ausgestattet", sagte Jelinek.

Hier geht es zur Infostrecke: Die zehn wichtigsten Zecken-Infos

(AFP)