Masern: In Berlin stirbt erstes Kleinkind

Ausbruch in Berlin : Das erste Kleinkind stirbt an Masern

447 Masernfälle wurden in diesem Jahr bereits in Berlin gemeldet. Nun ist in der Hauptstadt das erste Kleinkind an der Krankheit gestorben. Das gab Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) am Montag bekannt.

Czaja forderte auch Erwachsene auf, ihren Impfschutz zu überprüfen. "Es gibt viele Impfgegner, die Masern als Kinderkrankheit abtun", kritisierte er. Bei Kindern gebe es in Berlin eine Impfquote von 95 Prozent.

Der Masernausbruch weitete sich in den ersten beiden Monaten des Jahres 2015 bereits stärker aus, als im gesamten vergangenen Jahr. Experten betrachten den Verlauf mit großer Sorge. Die große Koalition zieht eine gesetzliche Impfpflicht gegen den Erreger in Erwägung.

Als Reaktion auf den Masernausbruch in Berlin erwägt die Regierungskoalition eine gesetzliche Impfpflicht. "Wenn wir es nicht schaffen, mit verstärkter Aufklärung und Beratung die Impfraten bald zu steigern, sollten wir über eine Impfpflicht in Kindergärten und Schulen nachdenken", sagte der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn der "Welt am Sonntag". Die Forderung wird auch vom Koalitionspartner SPD erhoben: "Wir brauchen jetzt eine konzertierte Aktion von Gesundheitspolitikern aller Parteien und von den Ärzteverbänden, um eine große Impfwelle in Gang zu setzen", sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach der Zeitung. Wenn es nicht gelinge, die Impfbereitschaft zu steigern, "muss eine Impfpflicht für Kleinkinder der nächste Schritt sein".

Für das Bundesgesundheitsministerium steht eine Impfpflicht vorerst aber nicht zur Debatte. Zwar nehme man die aktuelle Lage sehr ernst, sagte eine Ministeriumssprecherin am Montag in Berlin. "Aber wir setzen jetzt erst mal auf eine Impfberatung vor Kita-Eintritt und die Überprüfung des Impfschutzes bei Gesundheitsberatungen." Sollte das nicht helfen, werde man über Maßnahmen sprechen müssen. Wie diese aussehen könnten, müsse dann noch mal gesondert geprüft werden.

Erste Schulschließung

Wegen des Masern-Ausbruchs in Berlin ist am Montag eine Schule vorsorglich für einen Tag geschlossen worden. Grund für die Schließung der Sekundarschule im Ortsteil Lichtenrade sei ein schwerwiegender Verlauf der Infektionskrankheit bei einem Jugendlichen, sagte eine Sprecherin des Berliner Senats. Sie bestätigte damit Medienberichte.

Der Schulleiter habe am Freitag von dem Fall erfahren und erst am Montag mit dem Gesundheitsamt Rücksprache halten können. Mitschüler und Lehrer des Jugendlichen müssten nun Impfbücher vorlegen. Am Dienstag soll die Schule den Angaben zufolge wieder öffnen.

In Berlin grassieren die Masern seit Oktober 2014. Nach Angaben der Bildungsverwaltung wurden seitdem ungeimpfte Lehrer aus dem Dienst genommen. Von Ausbruchsbeginn bis zum 23. Februar wurden 574 Masern-Fälle gemeldet, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales am Montag mitteilte. Demnach ist dies der größte Masern-Ausbruch in Berlin seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes 2001.

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Die hoch ansteckende Virusinfektion kann zu schwerwiegenden Komplikationen und sogar zum Tode führen. In Deutschland kommt es immer wieder zu regionalen Ausbrüchen. Der Erreger wird durch Tröpfchen übertragen, die beim Niesen, Husten oder Sprechen in die Atemluft gelangen.

Zwischen Ansteckung und ersten Symptomen vergehen etwa acht bis 14 Tage. Die Krankheit beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Schnupfen und Husten, dann kommt der typische Hautausschlag hinzu. In zehn bis 20 Prozent der Fälle kommt es zu Komplikationen, wie Mittelohr- und Lungenentzündungen sowie Gehirnentzündungen, die sogar lebensbedrohlich sein können.

(dpa)