Insekten: Kriebelmücke: Klein und gemein

Insekten: Kriebelmücke: Klein und gemein

Düsseldorf (RPO). Besonders am Rhein sind sie zur Zeit aktiv: Die Kriebelmücken. Die Stiche jucken extrem. Neben den rot oder blau verfärbten Einstichstellen an Knöchel und Wade haben sich zwei Tage später Schwellungen und dicke Quaddeln gebildet, die zeitweise nur noch humpelndes Laufen ermöglicht und Antibiotika-Einsatz erforderten, berichten Betroffene.

Der Düsseldorfer Zoologe der Heinrich Heine Universität, Dr. Volker Waldorf, sagt: "Die Kriebelmücken sondern sehr viel toxischen Speichel ab. Wenn ein Mensch von mehreren gleichzeitig befallen wird, kann das zu einem Schockzustand führen und lebensbedrohlich sein."

Waldorf sagt, dass sich Kriebelmücken in fließenden Gewässern entwickeln. Ihr Hauptverbreitungsgebiet in dieser Region liege am Niederrhein, sie seien aber auch an manchen ruhigeren Stellen des Rheins zu finden. Besonders blutdürstig seien die Weibchen, die sich oft zu kleinen Schwärmen zusammenrotten und bevorzugt in den Nachmittags- oder Abendstunden Weidetiere angreifen. "Wenn kein Vieh vorhanden ist, greifen die Kriebelmücken aber auch Menschen an", sagt Waldorf.

So groß wie Essigfliegen

Die Quälgeister werden nur drei bis sechs Millimeter groß und sind somit nicht größer als Essigfliegen. Zur Gruppe der Mücken gehören sie dennoch. Sie stechen allerdings nicht, sondern sie raspeln. Ähnlich wie die Stechmücken saugen sie Blut. "Sie ritzen weiche Hautstellen mit ihren Mundwerkzeugen so lange an, bis Blut herauskommt, das sie aufsaugen bis sie satt sind", sagt Waldorf.

Das Gemeine daran sei, dass man davon gar nichts mitbekomme, denn ihr Speichel betäube die Wunde mit einem toxischen Sekret und sorge dafür, dass das Blut nicht gerinnt. Das Blut sammelt sich in der Wunde in einem sogenannten "Pool". Daher gehören die Kriebelmücken zu den "Poolsaugern" — im Gegensatz zu den normalen Mücken, die "Stichsauger" sind. Die Kriebelmücken mögen es warm. Mehrere Tage unter 15 Grad überleben die rötlich-gelben bis schwarzen Insekten nur selten.

Ist die zweite Kriebelmücken-Generation geschlüpft?

Bereits Ende April hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Niederrhein eine Warnung vor Kriebelmücken ausgegeben. Die Agrarmeteorologin Brigitte Klante sagt: "Diese Warnung haben wir nach Auswertung eines Modells in Abhängigkeit von Temperatur und Witterung ausgegeben." Das DWD-Modell berücksichtige aber nur die erste Generation von Kriebelmücken. Es könne also durchaus sein, dass sich die Parasiten inzwischen in zweiter oder dritter Generation gebildet hätten.

Die blutsaugenden Kriebelmückenweibchen leben in der Regel nur wenige Wochen. Dafür legt jedes aber bis zu 1000 Eier, die je nach Witterung ein bis viermal pro Jahr schlüpfen. Steigen Luft- und Wassertemperatur sprunghaft an, kann es zu einem Massenschlupf kommen. Nach einem Stich sollte die Stelle desinfiziert und gekühlt werden. Kratzen sollte wenn möglich vermieden werden.

Dr. Volker Waldorf empfiehlt zur Prävention lange Kleidung, geschlossene Schuhe und Mückenschutzmittel. "Das Mittel überdeckt unseren Geruch wie eine Tarnkappe für die Mücken, denn damit können sie unsere Blutquelle nicht mehr riechen."

Mehr von RP ONLINE