Krank durch Kälte: Welche Krankheiten im Winter auftreten oder schlimmer werden

Minusgrade in NRW: Acht Krankheiten, die auf Kälte reagieren

Kälte kann gesundheitliche Folgen haben: Schon bei 15 Grad können sich bestimmte Krankheiten verschlimmern. Andere Leiden werden durch niedrige Temperaturen erst ausgelöst. Was Sie wissen müssen.

Asthma

Die Atemwege sind im Winter anfälliger, denn die kalte Luft reizt Lungen und Bronchien. Während gesunde Menschen allerdings erst nach längerer Zeit in der Kälte Probleme bekommen, reagieren Asthmatiker sehr schnell darauf. Ihnen drohen häufiger Erkältungen und Atemprobleme. Sport sollten Asthmatiker im Winter deshalb nur reduziert im Freien betreiben - aber keinesfalls darauf verzichten. Längere Spaziergänge in warmer Kleidung oder sanfter Ausdauersport können helfen, die Schwelle für Anfälle nach oben zu setzen. Wichtig ist dabei zum einen, auf Nasenatmung zu achten (dadurch wird die Luft angewärmt) und zum anderen sollte das Pensum vorher unbedingt mit einem Arzt abgesprochen werden.

Arthrose

An Gelenkverschleiß, auch Arthrose genannt, leiden in Deutschland über fünf Millionen Menschen. Besonders schmerzhaft ist die Erkrankung im Herbst und im Winter. Dann ziehen sich die Muskeln und Gefäße im Körper zusammen und drücken verstärkt auf die Gelenke. Dass viele Patienten aus Angst vor Schmerzen dazu tendieren, bei kalten Temperaturen zu Hause zu bleiben und sich wenig zu bewegen, verschlimmert die Situation. Das beste Gegenmittel gegen die Symptome ist regelmäßige Bewegung der betroffenen Stellen. Auch viel zu trinken und eine gesunde Ernährung haben eine positive Wirkung. Je nach Intensität der Beschwerden sollten die Schmerzen aber auch zusätzlich mit einem Arzt besprochen werden.

Blasenentzündung

Vor allem Frauen tendieren bei kalten Temperaturen zu Infektionen der Harnwege. Entstehen können sie dann, wenn der Unterleib auskühlt. Das geschieht durch längeres Sitzen auf einer kalten Fläche oder durch zu kurze Winterjacken. Grund kann ebenfalls sein, dass nicht genug getrunken wurde. Gerade im Winter braucht der Körper vermehrt Flüssigkeit, um mit den Schwankungen zwischen Außen- und Innentemperatur umgehen zu können. Typische Symptome einer Reizung oder Entzündung der Blase sind vermehrter Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen. Handelt es sich um eine richtige Infektion, hilft nur ein vom Arzt verschriebenes Antibiotikum. Eine Reizung lässt sich durch das Trinken von Blasentee (aus der Apotheke) und mit viel Wärme recht gut in den Griff kriegen.

Neurodermitis

Die Haut ist das größte Organ des Körpers und reagiert sehr empfindlich auf Kälte. Ab etwa fünf Grad hören die Talgdrüsen in der Haut auf, Fett zu produzieren. Dadurch trocknet die Haut aus und wird rissig. Wer unter Neurodermitis leidet, muss bei eisigen Temperaturen also mit einer Verstärkung der Symptome rechnen. Aber auch viele, die sonst keine Hautprobleme haben leiden durch den Wechsel zwischen kalter und trockener Heizungsluft plötzlich unter Hautjucken bis hin zu Rötungen. Die Symptome sind dann ähnlich einer Allergie, obwohl keine allergische Reaktion vorliegt. Das Wichtigste bei Problemen mit der Haut ist das richtige Eincremen. Fettreiche Cremes schützen im Winter vor den Einflüssen der kalten Temperaturen und lindern Beschwerden wie Juckreiz. Auch Öle etwa aus Jojoba, können hilfreich sein. Wenn Ekzeme zu sehen sind, sollte allerdings ein Hautarzt konsultiert werden.

Rückenschmerzen

Typische Verspannungsschmerzen im Rücken entstehen bei Kälte durch eine falsche Körperhaltung. Wer friert, zieht die Schultern zusammen und der Rücken wird leicht bucklig. Passiert das häufiger, reagieren die Muskeln. Außer wärmerer Winterkleidung können hier heiße Bäder Abhilfe schaffen, aber auch Massagen.

Kälte-Allergie

Für manche mag es wie ein Scherz klingen, aber es gibt sie wirklich: Menschen, die auf Kälte allergisch reagieren. Dann bildet sich an vereinzelten Stellen ein juckender, roter Ausschlag auf der Haut. Warum der Körper so reagiert, ist bislang noch nicht geklärt. Die Kälte-Allergie kann jedoch lebensgefährlich sein. Denn im schlimmsten Fall reagiert der Körper auf die niedrigen Temperaturen mit einer Histamin-Flut, die das Herz-Kreislaufsystem schockt. Neben den typischen Histaminblockern, die zum Beispiel auch gegen Neurodermitis eingesetzt werden, gibt es noch keine Medikamente gegen Kälte-Allergie. Eine Allergiesalbe, Mütze, Handschuhe und Schal sollten bei Betroffenen jedoch ständige Begleiter sein. Es empiehlt sich bei Minustemperaturen zudem, immer das Auto dem Fußweg vorzuziehen.

Herzkrankheiten

Wer Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System hat, muss bei Kälte ebenfalls besonders aufpassen. Die kalten Temperaturen sorgen nicht nur dafür, dass sich die Gefäße in der Haut zusammenziehen, sondern auch im Herz. Um dennoch Blut zu pumpen, muss es dann besonders viel arbeiten. Diese verstärkte Beanspruchung kann bei vorbelasteten Patienten zu gesundheitlichen Problemen führen. Ein verstärkter Druck in der Brust sollte sofort ärztlich abgeklärt werden. Es könnte sich dabei um einen Herzinfarkt handeln, ausgelöst durch die Überbeanspruchung. Leichte Bewegung unterstützt den Körper in diesen Zeiten am besten: etwa durch kleine Winterspaziergänge oder ein paar entspannte Runden auf einem Heimtrainer.

Kopfschmerzen, Migräne

Ob Menschen mit Migräne besonders gefährdet sind, ist nicht klar. Kälte kann jedoch verstärkt zu Kopfschmerzen führen. Diese entstehen, wenn die kalte Luft über Stirn und Kopfhaut fährt, sich die Gefäße zusammenziehen und so den Gesichtsmuskel reizen. Dann helfen sanfte Massagen der Kopfhaut und Wärme. Grundsätzlich gilt: Menschen, die empfindlich sind oder sowieso unter Kopfschmerzen leiden, sollten im Winter immer eine Mütze tragen.

(ham)
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