Transplantationsskandal Kliniken umgehen oft Warteliste für Spenderorgane

Frankfurt/Main · In Deutschland werden laut einem Zeitungsbericht immer mehr Spenderorgane an der offiziellen Warteliste vorbei vergeben. In immer mehr Fällen entscheiden die Krankenhäuser direkt.

Die wichtigsten Fakten zur Organspende
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Foto: dpa, Jan-Peter Kasper

Nach neuen Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums würden derzeit jedes vierte Herz, jede dritte Leber und jede zweite Bauchspeicheldrüse direkt von den Krankenhäusern an selbst ausgesuchte Patienten vergeben, berichtete die "Frankfurter Rundschau". Vor zehn Jahren habe der Anteil der im so genannten beschleunigten Vermittlungsverfahren vergebenen Organe noch unter zehn Prozent gelegen.

Dem Bericht zufolge soll das Verfahren dann angewendet werden, wenn Organe von älteren oder kranken Spendern zur Verfügung stehen, für die es nur wenige geeignete Empfänger gibt. Unter Experten gelte es jedoch als anfällig für Manipulationen.

Der Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, sprach gegenüber der "Frankfurter Rundschau" von einer "Einflugschneise für Manipulationen". Er forderte Aufklärung darüber, wie der Anstieg der im beschleunigten Verfahren vergebenen Organe zustandegekommen sei.

An der Uniklinik Göttingen steht neben dem früheren Oberarzt ein weiterer leitender Arzt im Verdacht, in 23 Fällen Patientenakten manipuliert zu haben. Die Staatsanwaltschaften Braunschweig und Göttingen ermitteln wegen Bestechlichkeit beziehungsweise wegen des Anfangsverdachts auf Tötungsdelikte.

Geprüft wird, ob die Bevorzugung bestimmter Patienten bei Organtransplantationen zum Tod anderer Menschen geführt haben könnte, die nicht zum Zuge kamen. Die bayerischen Justizbehörden prüfen, ob es auch am Uniklinikum Regensburg Manipulationen von Krankendaten im Zusammenhang mit Lebertransplantationen gegeben hat.

(AFP)
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