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Hygiene-Studie des Robert-Koch-Instituts: Klinik-Keime: Forscher schlagen Alarm

Hygiene-Studie des Robert-Koch-Instituts : Klinik-Keime: Forscher schlagen Alarm

Hygiene-Experten sind besorgt über die Situation in deutschen Krankenhäusern. Das Robert-Koch-Institut veröffentlichte jetzt eine Studie, die besagt, dass 3,33 Prozent der Klinik-Patienten während ihres Aufenthalts durch Keime infiziert werden. In fast einem Viertel der Fälle kommt es zu Infektionen von Wunden.

Am häufigsten sind Infektionen von Wunden (24,7 Prozent), der Harnwege (22,4 Prozent), der unteren Atemwege (21,5 Prozent) oder eine Sepsis (Blutvergiftung, sechs Prozent). Die Studie umfasste rund 10.000 Patienten aus 46 Kliniken, die in einer Zufallsstichprobe von Hygieneteams untersucht wurden; 134 Krankenhäuser hatten ihre Bereitschaft zur Teilnahme an diesem europaweiten Test erklärt.

Für die Keime, die die Infektionen auslösen, gibt es vermutlich zwei Quellen. Etwa 15 bis 20 Prozent der Erreger werden von einem auf den anderen Patienten übertragen, schätzt Petra Gastmeier, Direktorin und Hygiene-Professorin an der Charité in Berlin. Die übrigen Infektionen entstehen, weil nicht ausreichend sauber gearbeitet wird. Während der medizinischen Behandlung erreichen körpereigene Keime dann Stellen, an denen sie Infektionen auslösen.

Gastmeier schätzt, dass bis zu 30 Prozent der Infektionen vermieden werden könnten, wenn das komplette Personal eines Krankenhauses (also auch Ärzte) in Hygiene besser fortgebildet werden würde. Das sei für die Kliniken auch wirtschaftlich sinnvoll, weil die Kosten für bessere Hygiene geringer seien als für die längeren Liegezeiten der Patienten.

In Hygienefragen haben die Krankenhäuser in den vergangenen 18 Jahren kaum Fortschritte erzielt. Bei einer ähnlichen Studie im Jahr 1994 lag die Infektionsrate im Krankenhaus bei 3,46 Prozent; allerdings waren die Verweilzeiten der Patienten damals deutlich länger. In absoluten Zahlen erkranken jährlich etwa 400 000 bis 600 000 Patienten an Krankenhausinfektionen. Bis zu 15 000 Menschen sterben pro Jahr daran, schätzen Fachleute. Überdurchschnittlich häufig betroffen sind ältere Patienten, deren Immunsystem schwächer ist — vor allem die Gruppe der 70- bis 90-Jährigen.

Besonders gefährlich ist nach Experten-Angaben die Gruppe der so genannten gramnegativen Bakterien mit den Bakterienfamilien ESBL und KPT, deren Anteil an den Infektionen steige. Die Uni Bochum hat nach 2005 binnen drei Jahren ein um elf Prozent häufigeres Auftreten dieser Arten ermittelt.

Beide Bakterienstämme sind besonders oft gegen Antibiotika resistent und damit nicht mehr behandelbar. Gastmeier hält diese Entwicklung für gefährlicher als den bisher als typischen Krankenhauskeim bekannten MRSA-Keim.

(RP/csi/rm/jh-/jre)