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Jeder dritte Vorwurf bestätigt: Kassen stellen 4070 Ärztefehler fest

Jeder dritte Vorwurf bestätigt : Kassen stellen 4070 Ärztefehler fest

Die Krankenkassen haben im vergangenen Jahr rund 4070 Behandlungsfehler in Kliniken und Arztpraxen festgestellt. Untersucht wurden 12.686 Fälle. In drei von vier bestätigten Fällen führte der Kunstfehler zu einem Gesundheitsschaden.

Das teilte der MDK am Mittwoch in Berlin mit. In fast jedem dritten Fall wurde der Vorwurf bestätigt. Zwei Drittel der Vorwürfe richteten sich gegen Krankenhäuser, ein Drittel gegen niedergelassene Ärzte. In drei von vier bestätigten Fällen führte der Kunstfehler zu einem Gesundheitsschaden.

Die meisten Fehler begangen Ärzte bei der Therapie von Kniegelenks- und Hüftgelenksarthrose. Am häufigsten sahen sich dementsprechend Orthopäden und Chirurgen mit dem Verdacht konfrontiert, bei der Behandlung etwas falsch gemacht zu haben. Doch auch bei der Behandlung von Zahnkaries kam es häufig zu Problemen Fehler bei der Wurzelspitzenresektion kamen am zweithäufigsten vor.

Fehler bei therapeutischen Eingriffen

Die meisten Fehler passieren Ärzten nach Angaben der MDK bei therapeutischen Eingriffen. "Nach unserer Erfahrung kommt es bei einer erheblichen Zahl von Behandlungsfehlern zu einer Verkettung von Versäumnissen", erläuterte Astrid Zobel vom MDK Bayern.

Wie viele Kunstfehler insgesamt in Deutschland passierten, lasse sich jedoch nicht sagen. Geschädigte Patienten können sich nämlich auch an Schlichtungskommissionen der Ärztekammern wenden oder den Mediziner direkt verklagen. Die Ärztekammern beschäftigten sich 2011 mit 11.100 Fällen, in 2287 bestätigte sich der Fehlerverdacht zweifelsfrei.

Unterstützung vom MDS

Bei der Beurteilung eines Behandlungsfehlervorwurfes werden alle Bereiche ärztlicher Tätigkeit - von der Diagnose über die Therapie bis zur Dokumentation - unter die Lupe genommen und statistisch erfasst. "Unser Ziel als Medizinischer Dienst ist es zu allererst, die Geschädigten interessenneutral zu unterstützen", so Stefan Gronemeyer, Leitender Arzt und stellvertretender Geschäftsführer des MDS. "Wer Fehler vermeiden will, muss zunächst wissen, wo und wie sie passieren. Mit den Erkenntnissen, die wir bei der Bearbeitung der zahlreichen Fälle gewinnen, können und wollen wir dazu beitragen, Fehler zu vermeiden und die Sicherheit von Patienten zu verbessern."

Positiv bewertet Gronemeyer die Regelung des geplanten Patientenrechtegesetzes, die Krankenkassen zur Unterstützung verunsicherter Patienten zu verpflichten. Allerdings geht Gronemeyer das geplante Gesetz nicht weit genug: "Was wir im Sinne einer neuen Sicherheitskultur beispielsweise dringend brauchen, sind Regelungen zum Vertrauensschutz bei gemeldeten Fehlern, wie es sie beispielsweise bei den Fehlermeldesystemen in Dänemark oder den USA schon gibt."

Hier geht es zur Infostrecke: Diese Rechte haben Patienten ab 2013

(dpa/apd)