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Zahl der Schwangerschaftsabbrüche konstant: Jede siebte Schwangerschaft abgetrieben

Zahl der Schwangerschaftsabbrüche konstant : Jede siebte Schwangerschaft abgetrieben

Wiesbaden (rpo). Deutschland zählt zu den Ländern mit den niedrigsten Abtreibungsquoten. Dennoch wird fast jede siebte Schwangerschaft abgetrieben und das auf althergebrachte Art und Weise.

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland ist seit der Neuregelung Mitte der 90er mit leichten Schwankungen relativ konstant. Rund 31 400 Frauen haben im dritten Quartal 2003 abgetrieben - das war ein halbes Prozent mehr als im gleichen Quartal des Vorjahres, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch berichtete. Damit wird fast jede siebte Schwangerschaft nicht ausgetragen.

81 Prozent der Schwangerschaften wurden mit der Absaugmethode beendet - laut pro familia meist unter Vollnarkose. Das sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und -beratung deutlich mehr als in anderen europäischen Staaten. So würden in der Schweiz und in Großbritannien jeweils rund 40 Prozent der Abbrüche medikamentös vorgenommen.

"Das Unwissen über Mifegyne bei allen - Ärzten, Beratern und Medizinern in Deutschland - ist groß. Besonders auf dem Land", sagte Ines Thonke von pro familia in Frankfurt am Main. Dies sei offenbar mit veränderten Vertriebswegen der Abtreibungspille noch stärker geworden. Viele Mediziner hätten Berührungsängste. Außerdem sei die Vergütung für die Ärzte schlechter, der Aufwand wegen der dreimaligen ausführlichen Beratung aber höher.

45 Prozent der Frauen, die sich für einen Abbruch entschieden haben, waren den Statistikern zufolge verheiratet. Sechs Prozent waren minderjährig, sieben Prozent 40 Jahre und älter. Für 40 Prozent der Schwangeren wäre es ihre erste Geburt gewesen. Medizinische Gründe oder ein Verbrechen waren nur in drei Prozent der Fälle der Grund für den Abtreibung, 97 Prozent wurden nach der Beratungsregelung vorgenommen.

"Deutschland gehört weltweit zu den Ländern mit den niedrigsten Abbrecherquoten überhaupt", sagte Sigrid Weiser von pro familia in Frankfurt. "Wir sind eine Gesellschaft, die ein sehr gutes Verhütungsverhalten und Verhütungswissen hat."