IGeL-Monitor 2018: Individuelle Gesundheitsleistungen sind nur selten von Nutzen

IGeL-Report 2018: Individuelle Gesundheitsleistungen sind nur selten von Nutzen

Jeder zweite bekommt beim Arztbesuch individuelle Gesundheitsleistungen angeboten, die er privat bezahlen muss. Der aktuelle Report des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen zeigt jedoch: oftmals ist der Schaden größer als der Nutzen der teuren Angebote.

Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) müssen von den Kassenpatienten aus eigener Tasche bezahlt werden. Etwa eine Milliarde Euro geben gesetzlich Versicherte jährlich in deutschen Arztpraxen für solche Leistungen aus. Das Spektrum reicht von der professionellen Zahnreinigung über die Laserbehandlung von Krampfadern bis zu Reiseimpfungen.

Das ist die häufigste IGeL-Leistung

Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Früherkennung ist die am häufigsten angebotene und angenommene individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Das ergab die Umfrage des Marktforschungsinstituts aserto bei 2072 gesetzlich Versicherten im Auftrag des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen. Die Leistung wurde jedem fünften Versicherten angeboten. Auf Platz 2 landet die Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung bei Frauen.

Die Top 10 werden von Leistungen angeführt, die vom IGeL-Monitor als "negativ" oder "tendenziell negativ" bewertet werden. Beim Ultraschall der Eierstöcke handelt es sich sogar um eine Leistung, von der die Fachgesellschaft der Frauenärzte abrät. Demnach konnte in Studien kein Nutzen gezeigt werden, und es kann durch unkonkrete Diagnosen zu erheblichen Schäden kommen. "Unser Fazit ist: Die IGeL-Angebote orientieren sich nicht am nachgewiesenen medizinischen Nutzen, sondern an den Vorlieben einzelner Arztgruppen und an den Umsatzinteressen der Praxen", sagt Peter Pick, Geschäftsführer des MDS.

Darüber hinaus bemängelt der MDS, dass viele der Patienten zu den Angeboten gedrängt würden. Auch das konnte der Umfrage entnommen werden. Mehr als jeder dritte Patient gab an, dass er sich bedrängt oder unter Druck gesetzt fühlte. Nur bei vier Prozent der erbrachten IGeL ging die Initiative von Patienten aus.

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Zwei neue Bewertungen im IGeL-Monitor

Zwei Bewertungen haben sich im aktuellen Report verändert. Die Magnetresonanztomographie zur Früherkennung von Brustkrebs sieht das Wissenschaftlerteam eher kritisch. Die Experten konnten keine Hinweise für einen Nutzen, aber Hinweise für Schäden durch die mit der Untersuchung verbundenen Nebenwirkungen in den Studien finden. Daher bewerten sie die Leistung, die Frauen ohne stark erhöhtes Brustkrebsrisiko ergänzend oder alternativ zur Mammographie angeboten wird, als "tendenziell negativ".

Die zweite neue Bewertung ist die Osteopathie bei Kreuzschmerz. Zehn Studien wurden für die Bewertung auf Nutzen und Schaden unter die Lupe genommen. Insgesamt war die Qualität der Studien schlecht. Nur aus einer methodisch besseren und größeren dieser Studien konnten erste Hinweise abgeleitet werden, nach denen die Patienten durch die Therapie weniger Schmerzen und mehr Beweglichkeit hatten. Die Studien sagten aber nichts über die Entwicklung der Lebensqualität und über die Arbeitsunfähigkeit der Patienten aus. Hinweise auf Schäden konnten in den Daten ebenfalls nicht gefunden werden. Daher bewertet der IGeL-Monitor diese Leistung mit "unklar".

Die Top 10 der IGeL-Leistungen:

Den gesetzlichen Kassen ist die Ausweitung der IGeL-Angebote seit langer Zeit ein Dorn im Auge. Vor allem Gynäkologen, Augenärzte, Orthopäden, Urologen und Hautärzte erzielen Untersuchungen der Kassen zufolge mit diesen Leistungen zusätzliche Einnahmen.

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(ham)
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