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Unisex-Tarife und die Folgen: Höhere Beiträge für Privatpatienten

Unisex-Tarife und die Folgen : Höhere Beiträge für Privatpatienten

Ab 2013 sind Unisex-Tarife Pflicht. Das macht die Policen für Männer, die eine Krankenversicherung abschließen, deutlich teurer. Für Frauen wird es aber nicht billiger. Für Bestandskunden soll die Erhöhung aber moderat ausfallen.

Die private Krankenversicherung wird im kommenden Jahr deutlich teurer. "Bei Neukunden werden die Beiträge insbesondere für Männer steigen", sagte Reinhold Schulte, Chef der Signal Iduna und zugleich Chef des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV), unserer Zeitung. "Das liegt an den Unisex-Tarifen, zu denen uns der Europäische Gerichtshof verpflichtet. Künftig müssen Männer für die längere Lebenszeit der Frauen mitbezahlen."

Bislang hatten die Versicherer die Tarife für Männer und Frauen unterschiedlich kalkuliert. Weil Frauen im Schnitt fünf Jahre länger leben, mussten sie in der Kranken- wie auch Rentenversicherung höhere Beiträge zahlen. Das hielt der Europäische Gerichtshof für eine Ungleichbehandlung und verlangte Unisex-Tarife. Die kommen ab 21. Dezember. Dann dürfen für neue Verträge nur noch einheitliche Tarife angewendet werden.

"Der Beitragsunterschied beträgt derzeit rund 30 Prozent", schätzt Gerd Güssler vom Softwarehaus Kvpro. Mit diesem Aufschlag müssen Männer rechnen, wenn sie im nächsten Jahr in die private Krankenversicherung einsteigen. In Einzelfällen müssen neue Kunden auch deutlich mehr zahlen.

Höherer Zins

Im Gegenzug müssten die neuen Einheitstarife für Frauen eigentlich günstiger werden. Praktisch sparen die Frauen jedoch kaum. Grund ist, dass ab 2013 die meisten Krankenversicherer den Zins, den sie für die Altersrückstellungen zugrunde legen, von derzeit 3,5 Prozent auf 2,75 Prozent senken. Entsprechend müssen Versicherte mehr zahlen.

"Zudem nutzen viele Versicherer die Umstellung auch, um ihre Leistungen auszuweiten", betont Schulte. Oft gehöre jetzt die Psychotherapie standardmäßig zum Leistungsumfang. "Wir wollen in der Branche weg von den Billigtarifen."

Eine gute Nachricht hat Schulte für Kunden, die bereits einen Vertrag bei der privaten Krankenversicherung haben. "Für Bestandskunden fallen die Beitragserhöhungen in der privaten Krankenversicherung zum Jahreswechsel moderat aus", sagt der PKV-Chef. Das unterstreicht auch die Umfrage unter Branchengrößen (Grafik). Im vergangenen Jahr hatten die Assekuranzen ihre Kunden mit drastischen Beitragserhöhungen auf breiter Front überrascht. "Viele Versicherer halten ihre Beiträge nun stabil, trotzdem wird es Tarife geben, die angepasst werden", so Schulte.

Tipps für Alt-Kunden

Was können Alt-Kunden tun, die von einer Beitragserhöhung getroffen sind? Der Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung ist in der Regel nicht möglich. Allerdings können die Versicherten oft in einen anderen Tarif wechseln, der weniger Leistungen enthält und deshalb günstiger ist. DKas Recht auf einen Tarifwechsel innerhalb der eigenen Gesellschaft ist gesetzlich verankert. Dabei können angesparte Alterungsrückstellungen mitgenommen werden, während diese bei einem Wechsel des Unternehmens ganz oder zum großen Teil verfallen. Eine neue Gesundheitsprüfung ist bei einem Wechsel innerhalb der Versicherung übrigens nicht notwendig, wie Verbraucherzentralen betonen.

Die zweite Möglichkeit zum Sparen besteht darin, dass Versicherte ihren Selbstbehalt erhöhen. Dann müssen sie zwar künftig einen höheren Teil ihrer Arzt-Rechnungen selbst tragen, doch im Gegenzug sinken die Beiträge. Diesen Weg empfehlen Verbraucherschützer aber eher jungen, gesunden Patienten. Denn wer anfällig für Krankheiten ist, für den kann ein hoher Selbstbehalt teuer werden.

Hier geht es zur Infostrecke: 2013: So teuer werden private Krankenversicherungen

(RP/anch/csi)